📖 Lesezeit: 6 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 2. Januar 2026
Walter Schultheiß tot – der schwäbische Volksschauspieler ist am 22. Dezember 2025 im Alter von 101 Jahren in Wildberg gestorben. Am 2. Januar 2026 gab der Südwestrundfunk (SWR) den Tod des beliebten Künstlers bekannt. Schultheiß war als Vermieter Rominger im „Tatort“ mit Kommissar Bienzle bundesweit bekannt geworden. Wir blicken auf ein Jahrhundert schwäbische Unterhaltungsgeschichte zurück.
🎭 Das Wichtigste in Kürze: Walter Schultheiß starb am 22. Dezember 2025 in Wildberg im Kreis Calw. Er wurde 101 Jahre alt. Die Beerdigung fand im kleinen Kreis statt. Der SWR zeigt am 3. Januar 2026 Gedenksendungen. In Wildberg soll eine Straße nach ihm benannt werden.
Walter Schultheiß: Ein Jahrhundert schwäbische Unterhaltung
„Kann man sich Baden-Württemberg ohne Maultaschen, ohne Kehrwoche, ohne Walter Schultheiß vorstellen?“ Mit diesen Worten würdigte SWR-Intendant Kai Gniffke den verstorbenen Schauspieler. Die Antwort der Millionen Fans im Südwesten: Nein.
Walter Schultheiß wurde am 25. Mai 1924 in Tübingen geboren. Seine Karriere begann kurz nach dem Zweiten Weltkrieg – ein Krieg, der auch sein Leben prägte. Mit 16 Jahren wurde er eingezogen, nahm am Russlandfeldzug teil und erlitt kurz vor Kriegsende einen Bauchschuss. Dieser erzwungene Aufenthalt brachte ihn ironischerweise seinem Traum näher: dem Theater.
Die Straßenkehrer-Sketche: Der Durchbruch im Radio
Seinen Durchbruch feierte Schultheiß 1963 im Radio des damaligen Süddeutschen Rundfunks. Gemeinsam mit Werner Veidt präsentierte er 20 Jahre lang jeden Samstag die legendären „Straßenkehrer-Sketche“. Als Duo „Karle und Gottlob“ unterhielten sie Generationen von Radiohörern mit dem unverwechselbaren Spruch: „Ich bin der Straßenkehrer Gottlob Friederich; ich kehr‘ für Arm und Reich, für Hoch und Niederich.“
Die Sketche wurden Kult und machten Schultheiß im gesamten Sendegebiet bekannt. Der trockene schwäbische Humor, die pointierten Dialoge – das war seine Welt.
Vermieter Rominger: Die Rolle seines Lebens
Bundesweite Bekanntheit erlangte Walter Schultheiß als nörgelnder Vermieter Rominger im Stuttgarter „Tatort“ mit Kommissar Ernst Bienzle (gespielt von Dietz-Werner Steck). Von 2000 bis 2007 trieb er mit seiner Pingeligkeit den Kommissar und dessen Lebensgefährtin Hannelore (Rita Russek) in den Wahnsinn – und die Zuschauer zum Schmunzeln.
| Bekannte Rollen | Produktion | Jahre |
|---|---|---|
| Vermieter Rominger | Tatort (Bienzle) | 2000–2007 |
| Altpfarrer Merkle | Oh Gott, Herr Pfarrer | 1988–1989 |
| Eugen Eisele | Der Eugen | 1986–1990 |
| Willi Holzwarth | Der König von Bärenbach | 1992 |
| Opa Ernst | Laible und Frisch | 2009–2019 |
| Paul Bogenschütz | Global Player (Kino) | 2013 |
SWR-Intendant Gniffke betonte: „Nicht zuletzt als Vermieter Rominger hat er im ‚Bienzle-Tatort‘ den Idealtyp des sympathisch-bruddeligen Schwaben weit über den Südwesten hinaus bekannt und beliebt gemacht.“
Trudel Wulle: Die Liebe seines Lebens
Am 25. Mai 1950 – seinem 26. Geburtstag – heiratete Walter Schultheiß die Stuttgarter Schauspielerin Trudel Wulle. Das Paar hatte sich 1947 am Stuttgarter Volkstheater kennengelernt. 2020 feierten sie den 70. Hochzeitstag, 2021 starb Trudel Wulle. Die beiden traten häufig gemeinsam auf, zuletzt im Kinofilm „Laible und Frisch – Do goht dr Doig“.
Aus der Ehe ging Sohn Götz Schultheiß hervor, der später das Buch „Hamlet mit Apfelmus. Walter Schultheiß und Trudel Wulle auf der Bühne und zu Hause“ schrieb. Walter Schultheiß lebte bis zuletzt in seinem Haus in Wildberg im Schwarzwald, gepflegt von seinem Sohn und dessen Familie – inklusive zweier siebenjähriger Enkelinnen.
Auszeichnungen und Ehrungen für Walter Schultheiß
Das Lebenswerk des Volksschauspielers wurde vielfach gewürdigt:
| Jahr | Auszeichnung |
|---|---|
| 1992 | Friedrich-E.-Vogt-Medaille für Verdienste um die schwäbische Mundart |
| 2003 | Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg |
| 2004 | Ehrenmitglied des Alten Schauspielhauses Stuttgart |
| 2013 | Baden-Württembergischer Ehrenfilmpreis für sein Lebenswerk |
| – | Bundesverdienstkreuz |
Wildbergs Bürgermeister Ulrich Bünger kündigte bei der Beerdigung an, dass in der Gemeinde eine Straße nach Walter Schultheiß benannt werden soll.
Der Humor eines Jahrhundertschwaben
Walter Schultheiß war bekannt für seinen trockenen, kantigen Humor. Als er vor eineinhalb Jahren zum 100. Geburtstag einen Würdigungsartikel erhielt, rief er bei der Zeitung an und sagte in seiner unnachahmlichen Art: „War ein wunderbarer Nachruf. Genau diesen wünsche ich mir, wenn ich einmal abtrete.“
Auf die Frage, wie man 97 wird, antwortete er einst: „Es gibt nur ein Rezept: Man muss einfach länger leben. Und alles in Maßen zu sich nehmen, nicht nur mit Maßkrügen.“ Und über seine Zukunftsplanung sagte er mit einem Augenzwinkern: „Wenn ich nicht mehr fit im Kopf bin, geh‘ ich in die Politik.“
📺 TV-Tipp: Der SWR zeigt am Samstag, 3. Januar 2026, Gedenksendungen: Um 20:15 Uhr die Dokumentation „Ein Jahrhundert Leben! Der Schauspieler Walter Schultheiß“ und um 21:00 Uhr den Kinofilm „Global Player – Wo wir sind isch vorne“. Beide Sendungen sind auch in der ARD Mediathek verfügbar.
Auch Maler und Autor
Neben der Schauspielerei pflegte Schultheiß weitere künstlerische Leidenschaften. Nach einem Studium der Malerei bei Willy Wiedmann bestand er 1977 die Aufnahmeprüfung in den Verband Bildender Künstler. Seine Gemälde wurden sogar in Venedig ausgestellt. Er malte stille Motive, Plätze in Paris, an denen früher berühmte Künstler gewirkt hatten.
Als Autor schrieb er humorige Dialoge, Gedichte und „Valentinaden“ – in Anlehnung an Karl Valentin. Seine „Gogenwitze“ gehören zum festen Repertoire schwäbischer Unterhaltung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wann ist Walter Schultheiß gestorben?
Welche Rolle spielte Walter Schultheiß im Tatort?
Wer war Trudel Wulle?
Was waren die Straßenkehrer-Sketche?
Wie alt wurde Walter Schultheiß?
Wo kann ich Filme mit Walter Schultheiß sehen?
Fazit: Abschied von einem Jahrhundertschwaben
Mit Walter Schultheiß verliert Baden-Württemberg einen seiner prägendsten Kulturschaffenden. Über 80 Jahre stand er auf der Bühne und vor der Kamera – kantig, knitz, voller Humor. Er verkörperte die schwäbische Seele wie kaum ein anderer: wortkarg und warmherzig, humorvoll und tiefgründig. Seine letzten Monate verbrachte er im Kreise seiner Familie in Wildberg. Sein letzter Wunsch war es, die Einschulung seiner Enkelinnen zu erleben – das gelang ihm im September 2025. Walter Schultheiß wird fehlen, aber sein Humor wird weiterleben. Für weitere aktuelle Nachrichten aus Baden-Württemberg besuchen Sie unsere Startseite.
Über den Autor
Redaktion News-7 | Kultur & Gesellschaft
Die Redaktion von news-7.de berichtet über Kultur, Prominente und gesellschaftliche Themen aus Deutschland. Stand: 2. Januar 2026.

