Neos sollen Kurz nicht in Pilnacek-U-Ausschuss laden dürfen

⏱️ Lesezeit: 5 Minuten

Die ÖVP blockiert den Vorstoß der Neos, Ex-Kanzler Sebastian Kurz in den Pilnacek-U-Ausschuss zu laden. Grund ist ein Passus im Regierungsprogramm, der ein „gemeinsames Vorgehen“ in U-Ausschüssen vorschreibt. Die Pinken hatten angekündigt, Kurz als „Schlüsselperson“ befragen zu wollen.

📋 Das Wichtigste in Kürze

  • Koalitionsstreit: ÖVP erinnert Neos an Regierungsprogramm – Kurz-Ladung damit blockiert
  • Regierungsprogramm: Seite 15 fordert „gemeinsames Vorgehen“ in U-Ausschüssen
  • Neos-Forderung: Sophie Wotschke will Kurz als „Schlüsselperson“ befragen
  • ÖVP-Position: Andreas Hanger lehnt Ladung ab – Frage sei „längst beantwortet“
  • Brisante Frage: Warum wusste Kurz‘ Anwalt um 9:28 Uhr vom Tod – 2 Minuten vor offizieller Todesfeststellung?
  • Alternative: FPÖ könnte Kurz im Alleingang laden
  • Hintergrund: Kurz telefonierte am Abend vor Pilnaceks Tod mit ihm

Pilnacek U-Ausschuss Kurz – der parlamentarische Untersuchungsausschuss zur Causa Pilnacek sorgt für Spannungen innerhalb der österreichischen Dreierkoalition. Die Neos wollen Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz als Auskunftsperson laden – doch die ÖVP blockiert diesen Plan mit Verweis auf das Regierungsprogramm.

Warum dürfen die Neos Kurz nicht laden?

Der Konflikt dreht sich um einen Passus auf Seite 15 des Regierungsprogramms der ÖVP-SPÖ-Neos-Koalition. Dort heißt es, dass die drei Regierungsklubs „ein gemeinsames Vorgehen in sämtlichen parlamentarischen Angelegenheiten“ sicherstellen. Ausdrücklich erwähnt wird dabei auch „das Verfahren der Untersuchungsausschüsse“.

Die ÖVP hat ihre Koalitionspartner nun „freundlich, aber bestimmt“ an diese Vereinbarung erinnert, wie die Salzburger Nachrichten berichten. Was früher in geheimen Sidelettern geregelt war, steht diesmal schwarz auf weiß im offiziellen Koalitionspakt.

„Dieses gemeinsame Vorgehen umfasst auch die Einsetzung sowie das Verfahren der Untersuchungsausschüsse.“

— Regierungsprogramm ÖVP-SPÖ-Neos, Seite 15

Was wollen die Neos von Sebastian Kurz wissen?

Neos-Fraktionsführerin Sophie Wotschke hatte am vergangenen Sonntag im ORF-Magazin „Hohes Haus“ angekündigt, Kurz in den U-Ausschuss laden zu wollen. Ihre Begründung: Kurz sei eine „Schlüsselperson“ in der Causa Pilnacek.

Die Neos wollen vor allem zwei Punkte aufklären:

FrageHintergrund
Telefonat am VorabendKurz hatte am Abend vor Pilnaceks Tod Kontakt mit ihm
Schnelle InformationKurz‘ Anwalt wusste um 9:28 Uhr vom Tod – 2 Minuten vor offizieller Feststellung
Suizid-AussageKurz sprach öffentlich von Suizid, als dies noch nicht geklärt war
InformationswegWie kam die Info so schnell von Rossatz (80 km) nach Wien?

💬 Neos-Fraktionsführerin Sophie Wotschke

„Besonders brisant: Erst um 9:30 Uhr wurde Christian Pilnacek formell für tot erklärt – aber schon um 9:28 Uhr liegt eine Nachricht bei Otto Dietrich, das ist der Rechtsanwalt von Sebastian Kurz.“

Wie reagiert die ÖVP auf den Vorstoß?

ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger wies den Neos-Vorstoß im „Standard“ zurück. Er kenne „keinen Antrag der Neos“, wonach diese Kurz laden wollen. Aktuell gebe es darüber auch keine Verhandlungen. Die von Wotschke aufgeworfene Frage sei zudem „längst beantwortet“.

PositionNeosÖVP
Kurz-Ladung„Jedenfalls relevant“Abgelehnt
BegründungSchlüsselperson, offene FragenFragen „längst beantwortet“
RegierungsprogrammWill trotzdem AufklärungVerweist auf Abstimmungspflicht

Neos-Klubchef Yannick Shetty gab sich im Ö1-„Morgenjournal“ abwartend. Die Partei scheint zwischen Aufklärungswillen und Koalitionsdisziplin zu balancieren.

Könnte die FPÖ Kurz trotzdem laden?

Ja – und das gilt sogar als wahrscheinlich. Die FPÖ hat den Pilnacek-U-Ausschuss im Alleingang beantragt und könnte Kurz auch ohne Zustimmung der Koalitionsparteien als Auskunftsperson laden. FPÖ-Fraktionschef Christian Hafenecker hat bereits angekündigt, mögliche Vertuschungsaktionen durch die ÖVP aufklären zu wollen.

Was ist der Hintergrund des Pilnacek-U-Ausschusses?

Der ehemalige Justiz-Sektionschef Christian Pilnacek wurde am 20. Oktober 2023 tot an einem Seitenarm der Donau bei Rossatz aufgefunden. Der U-Ausschuss soll klären, ob es politische Einflussnahme auf die Ermittlungen gab.

DatumEreignis
20. Oktober 2023Christian Pilnacek wird tot aufgefunden
September 2025Ermittlungen von Krems nach Eisenstadt übergeben
Mai 2025Kurz vom Vorwurf der Falschaussage freigesprochen
19. November 2025U-Ausschuss konstituiert sich
14. Januar 2026Lokalaugenschein in Rossatz
15. Januar 2026Erste Befragungen starten

Wer sind die wichtigsten Akteure im U-Ausschuss?

ParteiFraktionsführer/inPosition
FPÖChristian HafeneckerHat U-Ausschuss beantragt
ÖVPAndreas HangerLehnt Kurz-Ladung ab
SPÖJan KrainerWill Ermittlungsfehler klären
NeosSophie WotschkeWill Kurz befragen
GrüneNina TomaselliUntersucht „System Pilnacek“

Den Vorsitz führt erstmals Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ). Verfahrensrichterin ist die erfahrene Ex-OLG-Richterin Christa Edwards.

Wie geht es im U-Ausschuss weiter?

Diese Woche werden zwei Polizeibeamte, eine Ärztin und eine Staatsanwältin befragt. Die Sitzungstermine sind bis Juli 2026 festgelegt. Die Frage der Kurz-Ladung bleibt offen – möglicherweise wird die FPÖ hier die Initiative ergreifen.

❓ Häufig gestellte Fragen

Warum dürfen die Neos Sebastian Kurz nicht in den U-Ausschuss laden?

Das Regierungsprogramm der ÖVP-SPÖ-Neos-Koalition schreibt auf Seite 15 ein „gemeinsames Vorgehen in sämtlichen parlamentarischen Angelegenheiten“ vor – einschließlich U-Ausschüssen. Die ÖVP lehnt eine Ladung ihres Ex-Parteichefs ab und beruft sich auf diese Vereinbarung.

Was wollen die Neos von Sebastian Kurz wissen?

Neos-Fraktionsführerin Sophie Wotschke will klären, warum Kurz‘ Anwalt bereits um 9:28 Uhr vom Tod Pilnaceks erfuhr – zwei Minuten bevor dieser offiziell für tot erklärt wurde. Außerdem hatte Kurz am Vorabend telefonischen Kontakt mit Pilnacek und sprach öffentlich von Suizid, als dies noch nicht geklärt war.

Kann die FPÖ Kurz trotzdem laden?

Ja, die FPÖ hat den U-Ausschuss beantragt und kann Auskunftspersonen im Alleingang laden. Dies gilt als wahrscheinlich, da FPÖ-Fraktionschef Christian Hafenecker mögliche Vertuschungsaktionen der ÖVP aufklären will.

Worum geht es im Pilnacek-U-Ausschuss?

Der U-Ausschuss untersucht mögliche politische Einflussnahme auf die Ermittlungen nach dem Tod des ehemaligen Justiz-Sektionschefs Christian Pilnacek im Oktober 2023. Pilnacek wurde tot an einem Donau-Seitenarm bei Rossatz aufgefunden. Die FPÖ vermutet Interventionen durch ÖVP-geführte Ministerien.

Wer war Christian Pilnacek?

Christian Pilnacek war der mächtigste Beamte im österreichischen Justizministerium. Er leitete die Sektion für Strafprozessrecht und gilt als Architekt der Strafprozessordnung-Reform 2008. Er war politisch bestens vernetzt und hatte Kontakte zur ÖVP. In einem Tonband beklagte er politischen Interventionsdruck.

Wurde Sebastian Kurz bereits in einem U-Ausschuss befragt?

Ja, Kurz war bereits im Ibiza-U-Ausschuss Auskunftsperson. Im Mai 2025 wurde er vom OLG Wien rechtskräftig vom Vorwurf der Falschaussage freigesprochen. Bei einer Ladung in den Pilnacek-U-Ausschuss müsste er als Auskunftsperson erscheinen.

Wie reagieren die anderen Parteien auf den Koalitionsstreit?

SPÖ-Fraktionschef Jan Krainer will ergebnisoffen aufklären. Die Grünen unter Nina Tomaselli kritisieren das „System Pilnacek“ und werfen ihm vor, seine Position zugunsten der ÖVP missbraucht zu haben. Die FPÖ als Antragstellerin will mögliche ÖVP-Interventionen aufdecken.

Fazit: Koalitionsdisziplin gegen Aufklärungswillen

Der Streit um die Kurz-Ladung im Pilnacek-U-Ausschuss offenbart die Grenzen der pinken Aufklärungsarbeit innerhalb der Dreierkoalition. Während die Neos den Ex-Kanzler als „Schlüsselperson“ befragen wollen, pocht die ÖVP auf die im Regierungsprogramm festgeschriebene Koalitionsdisziplin.

Die Frage bleibt offen, ob die FPÖ in die Bresche springt und Kurz im Alleingang lädt. Sicher ist: Der U-Ausschuss wird die österreichische Innenpolitik noch lange beschäftigen – mit oder ohne Sebastian Kurz als Auskunftsperson.

R

✍️ Redaktion

Unsere Redaktion berichtet über Politik, Justiz und aktuelle Entwicklungen in Österreich.

📅 Veröffentlicht am 26. Januar 2026

Schreibe einen Kommentar