Als ich zum ersten Mal in einem asiatischen Hochhaus den Aufzug benutzte, fiel mir sofort etwas Seltsames auf: Die Stockwerke 4, 14, 24 und 34 fehlten einfach. Dies war meine erste Begegnung mit der kulturellen Bedeutung der Zahl 4 in vielen asiatischen Ländern.
In vielen asiatischen Kulturen, insbesondere in China, Korea und Japan, gilt die Zahl 4 als Unglückszahl. Der Grund dafür ist sprachlicher Natur: In mehreren asiatischen Sprachen, insbesondere im Chinesischen, klingt das Wort für „vier“ (四, sì) sehr ähnlich wie das Wort für „Tod“ (死, sǐ). Diese sprachliche Ähnlichkeit hat zu einer tief verwurzelten kulturellen Assoziation geführt, die bis heute in vielen Lebensbereichen spürbar ist.
Das Wichtigste im Überblick
- Die Zahl 4 klingt in vielen asiatischen Sprachen ähnlich wie das Wort für „Tod“
- Tetraphobie (die Angst vor der Zahl 4) hat reale Auswirkungen auf Alltag und Wirtschaft
- Die Abneigung gegen die Zahl 4 beeinflusst sogar Immobilienpreise
Diese kulturelle Prägung, die man als Tetraphobie bezeichnet, geht weit über Aberglauben hinaus. Sie beeinflusst reale Entscheidungen in Architektur, Wirtschaft und Alltagsleben. So werden in vielen Hochhäusern in Asien die Etagen mit der Ziffer 4 komplett ausgelassen, genau wie in meiner ersten Begegnung mit diesem kulturellen Phänomen.
Dieser Artikel untersucht die Ursprünge dieser kulturellen Besonderheit, ihre Auswirkungen auf den Alltag und die wirtschaftlichen Konsequenzen, die sich aus dieser einzigartigen kulturellen Prägung ergeben. Von Immobilienpreisen bis zu Telefonnummern – die Präsenz der Zahl 4 hat weitreichende Folgen.
1. Einführung: Die ungeliebte Vier
Tetraphobie, die ausgeprägte Furcht vor der Ziffer Vier, stellt ein faszinierendes kulturelles Phänomen in Ostasien dar. Diese spezifische Angst ist vor allem in China, Japan und Korea tief verwurzelt. Sie geht weit über einfachen Aberglauben hinaus und prägt das gesellschaftliche Leben.
Der grund für diese Ablehnung liegt primär in der Linguistik. In Mandarin, der wichtigsten chinesischen Sprache, ist die Aussprache des Wortes für „vier“ (sì) fast identisch mit dem Ton für „Tod“ (sǐ). Diese klangliche Nähe verleiht der numerischen Größe eine stark negative Konnotation.
Die eingangs erwähnte Info-Box fasst die Kernpunkte dieses Zusammenhangs prägnant zusammen. Sie unterstreicht, wie diese sprachliche Besonderheit reale Konsequenzen hat. Die kulturelle bedeutung ist so mächtig, dass sie eine eigene Phobie begründet hat.
Für viele Chinesen und ihre Nachbarn ist die Vermeidung dieser Ziffer ein selbstverständlicher Teil des Alltags. Sie erscheint in Gebäuden, bei Produktpreisen oder in Telefonnummern deutlich seltener. Diese Praxis zeigt die praktische Umsetzung einer kulturellen Norm.
Die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen dieser Tetraphobie sind beträchtlich. Immobilien in bestimmten Stockwerken werden gemieden, und Geschäfte passen ihre Strategien an. Dies verdeutlicht, wie eine numerische Assoziation reale Märkte beeinflussen kann.
2. Der Ursprung: Warum ausgerechnet die Zahl 4?
Die Ursprünge der Tetraphobie führen direkt in die Welt der chinesischen Sprache und ihrer Phonetik. Nicht die numerische Eigenschaft dieser Ziffer, sondern ihre akustische Qualität begründet ihre kulturelle Bedeutung. Die Erklärung liegt in einem sprachlichen Zufall, der tief in der chinesischen Sprache verwurzelt ist.
Der sprachliche Schlüssel: Klang und Bedeutung
Der Grund für die negative Konnotation liegt in der Homophonie der chinesischen Sprache. Das Wort für die Ziffer vier, 四 (sì), klingt im Mandarin nahezu identisch zum Wort für Tod, 死 (sǐ). Diese klangliche Ähnlichkeit, bei der sich Aussprache und Ton ähneln, ist der sprachliche Kern der Tetraphobie. Die Aussprache der beiden Wörter in ihrer jeweiligen Tonlage schafft eine starke Assoziation, die über die reine Zahlenbedeutung hinausgeht.
Kulturelle Verbreitung
Dieser sprachliche Grund hat sich mit der chinesischen Kultur über Handelswege und kulturellen Austausch verbreitet. Die Abneigung gegen diese Zahl verbreitete sich mit der chinesischen Kultur und Schrift in Nachbarländer wie Korea, Japan und Vietnam. Dort wurde die Abneigung übernommen und in lokale Glaubenssysteme integriert.
Die kulturelle Verbreitung erfolgte nicht nur durch Sprache, sondern auch durch Philosophie und Handel. Die phonetische Assoziation wurde so zu einem festen kulturellen Code. Diese Verbreitung zeigt, wie ein sprachliches Detail eine tiefe kulturelle Prägung über Ländergrenzen hinweg formen kann.
Die Verbreitung zeigt, wie kulturelle Muster durch Kommunikation und Austausch wandern. Die gemeinsame sprachliche Grundlage in Ostasien ermöglichte diese kulturelle Übertragung. Heute ist die Aversion in vielen asiatischen Gesellschaften tief verwurzelt.
3. Tetraphobie im Alltag: Wo die Zahl 4 verschwindet

Beim Betreten eines Hochhauses in vielen asiatischen Metropolen fällt Besuchern häufig eine Besonderheit der Stockwerksbezeichnungen auf. Die Tetraphobie, die Furcht vor der Ziffer Vier, hinterlässt im Alltag zahlreicher Gesellschaften Ostasiens unübersehbare Spuren. Diese kulturell tief verwurzelte Aversion zeigt sich in Architektur, Alltag und Wirtschaft.
Architektur und Wohnen
In der Architektur zeigt sich die Tetraphobie am deutlichsten. Viele Hochhäuser in Ländern mit chinesischem Kultureinfluss verzichten komplett auf die vierte Etage. Das vierte Stockwerk wird häufig übersprungen. Stattdessen folgt auf die dritte Ebene direkt die fünfte. In Aufzügen sucht man den Knopf für die vierte Etage oft vergeblich.
Diese Praxis ist in Städten wie Hongkong, Singapur und Taipeh allgegenwärtig. Krankenhäuser und Hotels folgen demselben Muster. Sie verzichten auf Zimmer mit der Nummer Vier. Stattdessen finden sich Bezeichnungen wie „3A“ oder „5A“.
Die Vermeidung betrifft auch Stockwerksnummern mit der Ziffer. Die 13., 14., 24. und 34. Etage existieren in vielen Gebäuden nicht. Dies zeigt, wie tief die kulturelle Prägung reicht.
Alltägliche Tabus
Die Tetraphobie erstreckt sich auf alle Lebensbereiche. Telefon- und Autokennzeichen mit der Ziffer Vier sind unbeliebt. Viele Menschen meiden sie bewusst. Selbst bei Hochzeiten oder Firmengründungen wird das Datum geprüft.
Viele Chinesen vermeiden Reisen im vierten Monats eines Geschäftsjahres. Sie fürten, dies bringe Pech. Diese Praxis ist besonders in Taiwan und Hongkong verbreitet. Selbst Hausnummern mit der Zahl Vier sind schwerer zu vermieten oder zu verkaufen.
Die Tabuisierung zeigt sich auch in Alltagsgegenständen. In manchen Regionen fehlt die vierte Taste in Aufzügen. In Krankenhäusern wird auf die vierte Station oder das vierte Zimmer verzichtet. Diese Maßnahmen sollen Unglück und Pech abwenden.
| Bereich | Vermeidungspraxis | Beispiel |
|---|---|---|
| Architektur | Auslassen der 4., 14., 24., 34. Etage | Stockwerke 3A oder 5A statt 4 |
| Telekommunikation | Telefonnummern mit vielen Vieren sind unbeliebt | Rufnummern mit Endung -4 werden gemieden |
| Mobilität | Autokennzeichen mit 4 werden gemieden | Kennzeichen mit 8 (Glückszahl) sind begehrt |
| Wohnen | Wohnungen in 4. Stock oder mit 4 in der Hausnummer | Miet- und Kaufpreise können sinken |
| Gesundheitswesen | Krankenzimmer mit 4 werden oft ausgelassen | Station 4, Zimmer 4 existieren oft nicht |
Die Tetraphobie beeinflusst auch persönliche Entscheidungen. Hochzeiten werden selten im vierten Monat gefeiert. Geschäftsgründungen werden auf „glückverheißende“ Daten gelegt. Selbst bei Reisen wird der vierte Tag eines Monats gemieden.
Diese Alltagspraktiken zeigen, wie tief die kulturelle Prägung reicht. Die Furcht vor der Unglückszahl ist kein bloßer Aberglaube. Sie ist ein fester Bestandteil der Alltagskultur in vielen Teilen Asiens.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind spürbar. Immobilien in Stockwerken mit der Zahl Vier sind schwerer zu vermitteln. Die Miet- und Kaufpreise fallen entsprechend. Selbst Telefonnummern oder Kfz-Kennzeichen mit der Ziffer Vier sind weniger begehrt.
Die Tetraphobie ist damit kein abstraktes Konzept. Sie formt reale Entscheidungen und hat messbare wirtschaftliche Konsequenzen. Diese kulturelle Besonderheit zeigt, wie Sprache und Zahlenvorstellungen den Alltag prägen können.
4. Wirtschaftliche und soziale Auswirkungen

Die Tetraphobie entfaltet reale wirtschaftliche und soziale Kräfte, die weit über Aberglauben hinausgehen. Diese kulturelle Prägung hat messbare Auswirkungen auf Märkte, Preise und das soziale Miteinander.
Der Immobilienmarkt
Die Auswirkungen auf den Immobilienmarkt sind unmittelbar und messbar. Wohnungen oder Büros in der vierten Etage oder mit der Hausnummer 4 sind in vielen asiatischen Metropolen schwerer zu vermitteln. Makler berichten von Preisnachlässen von bis zu 20 Prozent für solche Einheiten.
Im Gegenzug sind Stockwerke mit der Glückszahl 8, wie der achte oder achtzehnte Stock, besonders begehrt und erzielen höhere Preise. Diese Zahl gilt als Symbol für Wohlstand und Wohlstand.
Geschäftswelt und Glückszahlen
Die Tetraphobie beeinflusst auch die Geschäftswelt. Telefonnummern, Adressen oder Preise, die eine 4 enthalten, werden von vielen Unternehmen gemieden. Stattdessen setzt man auf Glückszahlen wie 8 (für Reichtum) oder 9 (für Langlebigkeit).
Termine für wichtige Ereignisse wie Vertragsunterzeichnungen oder Eröffnungen werden oft nach dem Mondkalender gelegt, um Daten mit vermeintlich unglücklichen Zahlen zu meiden.
| Bereich | Auswirkung der Tetraphobie | Konkretes Beispiel |
|---|---|---|
| Immobilien | Preisnachlässe für „Unglücks“-Etagen; Aufpreise für „Glücks“-Etagen | Etage 4 ist oft 15-30% günstiger als eine vergleichbare Wohnung im 8. Stock. |
| Telekommunikation | Telefonnummern mit vielen Vieren sind unbeliebt, Nummern mit vielen Achten begehrt. | Eine „goldene“ Handynummer mit mehreren 8er-Folgen kann hohe Preise erzielen. |
| Einzelhandel | Preise werden angepasst, um die Ziffer 4 zu vermeiden. | Ein Produkt kostet 3,99 € statt 4,00 €. |
| Terminplanung | Wichtige Termine werden auf „glückverheißende“ Daten gelegt. | Hochzeiten oder Firmeneröffnungen werden selten am 4. eines Monats geplant. |
Sozial kann die Tetraphobie zu unterschwelliger Diskriminierung führen. Personen mit einer Adresse oder Telefonnummer, die viele Vieren enthält, könnten Vorurteilen begegnen. Diese Kultur der Zahlenmagie ist tief verwurzelt und beeinflusst selbst die Uhrzeit: Termine um 4 Uhr oder 4:44 werden gemieden, während 8:08 Uhr als glückverheißend gilt.
5. Fazit: Die Macht der Bedeutung
Die Tetraphobie zeigt, wie tief sich kulturelle Prägungen in das Leben von Gesellschaften eingraben können. Was als sprachlicher Zufall begann – die klangliche Nähe der Zahl Vier zum Wort für Tod – formte über Jahrhunderte eine mächtige kulturelle Konvention. Diese Bedeutung ist kein bloßer Aberglaube, sondern eine soziale Realität.
Diese kulturelle Prägung beeinflusst reale Entscheidungen. Die als Unglückszahl stigmatisierte Vier wird in Gebäuden, bei Telefonnummern und sogar bei der Terminplanung gemieden, während die Acht als Glückszahl begehrt ist. Diese Kultur der Zahlenmagie beeinflusst von der Uhrzeit für Vertragsunterzeichnungen bis zur Wahl einer Telefonnummer den Alltag.
Dieser Artikel zeigt, wie mächtig zugeschriebene Bedeutungen sind. Die Macht von Zahlen und Symbolen in einer Kultur kann wirtschaftliche Werte verschieben und tägliche Routinen prägen. Solche Traditionen bleiben auch in einer globalisierten Welt erstaunlich lebendig.

