Die Waldheim-Affäre, eine der größten innenpolitischen Krisen der Zweiten Republik Österreich, entzündete sich im Jahr 1986. Sie betraf den ehemaligen UNO-Generalsekretär Kurt Waldheim, der sich um das Amt des Bundespräsidenten bewarb. Im Zuge des Wahlkampfs wurden Vorwürfe laut, er habe seine Rolle während des Zweiten Weltkriegs beschönigt und seine Beteiligung an NS-Verbrechen verschwiegen. Die Affäre löste eine intensive Auseinandersetzung mit der österreichischen Vergangenheit aus. Waldheim Affäre steht dabei im Mittelpunkt.

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Zusammenfassung
- Die Waldheim-Affäre erschütterte Österreich und führte zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit.
- Kurt Waldheim wurde vorgeworfen, seine Rolle während des Zweiten Weltkriegs beschönigt zu haben.
- Die Affäre hatte internationale Auswirkungen und belastete das Ansehen Österreichs.
- Sie trug zu einem veränderten Geschichtsbewusstsein in Österreich bei.
Wie entstand die Waldheim-Affäre?
Die Waldheim-Affäre begann mit der Veröffentlichung von Recherchen, die Waldheims militärische Vergangenheit während des Zweiten Weltkriegs in Frage stellten. Insbesondere wurde seine Mitgliedschaft in der SA und seine Tätigkeit als Ordonnanzoffizier in Einheiten, die an Kriegsverbrechen beteiligt waren, thematisiert. Waldheim selbst hatte diese Aspekte seiner Biografie zuvor heruntergespielt oder verschwiegen.
Die Hintergründe der Waldheim-Affäre
Die Kandidatur Kurt Waldheims für das Amt des Bundespräsidenten im Jahr 1986 fiel in eine Zeit, in der in Österreich eine zunehmende Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle während des Nationalsozialismus stattfand. Jahrzehntelang hatte die sogenannte „Opferthese“ dominiert, wonach Österreich als erstes Opfer Hitlers dargestellt wurde. Diese Sichtweise diente dazu, die eigene Verantwortung für die Verbrechen des NS-Regimes zu relativieren. Die Waldheim-Affäre trug maßgeblich dazu bei, diese These zu hinterfragen und eine kritischere Auseinandersetzung mit der Vergangenheit anzustoßen.
Die ersten Vorwürfe gegen Waldheim wurden von dem US-amerikanischen Journalisten Hubertus Czernin erhoben. Czernin recherchierte in Archiven und stieß auf Dokumente, die Waldheims Darstellung seiner Kriegsjahre widersprachen. Seine Erkenntnisse veröffentlichte er in der österreichischen Wochenzeitung Profil. In der Folge griffen auch andere Medien die Thematik auf, darunter internationale Zeitungen wie die New York Times. Wie Der Standard berichtet, entwickelte sich die Affäre zu einer internationalen Kontroverse.
Die Vorwürfe gegen Waldheim umfassten unter anderem seine Mitgliedschaft in der SA, seine Tätigkeit als Ordonnanzoffizier in der Heeresgruppe E, die für Kriegsverbrechen in Griechenland und Jugoslawien verantwortlich war, sowie seine angebliche Kenntnis von Deportationen von Juden. Waldheim selbst bestritt die Vorwürfe zunächst vehement und erklärte, er habe lediglich seine „Pflicht“ getan. Später räumte er ein, einige Details seiner Vergangenheit möglicherweise nicht ausreichend offengelegt zu haben. (Lesen Sie auch: Kopftuchverbot Schule: Österreich plant Verbot bis 14…)
Die „Opferthese“ war eine in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg verbreitete Sichtweise, die das Land als erstes Opfer des Nationalsozialismus darstellte. Diese These diente dazu, die eigene Verantwortung für die Verbrechen des NS-Regimes zu relativieren.
Die Waldheim-Affäre spaltete die österreichische Gesellschaft. Während einige Waldheim unterstützten und die Vorwürfe als ausländische Kampagne abtaten, forderten andere eine umfassende Aufklärung der Vorwürfe. Die Affäre führte zu heftigen politischen Auseinandersetzungen und Demonstrationen. Die SPÖ unterstützte zunächst Waldheim, distanzierte sich aber im Laufe der Affäre zunehmend von ihm. Die ÖVP hielt an ihrer Unterstützung für Waldheim fest.
Die internationalen Auswirkungen
Die Waldheim-Affäre hatte erhebliche Auswirkungen auf das internationale Ansehen Österreichs. Zahlreiche Staaten, darunter die USA und Israel, distanzierten sich von Waldheim. Die USA setzten ihn auf eine „Watch List“, was einer Einreisesperre gleichkam. Israel berief seinen Botschafter aus Wien ab. Die Affäre belastete die Beziehungen Österreichs zu zahlreichen Staaten und Organisationen.
Die internationale Kritik an Waldheim führte zu einer weiteren Zuspitzung der innenpolitischen Auseinandersetzung in Österreich. Waldheim selbst und seine Anhänger sahen sich als Opfer einer internationalen Kampagne. Sie argumentierten, dass Österreich zu Unrecht für die Verbrechen des NS-Regimes verantwortlich gemacht werde. Diese Sichtweise trug zu einer verstärkten Abgrenzung von der internationalen Kritik und zu einem Gefühl der nationalen Kränkung bei.
Trotz der Vorwürfe und der internationalen Kritik wurde Kurt Waldheim im Juni 1986 zum Bundespräsidenten gewählt. Seine Amtszeit war jedoch von der Affäre überschattet. Waldheim wurde international weitgehend isoliert und konnte kaum offizielle Besuche im Ausland absolvieren. Im Inland versuchte er, die Wogen zu glätten und eine Versöhnung der Gesellschaft zu erreichen. (Lesen Sie auch: Casinos Affäre österreich: Strafanzeige gegen Strache)
Die Historikerkommission und ihre Ergebnisse
Um die Vorwürfe gegen Waldheim umfassend aufzuklären, setzte die österreichische Bundesregierung 1988 eine Historikerkommission ein. Die Kommission unter der Leitung des Schweizer Historikers Jean-François Steiner untersuchte die militärische Vergangenheit Waldheims und seine Rolle während des Zweiten Weltkriegs. Die Ergebnisse der Kommission wurden 1988 veröffentlicht.
Die Historikerkommission kam zu dem Schluss, dass Waldheim zwar nicht direkt an Kriegsverbrechen beteiligt war, aber von den Gräueltaten der Wehrmacht und der SS gewusst haben musste. Die Kommission stellte fest, dass Waldheim seine militärische Vergangenheit beschönigt und seine Rolle heruntergespielt hatte. Die Kommission kam jedoch nicht zu dem Schluss, dass Waldheim aktiv an Kriegsverbrechen beteiligt war. Die Ergebnisse der Historikerkommission trugen zu einer differenzierteren Auseinandersetzung mit der Waldheim-Affäre bei.
Die Erkenntnisse der Historikerkommission führten zu einer erneuten Debatte über die Rolle Österreichs während des Nationalsozialismus. Viele Österreicherinnen und Österreicher sahen sich nun mit der Tatsache konfrontiert, dass Waldheim, der höchste Repräsentant des Landes, seine Vergangenheit nicht vollständig offengelegt hatte. Die Affäre trug dazu bei, ein neues Geschichtsbewusstsein in Österreich zu entwickeln. Die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit wurde intensiviert und kritischer geführt. Das Deutsche Historische Museum bietet weitere Informationen zum Thema.
Die Historikerkommission wurde 1988 von der österreichischen Bundesregierung eingesetzt, um die Vorwürfe gegen Kurt Waldheim zu untersuchen. Die Kommission bestand aus renommierten Historikern aus dem In- und Ausland.
Was geschah nach Waldheims Amtszeit?
Kurt Waldheim amtierte bis 1992 als Bundespräsident. Nach dem Ende seiner Amtszeit zog er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Er veröffentlichte seine Memoiren und versuchte, sein Bild in der Öffentlichkeit zu rehabilitieren. Waldheim starb im Jahr 2007 im Alter von 88 Jahren in Wien. Bis zu seinem Tod blieb er umstritten. (Lesen Sie auch: Rechtsextreme Straftaten Nehmen 2025 in Österreich zu?)

Die Waldheim-Affäre hat Österreich nachhaltig geprägt. Sie hat zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit geführt und ein neues Geschichtsbewusstsein in der österreichischen Gesellschaft geschaffen. Die Affäre hat auch die Notwendigkeit einer transparenten und kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte verdeutlicht. Die Bundesregierung hat sich mehrfach zu der Thematik geäußert.
Wer war Kurt Waldheim?
Kurt Waldheim war ein österreichischer Diplomat und Politiker. Er war von 1972 bis 1981 Generalsekretär der Vereinten Nationen und von 1986 bis 1992 Bundespräsident von Österreich. Seine Amtszeit als Bundespräsident war von der sogenannten Waldheim-Affäre überschattet.
Was waren die Hauptvorwürfe in der Waldheim-Affäre?
Die Hauptvorwürfe gegen Kurt Waldheim betrafen seine Rolle während des Zweiten Weltkriegs. Ihm wurde vorgeworfen, seine Mitgliedschaft in der SA und seine Tätigkeit als Ordonnanzoffizier in Einheiten, die an Kriegsverbrechen beteiligt waren, beschönigt oder verschwiegen zu haben. (Lesen Sie auch: övp Asylkurs: Was die Verschärfung für Bürger…)
Welche Rolle spielte die Historikerkommission in der Aufklärung der Waldheim-Affäre?
Die Historikerkommission wurde eingesetzt, um die Vorwürfe gegen Waldheim zu untersuchen. Sie kam zu dem Schluss, dass Waldheim zwar nicht direkt an Kriegsverbrechen beteiligt war, aber von den Gräueltaten der Wehrmacht und der SS gewusst haben musste und seine Vergangenheit beschönigt hatte.
Welche Auswirkungen hatte die Waldheim-Affäre auf das Ansehen Österreichs?
Die Waldheim-Affäre hatte erhebliche Auswirkungen auf das internationale Ansehen Österreichs. Zahlreiche Staaten distanzierten sich von Waldheim, und die Beziehungen Österreichs zu einigen Ländern wurden belastet. Die Affäre führte zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit.
Wie hat die Waldheim-Affäre das Geschichtsbewusstsein in Österreich verändert?
Die Waldheim-Affäre trug maßgeblich dazu bei, die sogenannte „Opferthese“ zu hinterfragen und eine kritischere Auseinandersetzung mit der Vergangenheit anzustoßen. Sie führte zu einem neuen Geschichtsbewusstsein und einer intensiveren Debatte über die Rolle Österreichs während des Nationalsozialismus.
Vierzig Jahre nach dem Beginn der Waldheim-Affäre bleibt die Auseinandersetzung mit der österreichischen Vergangenheit ein wichtiger Bestandteil der nationalen Identität. Die Affäre hat gezeigt, wie wichtig es ist, sich der eigenen Geschichte kritisch zu stellen und Verantwortung für die Vergangenheit zu übernehmen. Die Lehren aus der Waldheim-Affäre sind auch heute noch relevant, um eine offene und demokratische Gesellschaft zu gestalten.






