Hartmut Mehdorn, geboren am 31. Juli 1942, ist eine der prägendsten und zugleich umstrittensten Figuren der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Auch im Mai 2026, im Alter von 83 Jahren, äußert sich der ehemalige Bahnchef noch zu aktuellen Debatten und zieht Bilanz über ein bewegtes Berufsleben, das ihn an die Spitze von Großkonzernen wie der Deutschen Bahn, Air Berlin und der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) führte.
Hartmut Mehdorn ist ein ehemaliger deutscher Industriemanager und Maschinenbauingenieur, der vor allem als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG von 1999 bis 2009 bekannt wurde. Seine Karriere ist geprägt von Sanierungsversuchen und der Leitung komplexer Großprojekte, die ihm sowohl Anerkennung als auch scharfe Kritik einbrachten.
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Inhaltsverzeichnis
- Die Anfänge: Von der Luftfahrt zur Heidelberger Druckmaschinen AG
- Hartmut Mehdorn als Bahnchef: Sanierung und Kontroversen
- Stuttgart 21 und der Berliner Hauptbahnhof: Mehdorns Bauprojekte
- Air Berlin: Der Versuch einer Rettung
- BER: Die Herausforderung Flughafen Berlin Brandenburg
- Rückzug aus dem Geschäftsleben und aktuelle Ansichten (Mai 2026)
- Mehdorns Managementstil und sein Vermächtnis
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Hartmut Mehdorn
- Fazit: Hartmut Mehdorn – Eine prägende Figur
Das Wichtigste in Kürze
- Hartmut Mehdorn, geboren am 31. Juli 1942, ist ein deutscher Industriemanager und Maschinenbauingenieur.
- Er war von 1999 bis 2009 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG und trieb deren Sanierung voran.
- Mehdorn leitete von 2011 bis 2013 die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin.
- Von 2013 bis 2015 war er Chef der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) und somit für den Bau des BER verantwortlich.
- Im Mai 2016 erklärte Hartmut Mehdorn seinen Abschied aus dem Geschäftsleben und legte alle Aufsichtsratsmandate nieder.
- Im Mai 2026 kritisiert der 83-Jährige die Pläne Berlins für Olympische Spiele und eine Weltausstellung und verteidigt seine Bilanz bei der Bahn.
Die Anfänge: Von der Luftfahrt zur Heidelberger Druckmaschinen AG
Hartmut Mehdorn wurde 1942 in Warschau geboren, wuchs jedoch in Berlin, Karlsruhe und Nürnberg auf. Sein Studium des Maschinenbaus an der TU Berlin schloss er als Diplom-Ingenieur ab. Seine berufliche Laufbahn begann Mehdorn 1966 in der Luftfahrtindustrie, einem Bereich, der ihn lange prägen sollte. Stationen waren die Vereinigten Flugtechnischen Werke (VFW) in Bremen, Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) in München und die Deutsche Airbus in Hamburg.
Von 1989 bis 1992 war Hartmut Mehdorn Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Airbus GmbH. Anschließend wechselte er in den Vorstand der Deutschen Aerospace AG (DASA). Im Oktober 1995 übernahm er den Vorstandsvorsitz der Heidelberger Druckmaschinen AG. Unter seiner Führung expandierte das Unternehmen und wurde 1997 erfolgreich an die Börse gebracht. In dieser Zeit verdoppelten sich Umsatz, Mitarbeiterzahl und Gewinn des Druckmaschinenherstellers. Vor seiner Zeit bei der Bahn war er ab 1998 auch im Vorstand der RWE AG tätig, zuständig für Nicht-Energie-Beteiligungen.
Hartmut Mehdorn als Bahnchef: Sanierung und Kontroversen
Bundesweite Bekanntheit erlangte Hartmut Mehdorn als Chef der Deutschen Bahn AG, eine Position, die er vom 16. Dezember 1999 bis zum 30. April 2009 innehatte. Seine Aufgabe war es, die verlustreiche Bahn auf Gewinn zu trimmen und für einen geplanten Börsengang vorzubereiten. In seiner Amtszeit konnte der Umsatz der Deutschen Bahn von 15,6 Milliarden Euro (1999) auf 33,5 Milliarden Euro (2008) gesteigert werden, und aus einem Verlust von 1,538 Milliarden Euro wurde ein Gewinn von 2,483 Milliarden Euro.
Mehdorns direkter und oft als „hemdsärmelig“ beschriebener Führungsstil stieß jedoch nicht immer auf Gegenliebe und führte zu zahlreichen Kontroversen. Er wurde oft kritisiert und zählte zu den umstrittensten deutschen Industriemanagern. Ein prominenter Konflikt war der Tarifstreit mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) in den Jahren 2007 und 2008. Zudem geriet die Bahn unter seiner Führung wegen einer Datenaffäre in die Schlagzeilen, bei der Mitarbeiterdaten umfassend überwacht wurden. Die Berliner Staatsanwaltschaft leitete 2009 ein Ermittlungsverfahren wegen möglicher Verstöße gegen das Bundesdatenschutzgesetz gegen Hartmut Mehdorn ein. Obwohl er persönlich eine Schadensersatzklage vermeiden konnte, bot er im März 2009 seinen Rücktritt an, um das Unternehmen vor weiterer „öffentlicher Vorverurteilung“ zu schützen.
Im Mai 2026 äußerte sich Hartmut Mehdorn im Interview mit dem Tagesspiegel zum Vorwurf, er habe die Deutsche Bahn „kaputtgespart“. Er wies dies als „Unfug“ zurück und betonte, dass die Teilprivatisierung auf dem Grundsatz basierte, dass der Staat nicht das nötige Geld für Modernisierungen habe. Mehdorn argumentierte, die Bahn habe in seiner zehnjährigen Amtszeit doppelt so viel Geld in die Infrastruktur investiert wie in den 25 Jahren zuvor, auch wenn dies nicht ausgereicht habe.
Stuttgart 21 und der Berliner Hauptbahnhof: Mehdorns Bauprojekte
In seine Zeit als Bahnchef fielen auch wegweisende Infrastrukturprojekte, darunter das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21. Hartmut Mehdorn hielt an dem Projekt fest, obwohl die vollständige Finanzierung zunächst unklar war. Im Juli 2007 wurde der Finanzierungsvertrag für Stuttgart 21 unterzeichnet, ein Projekt, das Mehdorn als „von hoher Bedeutung“ für die Schienenattraktivität bezeichnete.
Auch der Berliner Hauptbahnhof trägt die Handschrift von Hartmut Mehdorn. Im Jahr 2005 traf er die umstrittene Entscheidung, die Baupläne des Architekturbüros gmp eigenhändig zu ändern. Er ließ die obere Bahnsteighalle kürzen und verzichtete im dritten Untergeschoss auf eine aufwendige Gewölbedecke, um Zeit und Kosten zu sparen. Sein bekanntes Zitat: „Wir haben einen Hauptbahnhof bestellt, keine Kathedrale“ verdeutlichte seine pragmatische Haltung. Der Berliner Hauptbahnhof wurde schließlich pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 eröffnet und bestand seinen ersten Belastungstest mit Millionen von Fahrgästen. Mehr über die Entwicklung großer Infrastrukturprojekte finden Sie in unserem Artikel zum Dresdner Hauptbahnhof im Wandel (Mai 2026).
Air Berlin: Der Versuch einer Rettung
Nach seinem Ausscheiden bei der Deutschen Bahn übernahm Hartmut Mehdorn im September 2011 die Leitung der angeschlagenen Fluggesellschaft Air Berlin als Vorstandsvorsitzender. Auch hier war seine Aufgabe die Sanierung eines Unternehmens in Schwierigkeiten. Er verschärfte das Sparprogramm, strich unrentable Strecken und verkleinerte die Flotte. Trotz dieser drastischen Maßnahmen und einem Umsatzanstieg verzeichnete Air Berlin weiterhin hohe Verluste. Mehdorn selbst bezeichnete seine Zeit bei Air Berlin als „schwierige Zeit“, die aber eine „Challenge“ darstellte. Er trat im Januar 2013 als CEO von Air Berlin zurück.
Der frühere Air-Berlin-Chef machte die Bundesregierung für das Scheitern von Air Berlin mitverantwortlich, insbesondere durch die Einführung der Luftverkehrssteuer Anfang 2011, die dem Unternehmen die Chance auf dauerhafte Gewinne genommen habe. Die Turbulenzen bei Air Berlin wurden auch durch die anhaltenden Verzögerungen beim Bau des BER-Flughafens verstärkt, da die Fluggesellschaft diesen eigentlich zu ihrem neuen Drehkreuz ausbauen wollte. Für weitere Informationen zu aktuellen Trends in der Luftfahrt und deren Auswirkungen auf Unternehmen wie Air Berlin, lesen Sie unseren Artikel über die Flugschau in Idaho.
BER: Die Herausforderung Flughafen Berlin Brandenburg
Im März 2013, kurz nach seinem Abschied von Air Berlin, wurde Hartmut Mehdorn zum Vorsitzenden der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) berufen. Seine Aufgabe: das Desaster um den neuen Hauptstadtflughafen BER zu lösen und dessen Fertigstellung voranzutreiben. Mehdorn war damit für das wohl größte und komplexeste Bauprojekt Deutschlands verantwortlich, das zu diesem Zeitpunkt bereits von erheblichen Verzögerungen und Kostenüberschreitungen geplagt war.
Doch auch Hartmut Mehdorn konnte die gravierenden Probleme des BER nicht in den Griff bekommen. Er selbst sprach von einer „schwierigen Zeit“, in der das „demolierte Vertrauen in die Öffentlichkeit“ wiederhergestellt werden müsse. Nach eigener Aussage war er „nicht ganz happy“ mit der Eigentümerstruktur des Flughafens, bei der Bund, Berlin und Brandenburg zu gleichen Teilen beteiligt waren und nicht immer an einem Strang zogen. Nach nur zwei Jahren, im März 2015, trat Hartmut Mehdorn auch von diesem Posten zurück. Er begründete seinen Rücktritt mit gesundheitlichen Problemen, die ihn überraschend getroffen hätten.
Rückzug aus dem Geschäftsleben und aktuelle Ansichten (Mai 2026)
Im Mai 2016 erklärte Hartmut Mehdorn seinen vollständigen Abschied aus dem Geschäftsleben und legte alle seine Aufsichtsratsmandate nieder. Er zog sich in den Ruhestand zurück, um seine Zeit an seinen Wohnsitzen in Berlin und Südfrankreich zu verbringen, wo er auch einen Weinberg besitzt.
| Zeitraum | Position/Unternehmen | Relevante Information |
|---|---|---|
| 1966–1995 | Verschiedene Führungspositionen in der Luftfahrtindustrie (VFW, Airbus, MBB, DASA) | Entwicklung und Management im Flugzeugbau. |
| 1995–1999 | Vorstandsvorsitzender Heidelberger Druckmaschinen AG | Erfolgreiche Expansion und Börsengang. |
| 1999–2009 | Vorstandsvorsitzender Deutsche Bahn AG | Sanierung, Umsatz- und Gewinnsteigerung, Einführung des ICE 3, Bau des Berliner Hauptbahnhofs, Kontroversen um Stuttgart 21 und Datenaffäre. |
| 2011–2013 | Vorstandsvorsitzender Air Berlin | Versuch der Sanierung der angeschlagenen Fluggesellschaft. |
| 2013–2015 | Vorsitzender der Geschäftsführung Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) | Verantwortung für die Fertigstellung des BER-Flughafens. |
| Mai 2016 | Abschied aus dem Geschäftsleben | Niederlegung aller Aufsichtsratsmandate. |
Trotz seines offiziellen Ruhestands verfolgt Hartmut Mehdorn weiterhin das Zeitgeschehen und meldet sich zu Wort. Am 18. Mai 2026 kritisierte der 83-Jährige die Pläne seiner Heimatstadt Berlin für die Ausrichtung von Olympischen Spielen und einer Weltausstellung (Expo 2035). Er stellte die grundsätzliche Frage, ob solche Großereignisse noch in die heutige Zeit passen und ob die Welt nicht andere Sorgen habe. Mehdorn äußerte Skepsis bezüglich einer Expo in Berlin, da die Hannover-Expo im Jahr 2000 kein großer Erfolg gewesen sei. Er betonte, im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz könne man sich Produkte auch online ansehen und brauche dafür keine Messe mehr.
Video-Embed: Hartmut Mehdorn über seine Karriere und die Bahn
Mehdorns Managementstil und sein Vermächtnis
Hartmut Mehdorn gilt als ein Manager der alten Schule, bekannt für seine Entschlossenheit und seinen Fokus auf Effizienz. Sein Spitzname „Mehdorn der Sanierer“ zeugt von seiner Fähigkeit, Unternehmen in schwierigen Lagen zu restrukturieren. Seine Kritiker warfen ihm jedoch oft mangelnde Sensibilität gegenüber Mitarbeitern und der Öffentlichkeit vor. Er wurde vom Verein Deutsche Sprache zum „Sprachpanscher des Jahres 2007“ gewählt, unter anderem für seine Verwendung von Anglizismen.
Trotz der Kontroversen ist Hartmut Mehdorns Einfluss auf die deutsche Wirtschaftslandschaft unbestreitbar. Er hat die Deutsche Bahn modernisiert und profitabler gemacht, auch wenn die Infrastrukturprobleme bis heute bestehen bleiben. Seine Engagements bei Air Berlin und am BER zeigen seine Bereitschaft, auch im Rentenalter komplexe und risikoreiche Aufgaben zu übernehmen. Er selbst sagte einmal: „Sie können ein Unternehmen nicht mit Wattebäuschchen an den Händen sanieren.“ Sein Vermächtnis ist das eines Managers, der mutige Entscheidungen traf und dabei polarisierte, aber stets versuchte, die ihm anvertrauten Unternehmen zukunftsfähig zu machen.
Für weitere Einblicke in Managementstrategien und deren Auswirkungen auf die Mitarbeiterbindung, lesen Sie unseren Artikel über die Folgen von Hilfskürzungen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Hartmut Mehdorn
Wann wurde Hartmut Mehdorn geboren?
Hartmut Mehdorn wurde am 31. Juli 1942 in Warschau geboren.
Welche wichtigen Positionen hatte Hartmut Mehdorn inne?
Hartmut Mehdorn war Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG (1999–2009), Vorstandsvorsitzender von Air Berlin (2011–2013) und Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (2013–2015).
Warum trat Hartmut Mehdorn von der Deutschen Bahn zurück?
Hartmut Mehdorn trat im März 2009 aufgrund der Vorwürfe im Rahmen der Datenaffäre bei der Bahn zurück. Er wollte dem Unternehmen die „öffentliche Vorverurteilung“ nicht länger zumuten.
Was sind Hartmut Mehdorns aktuelle Ansichten im Mai 2026?
Im Mai 2026 kritisiert Hartmut Mehdorn die Berliner Pläne für Olympische Spiele und eine Weltausstellung (Expo 2035) und hinterfragt deren Sinnhaftigkeit im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. Zudem wehrte er sich gegen den Vorwurf, die Deutsche Bahn „kaputtgespart“ zu haben.
Wann zog sich Hartmut Mehdorn aus dem Geschäftsleben zurück?
Hartmut Mehdorn erklärte im Mai 2016 seinen Abschied aus dem Geschäftsleben und legte alle seine Aufsichtsratsmandate nieder.
Fazit: Hartmut Mehdorn – Eine prägende Figur
Hartmut Mehdorn bleibt eine Ikone des deutschen Managements, dessen Karriere von mutigen Entscheidungen, tiefgreifenden Umstrukturierungen und einer Reihe öffentlicher Debatten geprägt war. Seine Stationen bei der Deutschen Bahn, Air Berlin und am BER zeugen von einer unermüdlichen Arbeitsweise und dem Willen, auch unter schwierigsten Bedingungen Verantwortung zu übernehmen. Auch im Mai 2026 meldet sich Hartmut Mehdorn mit klaren Worten zu aktuellen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fragen. Sein Vermächtnis ist das eines Managers, der die deutsche Industrie maßgeblich mitgestaltet hat und dessen Einfluss noch lange spürbar sein wird.

