Bodycams für Bahn-Mitarbeiter sollen künftig Übergriffe verhindern. Nach einem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter kündigte die Bahn an, mehr Mitarbeiter mit Kundenkontakt mit Bodycams auszustatten. Ziel ist es, das Sicherheitsempfinden der Beschäftigten zu stärken und potenzielle Täter abzuschrecken. Bodycams Bahn steht dabei im Mittelpunkt.

Die wichtigsten Fakten
- Bahn will mehr Mitarbeiter mit Kundenkontakt mit Bodycams ausstatten.
- Sicherheitsgipfel nach tödlichem Angriff auf Zugbegleiter einberufen.
- Gewerkschaft fordert flächendeckenden Einsatz von Bodycams mit Tonaufnahme.
- Im vergangenen Jahr kam es zu rund 3.000 körperlichen Übergriffen auf Bahn-Beschäftigte.
Sicherheitsgipfel der Bahn nach tödlichem Angriff
Nach dem schockierenden Tod eines 36-jährigen Zugbegleiters in Rheinland-Pfalz, der bei einer Auseinandersetzung mit einem Fahrgast tödlich verletzt wurde, hat die Deutsche Bahn einen Sicherheitsgipfel in Berlin einberufen. Wie Stern berichtet, nahmen an dem Treffen Vertreter von Bund und Ländern, Gewerkschaften, Verbänden sowie Aufgabenträger des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) teil. Ziel des Gipfels war es, gemeinsam Maßnahmen zu erarbeiten, um die Sicherheit der Bahn-Beschäftigten zu erhöhen und Übergriffe zu verhindern.
Was bedeutet das für Bürger?
Die verstärkte Nutzung von Bodycams im Bahnverkehr könnte das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste erhöhen. Durch die Dokumentation von Vorfällen können potenzielle Täter abgeschreckt und Straftaten besser aufgeklärt werden. Reisende könnten sich sicherer fühlen, wenn sie wissen, dass Bahn-Mitarbeiter durch Bodycams geschützt sind. Allerdings gibt es auch Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und der Überwachung im öffentlichen Raum.
Wie viele Bahn-Mitarbeiter werden mit Bodycams ausgestattet?
Bahnchefin Evelyn Palla plant, noch in diesem Jahr alle Bahnbeschäftigten mit Kundenkontakt im Fernverkehr sowie an Bahnhöfen auf freiwilliger Basis mit Bodycams auszustatten. Eine genaue Zahl der betroffenen Mitarbeiter wurde nicht genannt. Es ist aber davon auszugehen, dass es sich um eine signifikante Anzahl handelt, da die Maßnahme alle Mitarbeiter mit Kundenkontakt im Fernverkehr und an Bahnhöfen betrifft. Schon jetzt können Beschäftigte mit Kundenkontakt im Regionalverkehr Bodycams erhalten und tragen. (Lesen Sie auch: Tödlicher Angriff in Zug: Bahnchefin plant Sicherheitsgipfel…)
Die Einführung von Bodycams ist eine Reaktion auf die gestiegene Zahl von Übergriffen auf Bahn-Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr wurden rund 3.000 körperliche Angriffe auf Beschäftigte des Konzerns gemeldet.
Welche Forderungen stellt die Gewerkschaft EVG?
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) begrüßt die Pläne der Bahn, mehr Bodycams einzusetzen. Sie fordert jedoch, dass die Geräte flächendeckend und auch mit Tonaufnahme genutzt werden. Damit sollen auch verbale Übergriffe auf Mitarbeiter besser dokumentiert und nachverfolgbar werden. Darüber hinaus dringt die EVG darauf, dass künftig stets zwei Zugbegleiter in den Regionalzügen Tickets kontrollieren, um die Sicherheit der Mitarbeiter zu erhöhen. Die EVG hatte zuvor eine Umfrage unter ihren Mitgliedern durchgeführt, die ein deutlich verschlechtertes Sicherheitsgefühl innerhalb der Belegschaft zeigte.
Die Tagesschau berichtete, dass die Gewerkschaft außerdem eine bessere Schulung der Mitarbeiter im Umgang mit Konfliktsituationen fordert.
Welche politischen Perspektiven gibt es?
Die Einführung von Bodycams im Bahnverkehr ist politisch umstritten. Befürworter argumentieren, dass die Geräte die Sicherheit der Mitarbeiter erhöhen und potenzielle Täter abschrecken können. Kritiker hingegen warnen vor einer Ausweitung der Überwachung im öffentlichen Raum und fordern einen besseren Schutz der Privatsphäre. Einige Datenschützer äußerten Bedenken hinsichtlich der Speicherung und Verwendung der Aufnahmen. Es wird gefordert, dass klare Richtlinien für den Einsatz der Bodycams festgelegt werden, um Missbrauch zu verhindern.
Im Jahr 2023 gab es rund 3.000 körperliche Übergriffe auf Bahn-Beschäftigte. Die EVG-Umfrage ergab, dass sich das Sicherheitsgefühl der Mitarbeiter deutlich verschlechtert hat. (Lesen Sie auch: Zugbegleiter Sicherheit: Bahn Berät nach Tödlichem Angriff)
Der Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) betonte die Notwendigkeit, die Sicherheit der Bahn-Mitarbeiter zu gewährleisten. Er sicherte die Unterstützung des Bundes bei der Umsetzung der Maßnahmen zu. Vertreter der Grünen forderten gleichzeitig eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs und eine bessere Personalausstattung, um die Arbeitsbedingungen der Bahn-Beschäftigten zu verbessern. Die AfD forderte härtere Strafen für Angriffe auf Bahn-Mitarbeiter und eine konsequentere Durchsetzung des Hausrechts.
Wie geht es jetzt weiter?
Die Deutsche Bahn wird nun die konkrete Umsetzung der Bodycam-Strategie planen. Dazu gehört die Auswahl der geeigneten Geräte, die Schulung der Mitarbeiter und die Erarbeitung von Richtlinien für den Einsatz der Kameras. Es ist zu erwarten, dass die Einführung der Bodycams schrittweise erfolgt. Parallel dazu werden Gespräche mit den Gewerkschaften und den Aufgabenträgern des ÖPNV geführt, um weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit zu erarbeiten. Auch der Datenschutz wird bei der Umsetzung eine wichtige Rolle spielen. Es bleibt abzuwarten, ob die Maßnahmen tatsächlich zu einer Reduzierung der Übergriffe auf Bahn-Mitarbeiter führen werden.
Der Hessische Datenschutzbeauftragte hat sich bereits kritisch zu dem Thema geäußert und fordert klare Regeln für den Einsatz von Bodycams.
Häufig gestellte Fragen
Warum führt die Bahn Bodycams ein?
Die Bahn führt Bodycams ein, um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter zu erhöhen und Übergriffe zu verhindern. Hintergrund ist eine Zunahme von gewalttätigen Auseinandersetzungen, die das Unternehmen zu dieser Maßnahme veranlasst hat.
Werden alle Bahnmitarbeiter eine Bodycam erhalten?
Nein, zunächst sollen alle Bahnbeschäftigten mit Kundenkontakt im Fernverkehr sowie an den Bahnhöfen auf freiwilliger Basis mit Bodycams ausgestattet werden. Eine Ausweitung auf andere Bereiche ist aber nicht ausgeschlossen.
Was passiert mit den Aufnahmen der Bodycams?
Die Aufnahmen der Bodycams sollen nur im Falle von Übergriffen oder anderen sicherheitsrelevanten Vorfällen ausgewertet werden. Die Speicherung der Daten erfolgt unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen.
Welche Rolle spielt die Gewerkschaft EVG bei der Einführung der Bodycams?
Die EVG fordert flächendeckenden Einsatz von Bodycams auch mit Tonaufnahme und Doppelbesetzungen in Regionalzügen. Die Gewerkschaft unterstützt grundsätzlich die Einführung von Bodycams, pocht aber auf klare Regeln und den Schutz der Mitarbeiter. (Lesen Sie auch: Getöteter Bahnmitarbeiter: Nach Angriff in Bahn: Tatverdächtiger…)
Welche Alternativen zu Bodycams gibt es, um die Sicherheit im Bahnverkehr zu erhöhen?
Neben Bodycams gibt es weitere Maßnahmen, wie z.B. verbesserte Schulungen der Mitarbeiter, mehr Sicherheitspersonal in den Zügen und Bahnhöfen, sowie eine bessere Videoüberwachung. Auch bauliche Maßnahmen können die Sicherheit erhöhen.
Die Einführung von Bodycams bei der Bahn ist ein vielschichtiges Thema, das sowohl Chancen als auch Risiken birgt. Es wird entscheidend sein, wie die Bahn die Maßnahme konkret umsetzt und dabei die Interessen der Mitarbeiter, der Fahrgäste und des Datenschutzes berücksichtigt.







