Karneval Begriffe Einfach erklärt: Dein Guide für die 5. Jahreszeit

„Ich kann auch ohne Alkohol Karneval feiern“ – wer diesen Satz im Rheinland ausspricht, erntet vermutlich mehr als nur ungläubige Blicke. Aber was steckt eigentlich hinter all den Bräuchen und Karneval Begriffen, die diese fünfte Jahreszeit so einzigartig machen? Ein kleiner Ausflug in die Welt von Kamelle, Büttenreden und dem jecken Treiben.

Symbolbild zum Thema Karneval Begriffe
Symbolbild: Karneval Begriffe (Bild: Pexels)
TitelDas ABC des Karnevals
GenreKultur, Brauchtum

Unser Eindruck: Ein unterhaltsamer Streifzug durch die karnevalistische Begriffslandschaft, der sowohl für Neulinge als auch für eingefleischte Jecken Wissenswertes bereithält.

Was bedeutet eigentlich „Alaaf“ und „Helau“?

Die Rufe „Alaaf“ und „Helau“ sind wohl die bekanntesten Karneval Begriffe, doch ihre Bedeutung und Verbreitung variieren regional. Während „Alaaf“ vor allem in Köln und Umgebung zu hören ist und so viel wie „Köln über alles“ bedeutet, schallt „Helau“ vor allem in Düsseldorf, Mainz und anderen Karnevalshochburgen durch die Straßen. Beide Rufe sind Ausdruck der Lebensfreude und des Zusammengehörigkeitsgefühls während der tollen Tage.

Film-Fakten

  • Karnevalistische Hochburgen sind vor allem im Rheinland zu finden.
  • Die „fünfte Jahreszeit“ beginnt offiziell am 11.11. um 11:11 Uhr.
  • Die tollen Tage dauern von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch.
  • Kamelle und Strüßjer sind beliebte Wurfgeschosse bei Karnevalsumzügen.

Die wichtigsten Karneval Begriffe von A bis Z

Die Welt des Karnevals ist bunt und vielfältig, und das spiegelt sich auch in den zahlreichen Begriffen wider, die mit dieser Tradition verbunden sind. Hier ein kleiner Überblick, der Licht ins Dunkel bringt:

A wie Alkohol: Manuel Andrack, selbst ein Freund des gepflegten Karnevals, bringt es auf den Punkt: „Der Satz ‚Ich kann auch ohne Alkohol Karneval feiern‘ gehört definitiv ins Reich der Legenden.“ Ein kühles Kölsch oder Alt gehören für viele Jecken einfach dazu. Aber natürlich gilt auch hier: Maß halten!

B wie Bier: In den Karnevalshochburgen scheiden sich die Geister, wenn es um das flüssige Gold geht. Während in Köln Kölsch fließt, bevorzugen die Düsseldorfer ihr Alt. Heinrich Böll, Literaturnobelpreisträger und bekennender Kölner, bezeichnete Kölsch einst als „harntreibendes Lokalgebräu“. Eine beliebte Umschreibung für Düsseldorfer Alt: „Sterbehilfe mit drei Buchstaben“.

C wie Carneval, König: Ursprünglich gab es keinen Karnevalsprinzen, sondern einen „König Carneval“ (noch mit „C“ damals). Dagegen wurde im 19. Jahrhundert jedoch behördlicherseits eingeschritten. Begründung: In Preußen gibt es nur einen König, und der sitzt in Berlin.

D wie Dreigestirn: Das Dreigestirn ist das regierende Triumvirat im Kölner Karneval, bestehend aus Prinz, Bauer und Jungfrau. Diese drei Figuren verkörpern traditionelle Werte und sind während der Session die wichtigsten Repräsentanten des Karnevals. Der Prinz steht für die Narretei, der Bauer für die Wehrhaftigkeit und die Jungfrau, traditionell von einem Mann dargestellt, für die Unschuld. (Lesen Sie auch: Weather: Gutes Wetter für Paraden: Karnevalsstimmung)

E wie Enthemmung, befristete: Die kalendarisch vorgeschriebene „Witzischkeit“ des Karnevals hält genau fünf Tage an. Die Devise lautet: Heute feiern, morgen wieder in der Reihe tanzen. Der Karneval bietet eine willkommene Auszeit vom Alltag, in der man sich hemmungslos amüsieren kann, bevor es wieder zurück in die Normalität geht.

F wie Fasching: Sag einmal „Fasching“ und du bist in Köln ein toter Mann. In Köln und Düsseldorf ist diese Bezeichnung verpönt. In einem Kölner „Tatort“ stöhnte Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) einmal über das „Faschingsfieber“. Darauf Gerichtsmediziner Joseph Roth (Joe Bausch): „Sag noch einmal ‚Fasching‘ zu jemandem, der dich nicht so lieb hat wie ich, und du bist in Köln ein toter Mann.“

G wie Grapscher: Er spannt beim Karnevalszug den Schirm auf, um besonders viel Kamelle aufzufangen, und tritt notfalls einem Kind auf die Finger, um sich einer Tafel Schokolade zu bemächtigen. Der Grapscher ist die Negativfigur des Karnevals, der den Spaß am Feiern durch Egoismus und Rücksichtslosigkeit trübt.

H wie Höhner: Eine der bekanntesten Karnevalsband. Der Subtext ihrer Lieder ist, dass es an Köln nichts mehr zu verbessern gibt, denn dann wär‘ es nicht mehr Köln. Stichwort „Kölle du bes e Jeföhl“ (Köln du bist ein Gefühl). Die Höhner sind fester Bestandteil des Kölner Karnevals und ihre Lieder werden von Jung und Alt mitgesungen.

I wie I-Kostüm: Früher ein Klassiker, heute das Kostüm, dessen Name nicht genannt werden darf. Wer nicht darauf verzichten will, spricht besser von Winnetou-Kostüm. Die Diskussion um kulturelle Aneignung hat auch den Karneval erreicht und dazu geführt, dass bestimmte Kostüme kritisch hinterfragt werden.

J wie Jeck: Ein Jeck ist ein Karnevalsfan, der mit Begeisterung und Hingabe die fünfte Jahreszeit feiert. Jecken zeichnen sich durch ihre Kreativität, ihre Lebensfreude und ihre Fähigkeit aus, den Alltag für ein paar Tage hinter sich zu lassen.

K wie Kamelle: Süßigkeiten, die bei Karnevalsumzügen von den Wagen geworfen werden. Kamelle sind vor allem bei Kindern beliebt, aber auch Erwachsene freuen sich über die süße Beute. Neben Kamelle werden auch oft Strüßjer (kleine Blumensträuße) und andere kleine Geschenke geworfen.

L wie Lachende Kölnarena: Eine der größten Karnevalssitzungen in Köln, bei der tausende Jecken gemeinsam feiern und schunkeln. Die Lachende Kölnarena ist ein Highlight der Karnevalssession und bietet ein buntes Programm mit Musik, Tanz und Büttenreden. (Lesen Sie auch: Eternit Prozess Italien: Urteil Aufgehoben – Was…)

M wie Mottowagen: Aufwendig gestaltete Wagen, die bei Karnevalsumzügen aktuelle politische und gesellschaftliche Themen aufgreifen. Mottowagen sind oft satirisch und provokant und regen zum Nachdenken an.

N wie Neger, Ernst: Ein umstrittener Karnevalssänger, dessen Lieder heute aufgrund rassistischer Inhalte kritisiert werden. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des Karnevals ist wichtig, um ein Bewusstsein für diskriminierende Traditionen zu schaffen und diese zu überwinden.

O wie Orden: Auszeichnungen, die an Karnevalisten für ihre Verdienste um den Karneval verliehen werden. Orden sind oft mit dem jeweiligen Karnevalsmotto verziert und werden stolz getragen.

P wie Prinz: Der wichtigste Repräsentant des Karnevals, der während der Session die Narrenkappe trägt und das närrische Volk regiert. Der Prinz verkörpert die Lebensfreude und die Ausgelassenheit des Karnevals.

R wie Rosenmontag: Der Höhepunkt des Karnevals, an dem in vielen Städten die großen Rosenmontagsumzüge stattfinden. Rosenmontag ist ein Feiertag, an dem die Jecken ausgelassen feiern und die Straßen in bunte Partymeilen verwandeln.

S wie Schunkeln: Eine typische Karnevalsbewegung, bei der sich die Jecken Arm in Arm wiegen und gemeinsam singen. Schunkeln verbindet und sorgt für eine ausgelassene Stimmung.

T wie Tollitäten: Bezeichnung für die Mitglieder des Dreigestirns (Prinz, Bauer und Jungfrau). Die Tollitäten sind die Stars des Karnevals und werden von den Jecken gefeiert und verehrt.

Detailansicht: Karneval Begriffe
Symbolbild: Karneval Begriffe (Bild: Pexels)

U wie Umzug: Ein farbenprächtiges Spektakel, bei dem Karnevalisten in Kostümen durch die Straßen ziehen und Kamelle werfen. Umzüge sind ein Highlight des Karnevals und ziehen jedes Jahr tausende Zuschauer an. (Lesen Sie auch: Superreiche Vermögen: Wem Gehört Fast die Ganze…)

V wie Verkleidung: Ein wichtiger Bestandteil des Karnevals, bei dem sich die Jecken in fantasievolle Kostüme werfen. Verkleidungen ermöglichen es, für einen Tag in eine andere Rolle zu schlüpfen und den Alltag hinter sich zu lassen.

W wie Weiberfastnacht: Der Donnerstag vor Rosenmontag, an dem die Frauen das Regiment übernehmen und den Männern die Krawatten abschneiden. Weiberfastnacht ist der Auftakt der tollen Tage und wird von den Frauen ausgelassen gefeiert.

Z wie Zugweg: Die Strecke, die der Karnevalsumzug nimmt. Der Zugweg ist oft kilometerlang und führt durch die Innenstadt der jeweiligen Stadt.

🎬 Fun Fact

Wussten Sie, dass die Tradition des Karnevals bis in die Antike zurückreicht? Schon die alten Römer feierten ausgelassene Feste, um den Winter zu vertreiben.

Die Rolle der Musik im Karneval

Die Musik ist ein zentrales Element des Karnevals. Sie sorgt für Stimmung, verbindet die Jecken und transportiert die Botschaften des Karnevals. Zahlreiche Karnevalsbands haben sich in den letzten Jahrzehnten einen Namen gemacht und tragen mit ihren Liedern zur Popularität des Karnevals bei. Die Höhner sind zweifellos eine der bekanntesten und erfolgreichsten Karnevalsbands im Rheinland. Ihre Hits wie „Viva Colonia“ oder „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ sind fester Bestandteil jeder Karnevalsfeier. Aber auch andere Bands wie Brings, Kasalla oder Cat Ballou erfreuen sich großer Beliebtheit und tragen mit ihren Liedern zur Vielfalt der Karnevalsmusik bei.

Von Tradition zu Moderne: Der Karneval im Wandel der Zeit

Der Karneval hat sich im Laufe der Jahrhunderte stetig verändert und weiterentwickelt. Während früher vor allem religiöse und soziale Motive im Vordergrund standen, sind heute auch politische und gesellschaftliche Themen von Bedeutung. Die Mottowagen bei den Karnevalsumzügen greifen aktuelle Ereignisse auf und regen zum Nachdenken an. Auch die Kostüme haben sich gewandelt. Während früher vor allem traditionelle Verkleidungen wie Harlekin oder Pierrot beliebt waren, sind heute der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Superhelden, Filmfiguren oder einfach nur bunte und ausgefallene Kreationen – alles ist erlaubt. Der Karneval ist ein Spiegelbild der Gesellschaft und spiegelt die Veränderungen und Entwicklungen wider.

Wie Stern berichtet, ist der Karneval mehr als nur eine Aneinanderreihung von Partys und Umzügen. Er ist ein wichtiger Bestandteil der rheinischen Kultur und ein Ausdruck von Lebensfreude, Zusammengehörigkeit und Kreativität.

Im Zusammenhang mit dem Karneval ist es wichtig, auf die Einhaltung von Regeln und Gesetzen zu achten. So weist die Polizei Köln beispielsweise auf die Einhaltung des Jugendschutzes hin und gibt Hinweise zum Schutz vor Taschendiebstahl. Die Telefonnummer für den Einsatzleiter der Polizei Köln ist (1466/69-1536. Zudem wird auf das Aktenzeichen azi-Zeit verwiesen. (Lesen Sie auch: Em 2024 Maskottchen Fake: YouTuber zahlt hohe…)

Für wen lohnt sich das ABC des Karnevals?

Wer sich für Bräuche und Traditionen interessiert und einen unterhaltsamen Einblick in die Welt des Karnevals gewinnen möchte, ist hier genau richtig. Wer „Typisch Kölsch“ von Tommy Jaud mochte, wird auch an diesem Artikel seine Freude haben. Er bietet eine kurzweilige und informative Einführung in die karnevalistische Begriffslandschaft und vermittelt ein Gefühl für die einzigartige Atmosphäre dieser fünften Jahreszeit.

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Häufig gestellte Fragen

Warum wird Karneval auch als „fünfte Jahreszeit“ bezeichnet?

Der Karneval wird als fünfte Jahreszeit bezeichnet, weil er eine besondere Zeit des Feierns und der Ausgelassenheit darstellt, die sich von den übrigen Jahreszeiten unterscheidet. Sie beginnt am 11.11. und erreicht ihren Höhepunkt in den Tagen vor Aschermittwoch.

Was ist der Unterschied zwischen Karneval, Fasching und Fastnacht?

Die Begriffe Karneval, Fasching und Fastnacht bezeichnen im Wesentlichen dasselbe Brauchtum, werden aber in unterschiedlichen Regionen verwendet. Karneval ist vor allem im Rheinland gebräuchlich, Fasching in Süddeutschland und Österreich und Fastnacht in der Schweiz und in Teilen Südwestdeutschlands.

Welche Bedeutung haben die Kostüme im Karneval?

Die Kostüme im Karneval ermöglichen es den Menschen, für eine begrenzte Zeit in andere Rollen zu schlüpfen und den Alltag hinter sich zu lassen. Sie sind Ausdruck von Kreativität und Fantasie und tragen zur ausgelassenen Stimmung bei.

Was sind Kamelle und Strüßjer und warum werden sie geworfen?

Kamelle sind Süßigkeiten und Strüßjer kleine Blumensträuße, die bei Karnevalsumzügen von den Wagen geworfen werden. Sie sind eine Geste der Freude und des Teilens und sollen die Zuschauer erfreuen und in die Feierlichkeiten einbeziehen.

Wie hat sich der Karneval im Laufe der Zeit verändert?

Der Karneval hat sich im Laufe der Zeit von einem religiös geprägten Brauchtum zu einem modernen Fest der Lebensfreude und der gesellschaftlichen Auseinandersetzung entwickelt. Politische und gesellschaftliche Themen werden in den Mottowagen aufgegriffen, und die Kostüme sind vielfältiger und fantasievoller geworden.

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Symbolbild: Karneval Begriffe (Bild: Pexels)

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