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Was ist Grönland wert? US-Präsident Trump will die größte Insel der Welt kaufen – doch Ökonomen kommen zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen: von 570 Millionen bis 4,4 Billionen Dollar. Der österreichische Volkswirt Michael Steiner hat seine Berechnung sogar ans Weiße Haus geschickt.
📋 Das Wichtigste in Kürze
- Rohstoffwert: 4,4 Billionen Dollar laut American Action Forum – so viel wie Nvidia oder Apple
- Wirtschaftswert: Nur 50 Milliarden Dollar bei DCF-Bewertung laut The Economist
- US-Schätzung: 500 bis 700 Milliarden Dollar erwägt die Trump-Regierung angeblich
- Historischer Preis: 1946 boten die USA 100 Millionen Dollar – heute wären das 1,2 Milliarden
- Pro-Kopf-Angebot: Trump erwägt 10.000 bis 100.000 Dollar pro Grönländer
- Davos-Deal: Trump verzichtete am 21. Januar 2026 auf Kauf und Annexion
- Realität: Grönland ist nicht verkäuflich – weder Dänemark noch die Bevölkerung wollen das
Die Frage klingt absurd: Was kostet eine Insel von der Größe Westeuropas, auf der 57.000 Menschen leben und die seit 300 Jahren zu Dänemark gehört? US-Präsident Donald Trump stellt sie trotzdem – und Ökonomen weltweit versuchen, eine Antwort zu finden. Ihre Schätzungen könnten unterschiedlicher kaum sein.
Warum interessiert sich Trump überhaupt für Grönland?
Die größte Insel der Welt ist ein geopolitischer Jackpot. Unter dem schmelzenden Eis lagern Rohstoffe, die für das 21. Jahrhundert unverzichtbar sind: Seltene Erden für Smartphones und E-Autos, Uran, Gold, Diamanten und vermutlich riesige Öl- und Gasreserven. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe stuft drei grönländische Lagerstätten als „Giant“ oder sogar „Supergiant“ ein.
Grönland besitzt 39 der 50 Mineralien, die die USA als kritisch für ihre nationale Sicherheit eingestuft haben. Derzeit kontrolliert China 90 Prozent der weltweiten Verarbeitung von Seltenen Erden. Die Abhängigkeit des Westens von Peking gilt als strategisches Risiko – und Grönland als potenzielle Lösung.
Wie bewerten Ökonomen Grönland?
| Methode | Quelle | Schätzung |
|---|---|---|
| Rohstoffwert (Mineralien + Öl/Gas) | American Action Forum | 4,4 Billionen $ |
| Bodenwert (eisfreie Fläche) | Xpert.Digital | 726 Mrd. € |
| US-Regierungsschätzung | NBC News | 500–700 Mrd. $ |
| Historische Vergleiche | David Barker (Ex-Fed) | 12,5–77 Mrd. $ |
| DCF-Bewertung | The Economist | 50 Mrd. $ |
| Alaska-Vergleich (BIP-bereinigt) | Jensen & Ashton | 19,6 Mrd. $ |
| Subventions-Kapitalisierung | Finanzanalysten | 10,5–14,8 Mrd. € |
| Pro-Kopf-Zahlung (max.) | Reuters | 5,7 Mrd. $ |
Was sagt der österreichische Ökonom Michael Steiner?
Der Grazer Volkswirt Michael Steiner von der Karl-Franzens-Universität hat eine eigene Rechnung aufgestellt – und sie sogar ans Weiße Haus geschickt. Steiner nutzt eine Discounted-Cashflow-Methode, wie sie Investoren zur Unternehmensbewertung verwenden.
„Das ist der reine Wert aufgrund der derzeitigen Wirtschaftsleistung. Es ist ein eher geringer Betrag. Das macht deutlich, dass es nicht wirtschaftliche Gründe sind, die Grönland für Trump attraktiv machen.“
— Michael Steiner, Universität Graz
Zum Vergleich: Mit derselben Methode berechnete Steiner den Wert der Steiermark auf 880 Milliarden Euro – also rund 1.000 Milliarden Dollar. Das österreichische Bundesland wäre demnach wirtschaftlich deutlich wertvoller als die größte Insel der Welt.
Warum sind die Schätzungen so unterschiedlich?
Die Spanne von 570 Millionen bis 4,4 Billionen Dollar erklärt sich durch grundverschiedene Bewertungsansätze:
- Wirtschaftsleistung: Grönlands BIP liegt bei nur 3,3 bis 4 Milliarden Dollar. 90 Prozent der Exporte stammen aus der Fischerei. Ohne dänische Subventionen von jährlich 560 Millionen Dollar würde die Wirtschaft kollabieren.
- Rohstoffpotenzial: Die theoretischen Bodenschätze sind enorm – aber größtenteils unter kilometerdickem Eis verborgen. Die Förderkosten wären astronomisch.
- Strategischer Wert: Die Lage zwischen Nordamerika und Europa, die Thule Air Base und künftige arktische Handelsrouten sind schwer zu beziffern.
Was sind die Rohstoffe konkret wert?
Der Think-Tank American Action Forum (AAF) hat eine detaillierte Aufschlüsselung vorgelegt:
| Rohstoff | Geschätzter Wert |
|---|---|
| Seltene Erden | 1,5 Billionen $ |
| Erdöl (bis 17,5 Mrd. Barrel) | 1,4 Billionen $ |
| Erdgas (148 Bio. Kubikfuß) | 1,3 Billionen $ |
| Hafnium | Mehrere 100 Mrd. $ |
| Gold, Diamanten, Zink, Kupfer etc. | Mehrere 100 Mrd. $ |
| Theoretischer Gesamtwert | ~4,4 Billionen $ |
| Wirtschaftlich nutzbar (aktuell) | ~186 Mrd. $ |
Die Kvanefjeld-Lagerstätte gilt als drittgrößtes Seltene-Erden-Vorkommen der Welt. Die gesamten grönländischen Reserven könnten den weltweiten Bedarf für 150 Jahre decken.
Welche historischen Vergleiche gibt es?
- 1946: US-Präsident Harry Truman bot Dänemark 100 Millionen Dollar in Gold für Grönland. Kopenhagen lehnte ab. Inflationsbereinigt entspräche das heute etwa 1,7 Milliarden Dollar.
- 1867: Die USA kauften Alaska von Russland für 7,2 Millionen Dollar – damals als „Seward’s Folly“ verspottet. Heute ist Alaska ein Eckpfeiler der US-Energieversorgung.
- 1917: Dänemark verkaufte die Virgin Islands für 25 Millionen Dollar in Gold an die USA.
Würde man den Alaska-Kaufpreis auf heutige Verhältnisse und die Größe Grönlands umrechnen, kämen Ökonomen auf bis zu 19,6 Milliarden Dollar.
Was passierte bei Trumps Davos-Auftritt?
Am 21. Januar 2026 vollzog Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos eine überraschende Wende. Nach wochenlangen Drohungen – inklusive militärischer Optionen – verkündete er eine „Rahmenvereinbarung“ mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte.
„Wir haben den Rahmen für ein künftiges Abkommen in Bezug auf Grönland und tatsächlich die gesamte Arktisregion geschaffen.“
— Donald Trump auf Truth Social, 21. Januar 2026
Die wichtigsten Punkte des Deals:
- Keine Annexion: Dänemark behält die Souveränität über Grönland
- Keine Strafzölle: Trump zog angedrohte Zölle gegen acht europäische Länder zurück
- Bergbaurechte: Die USA erhalten Mitsprache bei Rohstoffprojekten
- Investitionskontrolle: Veto-Recht gegen chinesische oder russische Investitionen
- Militärpräsenz: Neuverhandlung des Stationierungsabkommens von 1951
- Golden Dome: Integration in Trumps Raketenabwehrprojekt
Wer sind die Tech-Milliardäre hinter den Kulissen?
Während Trump die Schlagzeilen dominiert, haben US-Milliardäre längst Fakten geschaffen. Jeff Bezos, Bill Gates, Sam Altman und Michael Bloomberg investierten seit 2019 mehrere Hundert Millionen Dollar in das Bergbau-Startup KoBold Metals, das auf Grönland Seltene Erden abbauen will.
Ronald Lauder, Erbe des Estée-Lauder-Konzerns und enger Trump-Freund, beteiligte sich an grönländischen Wasserkraft- und Mineralwasser-Projekten. PayPal-Gründer Peter Thiel verfolgt die Idee einer „Freedom City“ – einer libertären Siedlung ohne staatliche Regulierung.
Warum ist Grönland trotzdem nicht kaufbar?
Grönland ist seit 2009 weitgehend autonom und hat das Recht auf Selbstbestimmung. Ein Verkauf über die Köpfe der Bevölkerung hinweg wäre völkerrechtlich nicht möglich. Der ehemalige dänische Grönlandminister Tom Høyem bringt es auf den Punkt:
„Früher war es möglich, ein Territorium zu verkaufen. Heute geht das völkerrechtlich nicht mehr.“
— Tom Høyem, Grönlandminister 1982–1987
85 Prozent der Grönländer lehnen einen Anschluss an die USA ab. Ex-Premierminister Múte B. Egede fasste die Haltung so zusammen: „Wir sind offen für Geschäfte, aber wir stehen nicht zum Verkauf.“
❓ Häufig gestellte Fragen
Was ist Grönland wert?
Die Schätzungen reichen von 570 Millionen bis 4,4 Billionen Dollar. Der theoretische Rohstoffwert liegt bei etwa 4,4 Billionen Dollar, während die reine Wirtschaftsleistung nur etwa 50 Milliarden Dollar rechtfertigt. Die US-Regierung erwägt angeblich 500 bis 700 Milliarden Dollar als Kaufpreis.
Welche Rohstoffe gibt es in Grönland?
Grönland besitzt riesige Vorkommen an Seltenen Erden, Uran, Gold, Diamanten, Zink, Kupfer und vermutlich auch Öl und Gas. Die Kvanefjeld-Lagerstätte ist das drittgrößte Seltene-Erden-Vorkommen der Welt. 39 der 50 von den USA als kritisch eingestuften Mineralien sind auf der Insel vorhanden.
Kann Trump Grönland einfach kaufen?
Nein. Grönland ist seit 2009 autonom und hat das Recht auf Selbstbestimmung. Ein Verkauf wäre ohne Zustimmung der grönländischen Bevölkerung völkerrechtlich nicht möglich. 85 Prozent der Grönländer lehnen einen Anschluss an die USA ab.
Was ist beim Davos-Deal 2026 herausgekommen?
Trump einigte sich am 21. Januar 2026 mit NATO-Chef Rutte auf eine „Rahmenvereinbarung“. Dänemark behält die Souveränität, Trump verzichtete auf Annexion und Strafzölle. Die USA erhalten dafür Bergbaurechte, Mitsprache bei Investitionen und eine verstärkte Militärpräsenz.
Haben die USA schon früher versucht, Grönland zu kaufen?
Ja. 1946 bot US-Präsident Harry Truman Dänemark 100 Millionen Dollar in Gold für Grönland an. Das Angebot wurde abgelehnt. Inflationsbereinigt entspräche der Betrag heute etwa 1,7 Milliarden Dollar.
Warum ist Grönland strategisch so wichtig?
Grönland liegt in der Flugbahn russischer und chinesischer Raketen Richtung USA. Die Thule Air Base ist die nördlichste US-Militärbasis der Welt. Durch das schmelzende Arktis-Eis entstehen zudem neue Handelsrouten zwischen Asien und Europa, für die Grönland zum „Tor“ werden könnte.
Welche Tech-Milliardäre investieren in Grönland?
Jeff Bezos, Bill Gates, Sam Altman und Michael Bloomberg haben in das Bergbau-Startup KoBold Metals investiert, das auf Grönland Seltene Erden abbauen will. Trump-Freund Ronald Lauder investiert in Wasserkraft und Mineralwasser, Peter Thiel plant eine „Freedom City“.
Fazit: Ein Preisschild für das Unbezahlbare
Grönland ist ein ökonomisches Paradoxon: Die Insel sitzt auf Rohstoffen, die theoretisch so viel wert sind wie Apple oder Nvidia – doch ihre tatsächliche Wirtschaftsleistung liegt unter der eines mittelgroßen deutschen Landkreises. Die Schätzungen der Ökonomen zeigen vor allem eines: Es gibt keinen objektiven Marktwert für ein Territorium, das gar nicht zum Verkauf steht.
Donald Trump mag mit seinem Davos-Deal einen Teil seiner Ziele erreicht haben – vollständige Kontrolle über Grönland gehört nicht dazu. Die 57.000 Grönländer haben das letzte Wort. Und wie der Grazer Ökonom Michael Steiner treffend analysiert: Es sind nicht wirtschaftliche, sondern geopolitische Gründe, die Grönland für Washington so attraktiv machen.
