Durchbruch bei Alzheimer: Neue Medikamente stoppen Krankheitsverlauf

Das Jahr 2025 markiert einen Wendepunkt in der Behandlung von Alzheimer. Nach über 20 Jahren ohne echte Neuerung gibt es endlich wieder Hoffnung für Betroffene und ihre Angehörigen. Mit Lecanemab und Donanemab stehen in Deutschland seit September und November 2025 erstmals zwei Alzheimer Medikamente zur Verfügung, die nicht nur Symptome lindern, sondern direkt an den Ursachen der Krankheit ansetzen. Diese Entwicklung könnte den Umgang mit der Volkskrankheit grundlegend verändern. Doch was können die neuen Wirkstoffe wirklich leisten? Für wen sind sie geeignet? Und welche Hoffnungen und Grenzen gibt es?

Was ist das Besondere an den neuen Alzheimer-Medikamenten?

Bisher gab es in Deutschland nur Medikamente, die die Symptome von Alzheimer behandeln konnten. Sie stimulieren die Hirnleistung und verzögern so den Abbau – ändern aber nichts am grundlegenden Krankheitsverlauf. Die neuen Wirkstoffe Lecanemab und Donanemab unterscheiden sich fundamental davon. Sie sind monoklonale Antikörper, die gezielt die Amyloid-Beta-Plaques im Gehirn angreifen. Diese Eiweißablagerungen gelten als eine der Hauptursachen für das Absterben von Nervenzellen bei Alzheimer.

Stell dir das so vor: Die Plaques verstopfen die Kommunikationswege zwischen den Nervenzellen, ähnlich wie Müll einen Kanal verstopft. Lecanemab und Donanemab wirken wie eine Reinigungstruppe, die das körpereigene Immunsystem aktiviert, um diesen „Müll“ abzubauen. Dadurch wird der Krankheitsverlauf messbar verlangsamt. Außerdem ist dieser Ansatz ein Paradigmenwechsel: Zum ersten Mal greifen wir direkt in den Krankheitsmechanismus ein, statt nur die Folgen zu bekämpfen.

Lecanemab (Leqembi): Das erste zugelassene Alzheimer Medikament in der EU

Lecanemab wurde im April 2025 von der Europäischen Kommission zugelassen und ist seit 1. September 2025 in Deutschland unter dem Handelsnamen Leqembi erhältlich. Die Pharmaunternehmen Eisai aus Japan und Biogen aus den USA entwickelten den Wirkstoff gemeinsam. In den USA war er bereits seit Januar 2023 verfügbar.

Das Medikament wird alle zwei Wochen als Infusion verabreicht und richtet sich gezielt gegen lösliche Vorstufen der Amyloid-Plaques. In der großen Zulassungsstudie CLARITY AD mit 1.795 Teilnehmern über 18 Monate zeigte sich eine Verlangsamung des kognitiven Abbaus um 27 Prozent. Das bedeutet konkret: Die Erkrankten konnten länger selbstständig bleiben und alltägliche Aktivitäten besser bewältigen. Bei den Aktivitäten des täglichen Lebens gab es sogar eine Verbesserung um 37 Prozent im Vergleich zur Placebo-Gruppe.

Allerdings gibt es auch Einschränkungen. Leqembi ist nur für Menschen im Frühstadium der Erkrankung zugelassen – also bei leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) oder leichter Demenz. Zudem muss vorher nachgewiesen werden, dass tatsächlich Amyloid-Plaques im Gehirn vorhanden sind. Dies geschieht über spezielle Bildgebungsverfahren wie das Amyloid-PET oder eine Nervenwasseruntersuchung. Ein Gentest auf das ApoE4-Risikogen ist ebenfalls Pflicht. Menschen mit zwei Kopien dieses Gens sind von der Behandlung ausgeschlossen, da ihr Risiko für Nebenwirkungen zu hoch ist.

Donanemab (Kisunla): Die neuere Alternative

Donanemab kam noch später auf den Markt, ist aber in einigen Aspekten Lecanemab überlegen. Das von Eli Lilly entwickelte Medikament wurde am 24. September 2025 in der EU zugelassen und ist seit 1. November 2025 in Deutschland unter dem Handelsnamen Kisunla erhältlich. Die Zulassung war zunächst umstritten – im März 2025 hatte die Europäische Arzneimittelbehörde EMA noch abgelehnt, weil das Risiko für Nebenwirkungen als zu hoch eingeschätzt wurde. Nach erneuter Prüfung kam jedoch die Empfehlung zur Zulassung.

Der große Unterschied zu Lecanemab liegt im Wirkprinzip und in der Anwendung. Donanemab bindet an eine spezielle Form von Amyloid-Beta, die bereits in Plaques verklumpt ist (Pyroglutamat-Amyloid-Beta). Dadurch ist die Wirkung potenter. In der TRAILBLAZER-ALZ 2 Studie zeigte sich eine Verlangsamung um 35 Prozent – also noch etwas besser als bei Lecanemab. Innerhalb von 18 Monaten gewannen Patienten vier bis sechs Monate funktionale Lebensqualität.

Ein weiterer Vorteil: Kisunla muss nur einmal monatlich als Infusion gegeben werden, Leqembi hingegen alle zwei Wochen. Außerdem ist Donanemab zeitlich begrenzt einsetzbar. Die Behandlung läuft so lange, bis die Amyloid-Plaques abgebaut sind – maximal 18 Monate. Lecanemab ist dagegen auf eine Dauertherapie ausgelegt. Das macht Kisunla praktischer und günstiger in der Langzeitanwendung.

Für wen sind Lecanemab und Donanemab geeignet?

Beide Medikamente haben strenge Zulassungskriterien. Sie richten sich ausschließlich an Erwachsene im Frühstadium der Alzheimer-Krankheit – konkret an Menschen mit leichter kognitiver Störung (MCI) oder leichter Demenz, bei denen Amyloid-Plaques nachgewiesen wurden. Das bedeutet: Wenn die Erkrankung bereits weiter fortgeschritten ist, helfen die Medikamente nicht mehr. Daher ist eine frühe Diagnose entscheidend.

Außerdem dürfen nur Personen behandelt werden, die maximal eine Kopie des ApoE4-Gens tragen. Menschen mit zwei Kopien haben ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere Nebenwirkungen wie Hirnschwellungen und Hirnblutungen. Auch die Einnahme von Blutverdünnern wie Marcumar oder direkten oralen Antikoagulanzien schließt eine Therapie aus. Gleiches gilt für vorbestehende Hirnblutungen, schwere Erkrankungen der weißen Hirnsubstanz, schlecht eingestellten Bluthochdruck oder Autoimmunerkrankungen.

Geschätzt kommt nur etwa einer von 100 Menschen mit Alzheimer-Demenz für die Behandlung infrage – bei etwa 1,2 Millionen Alzheimer-Erkrankten in Deutschland wären das weniger als 12.000 Personen. Hinzu kommt: Die Diagnostik ist aufwendig und teuer. Vor der Behandlung sind ein Amyloid-PET, ein MRT und ein Gentest nötig. Während der Therapie müssen regelmäßige MRT-Kontrollen durchgeführt werden, um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.

Wie wirksam sind die neuen Alzheimer-Medikamente wirklich?

Die Studienergebnisse klingen zunächst beeindruckend: 27 bis 35 Prozent Verlangsamung des kognitiven Abbaus. Doch was bedeutet das konkret für Betroffene? Experten sind hier zurückhaltend. Prof. Dr. Agnes Flöel von der Universitätsmedizin Greifswald sagt: „Die Bilder vom Gehirn zeigen nach der Behandlung zwar kein auffälliges Amyloid mehr – der Effekt für die Patienten ist aber überschaubar.“ Die Erkrankung schreitet weiter fort, nur eben etwas langsamer.

Konkret heißt das: In 18 Monaten Behandlung gewinnen Patienten etwa vier bis sieben Monate Lebensqualität. Sie können länger selbstständig bleiben, Alltagsaktivitäten besser bewältigen und ihre kognitiven Fähigkeiten etwas länger erhalten. Für viele Betroffene und Angehörige ist das dennoch wertvoll – jeder zusätzliche Monat ohne Pflegebedürftigkeit zählt. Trotzdem ist klar: Lecanemab und Donanemab sind keine Wundermittel. Sie heilen Alzheimer nicht und können die Erkrankung nicht stoppen, sondern nur verlangsamen.

Interessant ist auch: In den Studien zeigten 47 Prozent der Donanemab-Teilnehmer nach einem Jahr keine weitere Verschlechterung der Symptome, verglichen mit 29 Prozent in der Placebogruppe. Das bedeutet aber auch, dass 53 Prozent keinen messbaren Nutzen hatten. Die Wirksamkeit ist also individuell sehr unterschiedlich. Zudem fiel auf, dass die Medikamente bei Frauen weniger wirksam sind als bei Männern – die Gründe dafür sind noch unklar.

Welche Nebenwirkungen und Risiken gibt es?

Der Hauptgrund für die anfängliche Skepsis der europäischen Zulassungsbehörde waren die Nebenwirkungen. Beide Medikamente können sogenannte Amyloid-bedingte Bildgebungsanomalien (ARIA) verursachen – Hirnschwellungen (ARIA-E) und Mikroblutungen (ARIA-H). Bei Lecanemab traten ARIA-E bei 12,6 Prozent und ARIA-H bei 16,9 Prozent der Behandelten auf. Unter Donanemab waren es sogar 37 Prozent insgesamt, also deutlich mehr.

Die meisten dieser Nebenwirkungen verlaufen mild und verursachen keine Symptome. Sie werden nur in den regelmäßigen MRT-Kontrollen sichtbar. Doch es gibt auch schwere Fälle. In den Donanemab-Studien kam es zu drei Todesfällen, die mit der Behandlung in Zusammenhang gebracht wurden. Deshalb ist eine engmaschige ärztliche Überwachung während der gesamten Therapie zwingend erforderlich. MRT-Untersuchungen sind vor Beginn der Behandlung sowie nach der 5., 7. und 14. Infusion Pflicht.

Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Schwindel und vorübergehende Verwirrung. Selten kann es zu allergischen Reaktionen auf die Infusion kommen. Die Therapie ist also mit einem erheblichen Aufwand und Risiko verbunden. Daher ist es so wichtig, dass nur Patienten behandelt werden, bei denen der Nutzen die Risiken überwiegt.

Wie läuft die Behandlung praktisch ab?

Beide Medikamente werden als Infusion in spezialisierten Alzheimer- und Gedächtniszentren verabreicht. Leqembi muss alle zwei Wochen gegeben werden, Kisunla nur einmal im Monat. Eine Infusion dauert etwa eine Stunde, gefolgt von einer Nachbeobachtungsphase von 30 Minuten bis zwei Stunden (besonders bei den ersten Infusionen). Das bedeutet für Patienten und Angehörige einen erheblichen logistischen Aufwand, vor allem in ländlichen Regionen mit längeren Anfahrtswegen.

Die Kosten sind beträchtlich. Der Jahrespreis für Lecanemab liegt bei etwa 24.000 Euro, hinzu kommen die Kosten für Diagnostik, Infusionen und MRT-Kontrollen. Trotzdem übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Behandlung, da die Medikamente zugelassen sind. Es läuft derzeit eine Nutzenbewertung durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), deren Ergebnisse Ende 2025 erwartet werden.

Eine Erleichterung könnte in Zukunft die subkutane Anwendung bringen. In den USA ist seit August 2025 eine Autoinjektor-Variante von Leqembi zugelassen, die Patienten sich selbst spritzen könnten. Perspektivisch könnte das auch in Europa möglich werden und die Behandlung erheblich vereinfachen.

Vergleich: Lecanemab vs. Donanemab – Was ist besser?

KriteriumLecanemab (Leqembi)Donanemab (Kisunla)
HerstellerEisai / BiogenEli Lilly
Zulassung EUApril 2025September 2025
Verfügbar in Deutschland seit1. September 20251. November 2025
InfusionsintervallAlle 2 WochenAlle 4 Wochen
TherapiedauerDauertherapieMax. 18 Monate (bis Plaques weg)
Wirksamkeit (Studienergebnis)27% Verlangsamung35% Verlangsamung
ARIA-Risiko12,6% ARIA-E, 16,9% ARIA-H~37% gesamt (höher)
Kosten pro Jahr~24.000 €~24.000 € (aber zeitlich begrenzt)
BesonderheitAuch subkutan in USA zugelassenBehandlung kann beendet werden

Welches Medikament besser ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Donanemab hat in Studien eine etwas höhere Wirksamkeit gezeigt, aber auch mehr Nebenwirkungen. Dafür ist es zeitlich begrenzt einsetzbar, was für viele Patienten attraktiver sein könnte. Lecanemab ist insgesamt verträglicher, muss aber dauerhaft gegeben werden. Die Entscheidung sollte individuell mit den behandelnden Ärzten getroffen werden.

Früherkennung: Der Schlüssel zum Erfolg

Die neuen Medikamente können nur im Frühstadium der Erkrankung helfen. Deshalb ist die Früherkennung von Alzheimer entscheidend. Hier gibt es vielversprechende Fortschritte. Bluttests können inzwischen mit hoher Genauigkeit Amyloid-Ablagerungen nachweisen – deutlich einfacher und weniger belastend als bildgebende Verfahren oder Nervenwasseruntersuchungen. Solche Tests werden bereits in spezialisierten Gedächtnisambulanzen eingesetzt, allerdings bisher nur ergänzend. Langfristig könnten sie aufwändige Untersuchungen ganz oder teilweise ersetzen.

Doch es gibt ein Problem: Viele Menschen mit beginnender Demenz werden zu spät diagnostiziert. Oft vergehen Jahre vom Auftreten erster Symptome bis zur korrekten Diagnose. Hausärzte spielen hier eine Schlüsselrolle. Sie sollten bei Patienten mit Gedächtnisproblemen frühzeitig an Alzheimer denken und zur weiteren Abklärung überweisen. Leider fehlen dafür oft etablierte Patientenpfade. Betroffene „laufen verzweifelt von einem zum nächsten“, wie Prof. Dr. Timo Grimmer von der TU München sagt.

Die Politik und das Gesundheitssystem müssen hier nachrüsten. Es braucht mehr Aufklärung, bessere Vernetzung zwischen Hausärzten und Spezialzentren und ausreichend Kapazitäten für Diagnostik und Therapie. Nur so können die neuen Medikamente ihr Potenzial entfalten und möglichst vielen Betroffenen helfen.

Die Zukunft der Alzheimer-Therapie

Lecanemab und Donanemab sind wichtige Schritte, aber nicht das Ende der Entwicklung. Die Forschung arbeitet bereits an der nächsten Generation von Alzheimer-Medikamenten. Dazu gehören Wirkstoffe, die andere Krankheitsmechanismen angreifen – zum Beispiel Tau-Proteine, die ebenfalls zum Absterben von Nervenzellen beitragen. Auch entzündungshemmende Ansätze oder Wirkstoffe gegen oxidativen Stress sind in der Erprobung.

Die Zukunft liegt wahrscheinlich in Kombinationstherapien. Alzheimer ist eine komplexe Erkrankung mit mehreren Ursachen. Ein einzelnes Medikament wird sie kaum heilen können. Stattdessen brauchen wir individuelle Therapien, die an verschiedenen Stellen im Krankheitsprozess ansetzen – ähnlich wie bei der Krebsbehandlung. Die Antikörper-Medikamente sind ein erstes Puzzleteil für eine solche Kombinationstherapie.

Darüber hinaus spielt Prävention eine entscheidende Rolle. Studien zeigen, dass ein gesunder Lebensstil das Alzheimer-Risiko erheblich senken kann. Regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung, geistige Aktivität, soziale Kontakte und die Kontrolle von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht können das Demenzrisiko um bis zu 40 Prozent reduzieren. Diese Maßnahmen sind einfach, kostengünstig und haben keine Nebenwirkungen – im Gegensatz zu den neuen Medikamenten.

Kosten und gesellschaftliche Auswirkungen

Die Kosten der Alzheimer-Erkrankung sind enorm. Der Gesundheitsökonom Dr. Bernhard Michalowsky vom Deutschen Zentrum für Neurogenerative Erkrankungen beziffert die Kosten für Deutschland im Jahr 2025 auf 45 Milliarden Euro allein für Kranken- und Pflegekassen – mit stark steigender Tendenz. „Damit könnte man in jedem Jahr fünfmal den Berliner Flughafen bauen oder 150-mal die Allianz-Arena“, sagt er. Angesichts der alternden Gesellschaft werden diese Zahlen weiter explodieren.

Können die neuen Medikamente helfen, diese Kosten zu senken? Möglicherweise ja, wenn sie flächendeckend eingesetzt werden und tatsächlich die Pflegebedürftigkeit hinauszögern. Allerdings sind sie selbst teuer. Mit 24.000 Euro pro Jahr und Patient – plus Diagnostik und Überwachung – summieren sich die Kosten schnell. Bei 12.000 infrage kommenden Patienten wären das allein für die Medikamente fast 300 Millionen Euro jährlich. Ob sich das volkswirtschaftlich lohnt, wird derzeit intensiv diskutiert.

Trotzdem: Die Zulassung der beiden Medikamente ist ein Meilenstein. Nach Jahrzehnten der Frustration gibt es endlich echte Fortschritte. Viele Patienten und Angehörige sehen darin einen Hoffnungsschimmer. „Jeder zusätzliche Monat ohne Pflegeheim ist unbezahlbar“, sagen viele Angehörige. Und genau diese Monate können Lecanemab und Donanemab schenken.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Können Lecanemab oder Donanemab Alzheimer heilen?

Nein, beide Medikamente können Alzheimer weder heilen noch stoppen. Sie verlangsamen lediglich das Fortschreiten der Erkrankung um einige Monate. Die Krankheit schreitet weiter fort, nur eben etwas langsamer als ohne Behandlung.

Für wen sind die neuen Alzheimer-Medikamente geeignet?

Die Medikamente sind nur für Menschen im sehr frühen Krankheitsstadium zugelassen – bei leichter kognitiver Störung (MCI) oder leichter Demenz. Es müssen Amyloid-Plaques im Gehirn nachgewiesen sein, und die genetische Veranlagung darf nicht zu hohes Risiko für Nebenwirkungen bergen (max. eine Kopie des ApoE4-Gens). Zudem dürfen keine Blutverdünner eingenommen werden. Schätzungen zufolge kommt nur etwa einer von 100 Alzheimer-Patienten für die Behandlung infrage.

Wie lange muss man die Medikamente nehmen?

Das ist unterschiedlich. Lecanemab (Leqembi) ist als Dauertherapie angelegt und muss kontinuierlich alle zwei Wochen gegeben werden. Donanemab (Kisunla) hingegen wird nur so lange verabreicht, bis die Amyloid-Plaques abgebaut sind – maximal 18 Monate. Danach kann die Behandlung beendet werden.

Was kosten die neuen Alzheimer-Medikamente?

Die jährlichen Medikamentenkosten liegen bei etwa 24.000 Euro pro Patient. Hinzu kommen Kosten für Diagnostik (Amyloid-PET, Gentests), Infusionen und regelmäßige MRT-Kontrollen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Behandlung, da die Medikamente zugelassen sind.

Welche Nebenwirkungen haben Lecanemab und Donanemab?

Die Hauptnebenwirkungen sind Hirnschwellungen (ARIA-E) und Mikroblutungen (ARIA-H). Diese treten bei Lecanemab bei etwa 13-17 Prozent der Behandelten auf, bei Donanemab sogar bei rund 37 Prozent. Meist verlaufen sie mild, aber in seltenen Fällen können sie schwerwiegend oder sogar tödlich sein. Daher sind regelmäßige MRT-Kontrollen zwingend erforderlich.

Wo kann man die Behandlung bekommen?

Die Behandlung erfolgt nur in spezialisierten Alzheimer- und Gedächtniszentren, die über die nötige Infrastruktur, geschultes Personal und MRT-Geräte verfügen. Beispiele sind die Charité in Berlin, das Universitätsklinikum Köln, die Schön Klinik in Bad Aibling und die RWTH Aachen. Eine vollständige Liste findest du bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.

Fazit: Ein wichtiger Schritt, aber kein Allheilmittel

Die Zulassung von Lecanemab und Donanemab ist ein historischer Moment. Zum ersten Mal seit über 20 Jahren gibt es neue Alzheimer Medikamente, die direkt an den Ursachen der Krankheit ansetzen. Das ist ein echter Durchbruch und gibt Millionen Betroffenen und ihren Familien Hoffnung. Endlich können wir nicht nur die Symptome behandeln, sondern den Krankheitsverlauf tatsächlich verlangsamen.

Trotzdem müssen wir realistisch bleiben. Die Medikamente sind keine Wundermittel. Sie heilen Alzheimer nicht und können die Erkrankung nicht stoppen. Sie schenken Patienten ein paar Monate zusätzliche Lebensqualität – und für viele Betroffene ist das unbezahlbar. Aber sie kommen nur für einen kleinen Teil der Erkrankten infrage, sind aufwendig in der Anwendung und haben erhebliche Nebenwirkungen.

Trotzdem markiert das Jahr 2025 einen Wendepunkt. Die Forschung ist auf dem richtigen Weg. In Zukunft werden bessere Medikamente kommen, die früher ansetzen, wirksamer sind und weniger Nebenwirkungen haben. Kombinationstherapien werden wahrscheinlich der Schlüssel zum Erfolg sein. Bis dahin bleibt die beste Strategie, Alzheimer vorzubeugen: durch einen gesunden Lebensstil, regelmäßige Bewegung, geistige Aktivität und soziale Kontakte. Und wenn doch Symptome auftreten, ist eine frühe Diagnose entscheidend – denn nur im Frühstadium können die neuen Medikamente helfen.

Weitere Informationen zum Thema Alzheimer findest du auf Wikipedia – Alzheimer-Krankheit, zu monoklonalen Antikörpern auf Wikipedia – Monoklonale Antikörper, zu Amyloid-Plaques auf Wikipedia – Amyloid und zur Demenzforschung auf Wikipedia – Demenz.

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