In Hollywood passieren nicht nur unfassbare Geschichten vor der Kamera, sondern auch dahinter. GALA blickt zurück auf die mysteriösesten Todesfälle und Schicksale rund um die Traumfabrik. Diesmal: das mysteriöse Verschwinden von Schauspielerin Jean Spangler.
Schauspielerin Jean Spangler, damals 26 Jahre alt, verabschiedet sich in den frühen Abendstunden des 7. Oktober 1949 von ihrer fünfjährigen Tochter Christine sowie ihrer Schwägerin Sophie und verlässt das gemeinsame Heim in Los Angeles: Es ist das letzte Mal, dass der Nachwuchsstar gesehen wird.
Nach ihrem unerklärlichen Verschwinden werden ihre Habseligkeiten gefunden – inklusive einer mysteriösen Notiz, die Hollywoodlegende Kirk Douglas, †103, ins Visier der Ermittler bringt. Zahlreiche Theorien über ihr Schicksal werden gesponnen, aber bis heute ist der Verbleib der aufstrebenden Aktrice ein trauriges Rätsel. Doch von vorn.
Jean Spangler fasst Fuß in Hollywood
Jean Spangler beginnt ihre Karriere als Model und Tänzerin. Schließlich gelingt es ihr, einige kleine Rollen in Hollywoodstreifen zu ergattern. Sie wirkt unter anderem an den Filmen „Die Glocken von Coaltown“ an der Seite von Frank Sinatra, †82, sowie „When My Baby Smiles at Me“ mit. Außerdem dreht das Model das Drama „Der Mann ihrer Träume“ ab, in denen Lauren Bacall, †89, und Kirk Douglas die Hauptrollen übernehmen. Ein Auftritt, an den sich der Schauspieler und Vater von Michael Douglas, 81, ein Leben lang erinnern wird.
Turbulente Ehe mit Dexter Benner und Streit um Sorgerecht
1942 heiratet Jean Spangler im Alter von 19 Jahren den Kunststoffhersteller Dexter Benner. Doch ihre Ehe ist von Höhen und Tiefen geprägt, so dass die Tänzerin bereits sechs Monate nach der Hochzeit die Scheidung einreicht. Laut „Los Angeles Times“ wirft sie ihrem Partner „Grausamkeit“ vor. Dennoch kommen die beiden vorerst nicht voneinander los. Weitere vier Jahre führen sie eine turbulente On-off-Beziehung, aus der die gemeinsame Tochter Christine hervorgeht.

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Die Scheidung wird 1946 rechtskräftig – und ein Streit um Christine bricht los. Dexter Benner erhält für zwei Jahre das alleinige Sorgerecht mit der Begründung, dass Spangler ein „Partygirl“ sei. Er verwehrt ihr sogar, ihre Tochter zu besuchen. Ein Richter entscheidet jedoch schließlich, dass das Mädchen bei ihrer Mutter sein sollte. Und so zieht Jean mit ihrer Tochter in ein Haus im Stadtteil Park La Brea, Los Angeles, wo sie mit ihrer Mutter, ihrem Bruder und ihrer Schwägerin zusammenlebt.
Schauspielerin verlässt ihr Zuhause und kehrt nie wieder zurück
Gegen 17:00 Uhr am 7. Oktober 1949 gibt Jean Spangler ihrer kleinen Tochter einen Abschiedskuss und sagt ihrer Schwägerin Sophie, dass sie sich nun mit ihrem Ex Dexter Benner wegen fehlender Unterhaltszahlungen treffen wolle. Anschließend werde sie bei Nachtaufnahmen für einen neuen Film arbeiten. Zwei Stunden später ruft Spangler zu Hause an, um Bescheid zu sagen, dass sie erst am nächsten Morgen zurückkomme: Sie müsse acht Stunden vor der Kamera stehen. Doch sie kehrt nicht zurück. Ihre Schwägerin verständigt die Polizei und meldet sie als vermisst.
Mysteriöses Verschwinden und Befragung von Kirk Douglas
Einen Tag darauf wird die Handtasche der anstrebenden Aktrice im Griffith Park gefunden. Der Riemen der Tasche ist gerissen, was den Ermittlern zufolge auf einen Kampf hindeuten könnte. Zudem wird eine von der zu dem Zeitpunkt 26-Jährigen eine handschriftliche Notiz gefunden, in der es heißt: „Kirk: Ich kann nicht länger warten, ich gehe zu Dr. Scott. So funktioniert es am besten, während Mutter weg ist.“ Jeans Mutter Florence besucht damals Verwandtschaft im US-Bundesstaat Kentucky.

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Als Kirk Douglas von der Notiz erfährt, meldet er sich umgehend bei der Polizei. „Ich sagte Detective Chief Thad Brown, dass ich mich weder an das Mädchen noch an den Namen erinnern konnte, bis ein Freund sich daran erinnerte, dass sie als Statistin in einer Szene mit mir in meinem Film ‚Der Mann ihrer Träume‘ mitgewirkt hatte“, erzählt Douglas 1949 der Zeitung „The San Bernardino Sun“. „Ich erinnerte mich, dass sie eine große Frau in einem grünen Kleid war und dass ich mich am Set ein wenig mit ihr unterhalten und gescherzt hatte, wie ich es mit vielen anderen Leuten auch getan habe. Aber ich habe sie davor oder danach nie wieder gesehen und bin nie mit ihr ausgegangen“, betont er.
Unstimmigkeiten stellen die Polizei vor ein Rätsel
Obwohl Kirk Douglas‘ Anruf seitens der Polizei Fragen aufwirft, wird der Hollywoodstar laut „Los Angeles Times“ bald von jeglichem Fehlverhalten entlastet. Daher rückt der restliche Teil der kryptischen Notiz in den Fokus der Ermittlungen. Es werden Gerüchte laut, Jean Spangler sei schwanger gewesen und habe einen Schwangerschaftsabbruch durchführen wollen – was zu der Zeit in den USA gesetzeswidrig ist. Es heißt, ein ehemaliger Medizinstudent, der sich „Doc“ nennt, habe illegal Abtreibungen ausgeführt. Daher besagt eine Theorie, dass bei dem Eingriff etwas schief gelaufen und die Schauspielerin an den Folgen gestorben sein könnte. Besagter „Doktor Scott“ wird allerdings nie ausfindig gemacht.
Auch Spanglers Ex-Mann Dexter Benner, mit dem sie sich laut eigener Aussage treffen wollte, wird verhört. Doch er beteuert gegenüber der Behörden seine einstige Ehefrau bereits länger nicht gesehen zu haben. Seine neue Partnerin bestätigt dies. Eine weitere Unstimmigkeit kommt ans Licht, als die Polizei bei den Studios und der Screen Extras Guild nach den Aufnahmen der Dreharbeiten fragt: Denn es gibt keine Aufzeichnung darüber, dass Jean Spangler am Abend ihres Verschwindens gearbeitet hat. Allerdings habe eine Angestellte in einem Supermarkt ausgesagt, die junge Schauspielerin gegen 18:00 Uhr gesehen zu haben. Alle Anhaltspunkte sowie Spuren verlaufen im Sand, die Vermisste wird nie gefunden.

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Jean Spanglers Mutter gibt die Suche nach ihrer Tochter nicht auf und spricht sich gegen einige Theorien aus, die kursieren. Es werden zwischenzeitlich Stimmen laut, Jean habe mit der Mafia zu tun gehabt und sei von dieser ermordet worden. „Jean war nicht die Art von Mädchen, die sich mit solchen Leuten einließ“, sagt Florence M. Spangler laut „Los Angeles Times“. Die trauernde Mutter wird Zeit ihres Lebens nicht mit ihrer Tochter wiedervereint. Die kleine Christine ist heute 81 Jahre alt und musste ihr Leben ohne ihre geliebte Mutter verbringen. Alles, was ihr bleibt, ist die Erinnerung.
Verwendete Quellen: latimes.com, gettyimages.de, ew.com, sbsun.com, faroutmagazine.co.uk
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