Würden die Deutschen für das Baltikum in den Krieg ziehen? Roderich Kiesewetter sagt: «Sicher bin ich mir nicht»

Würden die Deutschen für das Baltikum in den Krieg ziehen? Roderich Kiesewetter sagt: «Sicher bin ich mir nicht»

Die Frage, ob Deutschland im Falle eines Angriffs auf das Baltikum seine Bündnisverpflichtungen ernst nehmen und militärisch intervenieren würde, beschäftigt Politik und Bevölkerung gleichermaßen. Angesichts der zunehmenden Aggressivität Russlands und der unklaren Signale aus der deutschen Politik wächst die Unsicherheit. Roderich Kiesewetter, ein profilierter Außenpolitiker der CDU, äußert sich besorgt und gesteht ein: „Sicher bin ich mir nicht.“ Seine Äußerungen werfen ein Schlaglicht auf die Zerrissenheit innerhalb der deutschen Sicherheitsdebatte und die Herausforderungen, vor denen die Bundesrepublik in einer zunehmend volatilen Welt steht.

Kiesewetter Russland
Symbolbild: Kiesewetter Russland (Foto: Picsum)

Das Wichtigste in Kürze

  • Roderich Kiesewetter äußert Zweifel an Deutschlands Bereitschaft, das Baltikum militärisch zu verteidigen.
  • Kiesewetter fordert eine deutlichere Positionierung Deutschlands gegenüber Russland und eine Stärkung der NATO-Ostflanke.
  • Er kritisiert die zögerliche Haltung der Bundesregierung in Bezug auf Waffenlieferungen an die Ukraine.
  • Die deutsche Bevölkerung ist in der Frage einer militärischen Intervention im Baltikum gespalten.

Die wachsende Bedrohung durch Russland und Deutschlands Rolle

Die russische Invasion der Ukraine hat die europäische Sicherheitsarchitektur grundlegend verändert. Die baltischen Staaten – Estland, Lettland und Litauen – fühlen sich besonders bedroht, da sie in der Vergangenheit bereits unter russischer bzw. sowjetischer Herrschaft standen. Artikel 5 des NATO-Vertrags garantiert die kollektive Verteidigung: Ein Angriff auf einen Mitgliedstaat wird als Angriff auf alle betrachtet. Doch die bloße Existenz dieses Artikels reicht nicht aus, um die baltischen Staaten zu beruhigen. Entscheidend ist die Glaubwürdigkeit der Abschreckung. Und genau hier sieht Roderich Kiesewetter Defizite.

Kiesewetter, ein ausgewiesener Experte für Sicherheits- und Verteidigungspolitik, warnt seit Jahren vor der Gefahr, die von Russland ausgeht. Er kritisiert die deutsche Politik der vergangenen Jahrzehnte, die auf wirtschaftliche Zusammenarbeit und Dialog mit Russland setzte, anstatt auf eine robuste Abschreckung. Die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen habe Deutschland erpressbar gemacht und die Handlungsfähigkeit der Bundesregierung eingeschränkt. Kiesewetter fordert einen Kurswechsel: Deutschland müsse seine Verteidigungsausgaben erhöhen, seine militärischen Fähigkeiten stärken und eine klare Botschaft an Russland senden: Ein Angriff auf einen NATO-Mitgliedstaat wird nicht toleriert.

💡 Wichtig zu wissen

Artikel 5 des NATO-Vertrags ist der Kern der Bündnisverteidigung. Er besagt, dass ein bewaffneter Angriff gegen einen oder mehrere Bündnispartner in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen alle angesehen wird. Die Bündnispartner sind dann verpflichtet, dem angegriffenen Land Beistand zu leisten, notfalls auch mit Waffengewalt. (Lesen Sie auch: Wirbel um Lieferungen an Ukraine Dramatischer Munitionsmangel…)

Kiesewetter Russland: Eine klare Haltung gegen den Aggressor

Die Position von Kiesewetter zu Russland ist unmissverständlich: Er betrachtet das Putin-Regime als eine Bedrohung für die europäische Sicherheit und die liberale Weltordnung. Er fordert eine harte Gangart gegenüber Russland, einschließlich umfassender Sanktionen, der Isolierung des Landes und der Unterstützung der Ukraine mit allen notwendigen Mitteln. Kiesewetter kritisiert die zögerliche Haltung der Bundesregierung in Bezug auf Waffenlieferungen an die Ukraine. Er argumentiert, dass die Ukraine das Recht habe, sich gegen die russische Aggression zu verteidigen, und dass Deutschland verpflichtet sei, sie dabei zu unterstützen. Die Debatte um die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern verdeutlicht die Differenzen innerhalb der deutschen Politik. Während Kiesewetter und andere CDU-Politiker eine schnelle Lieferung fordern, zögert Bundeskanzler Scholz weiterhin.

Die deutsche Bevölkerung und die Bündnisverpflichtungen

Die Frage, ob die deutsche Bevölkerung bereit wäre, für das Baltikum in den Krieg zu ziehen, ist schwer zu beantworten. Umfragen zeigen, dass die Meinungen gespalten sind. Viele Deutsche befürworten zwar die Bündnisverpflichtungen der NATO, sind aber gleichzeitig skeptisch gegenüber militärischen Interventionen. Die Erinnerung an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs ist in der deutschen Gesellschaft noch immer präsent, und viele Menschen sind pazifistisch eingestellt. Zudem gibt es die Angst vor einer Eskalation des Konflikts und einem Atomkrieg. Die Bundesregierung steht vor der Herausforderung, die Bevölkerung von der Notwendigkeit einer robusten Verteidigungspolitik zu überzeugen und gleichzeitig die Ängste vor einem Krieg zu zerstreuen.

Kiesewetter Russland: Kritik an der Führung der CDU

Roderich Kiesewetter ist nicht nur ein profilierter Außenpolitiker, sondern auch ein Kritiker der eigenen Partei. Er hat in der Vergangenheit mehrfach die Führung der CDU kritisiert, insbesondere in Bezug auf die Russland-Politik. Er wirft der Partei vor, zu lange an dem Kurs der Annäherung an Russland festgehalten zu haben und die Warnungen vor der Gefahr, die von Putin ausgeht, ignoriert zu haben. Kiesewetter fühlt sich von Parteichef Friedrich Merz zurückgesetzt. Er kritisiert, dass seine Expertise in sicherheitspolitischen Fragen nicht ausreichend gewürdigt werde und dass er nicht in wichtige Entscheidungsprozesse eingebunden sei. Diese interne Kritik zeigt die Spannungen innerhalb der CDU und die unterschiedlichen Auffassungen über die richtige Strategie im Umgang mit Russland.

Deutschlands Rolle in der NATO und die Zukunft der Sicherheitspolitik

Deutschland ist ein wichtiger Mitgliedstaat der NATO und hat eine besondere Verantwortung für die Sicherheit Europas. Die Bundesrepublik verfügt über die größte Volkswirtschaft Europas und ist ein wichtiger Partner der USA. Doch Deutschlands Rolle in der NATO ist umstritten. Einige Bündnispartner kritisieren, dass Deutschland zu wenig für seine Verteidigung ausgibt und zu zögerlich bei militärischen Interventionen ist. Andere loben Deutschlands Engagement in der humanitären Hilfe und der Friedensförderung. Die Zukunft der deutschen Sicherheitspolitik hängt davon ab, wie die Bundesregierung die Balance zwischen diesen unterschiedlichen Erwartungen findet. Es ist wichtig, dass Deutschland seine Verteidigungsausgaben erhöht, seine militärischen Fähigkeiten stärkt und eine klare Botschaft an Russland sendet: Ein Angriff auf einen NATO-Mitgliedstaat wird nicht toleriert. Gleichzeitig muss Deutschland aber auch seine Rolle als Vermittler und Friedensstifter wahrnehmen und sich für eine diplomatische Lösung des Konflikts in der Ukraine einsetzen. Die Analyse von Kiesewetter Russland unterstreicht die Notwendigkeit einer umfassenden Neubewertung der deutschen Sicherheitspolitik.

Kiesewetter Russland: Eine Chronologie der Warnungen

Die Warnungen von Roderich Kiesewetter vor der russischen Bedrohung sind nicht neu. Seit Jahren mahnt er eine realistischere Einschätzung der Lage an. Die folgende Chronologie zeigt einige wichtige Stationen:

2014
Russische Annexion der Krim

Kiesewetter kritisiert die zögerliche Reaktion des Westens und fordert härtere Sanktionen gegen Russland.

2015-2021
Eskalation im Donbass

Kiesewetter warnt vor einer weiteren russischen Aggression und fordert die Stärkung der NATO-Ostflanke.

Kiesewetter Russland
Symbolbild: Kiesewetter Russland (Foto: Picsum)
2022
Russische Invasion der Ukraine

Kiesewetter fordert umfassende Waffenlieferungen an die Ukraine und eine harte Gangart gegenüber Russland.

2023-Heute
Debatte um Taurus-Marschflugkörper

Kiesewetter kritisiert die zögerliche Haltung der Bundesregierung und fordert eine schnelle Lieferung der Marschflugkörper.

R

Über den Autor
✓ Verifiziert

Redaktion

Online-Redakteur

Unser erfahrenes Redaktionsteam recherchiert und verfasst täglich aktuelle Nachrichten und Hintergrundberichte zu relevanten Themen.

📰 500+ Artikel
⭐ Experte seit 2020

Weiterführende Informationen

Für weitere Informationen zu diesem Thema empfehlen wir folgende vertrauenswürdige Quellen:

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was bedeutet Artikel 5 des NATO-Vertrags?

Artikel 5 des NATO-Vertrags ist der Kern der Bündnisverteidigung. Er besagt, dass ein bewaffneter Angriff gegen einen oder mehrere Bündnispartner in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen alle angesehen wird. Die Bündnispartner sind dann verpflichtet, dem angegriffenen Land Beistand zu leisten, notfalls auch mit Waffengewalt.

Wie hoch sind Deutschlands Verteidigungsausgaben?

Deutschland hat sich verpflichtet, seine Verteidigungsausgaben auf 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu erhöhen. Dieses Ziel wurde bisher nicht erreicht. Im Jahr 2023 lagen die Verteidigungsausgaben bei rund 1,5 Prozent des BIP.

Welche Rolle spielt Deutschland in der NATO?

Deutschland ist ein wichtiger Mitgliedstaat der NATO und hat eine besondere Verantwortung für die Sicherheit Europas. Die Bundesrepublik verfügt über die größte Volkswirtschaft Europas und ist ein wichtiger Partner der USA.

Was fordert Roderich Kiesewetter von der Bundesregierung?

Roderich Kiesewetter fordert eine härtere Gangart gegenüber Russland, einschließlich umfassender Sanktionen, der Isolierung des Landes und der Unterstützung der Ukraine mit allen notwendigen Mitteln. Er kritisiert die zögerliche Haltung der Bundesregierung in Bezug auf Waffenlieferungen an die Ukraine.

Wie ist die Meinung der deutschen Bevölkerung zu militärischen Interventionen?

Umfragen zeigen, dass die Meinungen in der deutschen Bevölkerung zu militärischen Interventionen gespalten sind. Viele Deutsche befürworten zwar die Bündnisverpflichtungen der NATO, sind aber gleichzeitig skeptisch gegenüber militärischen Interventionen.

Fazit

Die Äußerungen von Roderich Kiesewetter zur Verteidigungsbereitschaft Deutschlands im Baltikum sind ein Weckruf. Sie verdeutlichen die Notwendigkeit einer ehrlichen und offenen Debatte über die deutsche Sicherheitspolitik und die Rolle Deutschlands in der Welt. Angesichts der wachsenden Bedrohung durch Russland ist es unerlässlich, dass Deutschland seine Verteidigungsausgaben erhöht, seine militärischen Fähigkeiten stärkt und eine klare Botschaft an Russland sendet: Ein Angriff auf einen NATO-Mitgliedstaat wird nicht toleriert. Ob die deutsche Bevölkerung bereit wäre, für das Baltikum in den Krieg zu ziehen, ist eine offene Frage. Doch die Bundesregierung muss alles daransetzen, die Bevölkerung von der Notwendigkeit einer robusten Verteidigungspolitik zu überzeugen und gleichzeitig die Ängste vor einem Krieg zu zerstreuen. Die Expertise von Kiesewetter Russland ist dabei von unschätzbarem Wert.

Kiesewetter Russland
Symbolbild: Kiesewetter Russland (Foto: Picsum)

Schreibe einen Kommentar