Untersuchungskomission: Kaputte Schiene als mögliche Ursache für Zugunglück in Spanien

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Zugunglück Spanien: Die offizielle Untersuchungskommission CIAF hat am 23. Januar 2026 einen vorläufigen Bericht veröffentlicht. Demnach war ein Schienenbruch bei Kilometer 318,7 die wahrscheinliche Ursache für die Entgleisung des Iryo-Zuges bei Adamuz. 45 Menschen starben, darunter eine Deutsche.

Das Wichtigste in Kürze

  • CIAF-Bericht: Schienenbruch bei km 318,7 als wahrscheinliche Unfallursache identifiziert
  • Beweislage: Kerben an Rädern des Iryo-Zuges und verformte Schienen deuten auf vorherigen Bruch hin
  • Opferzahl: 45 Tote (darunter eine Deutsche), über 120 Verletzte
  • Vorgeschichte: Mehrere Störungen im Streckenabschnitt seit Juni 2025 dokumentiert
  • Streckenöffnung: Voraussichtlich am 2. Februar 2026

Am 23. Januar 2026 hat die spanische Untersuchungskommission für Eisenbahnunfälle (CIAF) ihren vorläufigen Bericht zum verheerenden Zugunglück bei Adamuz veröffentlicht. Das Ergebnis: Ein Schienenbruch im Bereich einer Weiche war mit hoher Wahrscheinlichkeit der Auslöser für das schwerste Bahnunglück in Spanien seit 2013. Bei der Kollision zweier Hochgeschwindigkeitszüge am Sonntagabend, 18. Januar, kamen 45 Menschen ums Leben.

Die Ermittler fanden eindeutige Hinweise darauf, dass die Schiene bereits gebrochen war, bevor der Iryo-Zug die Stelle passierte. Sabotage wurde ausgeschlossen – der Fokus liegt nun auf möglichen Materialfehlern oder mangelhafter Wartung.

Was sagt der CIAF-Bericht zur Unfallursache?

Die staatliche Untersuchungskommission für Eisenbahnunfälle (Comisión de Investigación de Accidentes Ferroviarios) legte nach fünf Tagen intensiver Spurensicherung erste Erkenntnisse vor. Der Bericht konzentriert sich auf einen Bruch im rechten Gleis bei Kilometer 318,7 der Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid-Andalusien.

Entscheidende Beweispunkte sind:

FundBedeutung
Kerben an Radlaufflächen des Iryo-ZugesDeuten auf Überfahren einer gebrochenen Schiene hin
Ähnliche Kerben bei anderen ZügenSchaden bestand bereits vor dem Unfall
Verformung der SchienenBestätigt vorherigen Bruch vor Entgleisung
Mehr als 30 cm langer RissMöglicherweise fehlerhafte Schweißnaht
Zerstörte Schwellen und LückenVon der Guardia Civil dokumentiert

Die CIAF betonte, dass noch weitere Laboranalysen der Schienen und Untersuchungen der Laufräder in Werkstätten erforderlich seien. Der endgültige Abschlussbericht wird erst in mehreren Monaten, möglicherweise 2027, erwartet.

Gab es Warnzeichen vor dem Zugunglück in Adamuz?

Brisant ist die Vorgeschichte des Streckenabschnitts. Trotz einer umfassenden Renovierung für 700 Millionen Euro, die im Mai 2025 abgeschlossen wurde, gab es mehrere dokumentierte Probleme:

  • Juni 2025: Hohe Temperaturen und Vibrationen führten zu Zugverspätungen – das Signalsystem blockierte automatisch einen Stromkreis
  • September/Oktober 2025: Mindestens zwei weitere Infrastrukturprobleme im Bereich der Station Adamuz
  • 23. Dezember 2025: Die Infrastrukturbehörde Adif meldete eine Weichenstörung zwischen Adamuz und Córdoba

Lokführer und Ingenieure berichteten laut Medienberichten von „Vibrationen und seltsamen Geräuschen“ in genau diesem Streckenbereich. Die Arbeiten an den Weichen in Adamuz waren erst im Oktober 2023 abgeschlossen worden.

Wie kam es zur Kollision der beiden Züge?

Der Unfallhergang am 18. Januar 2026 gegen 19:45 Uhr:

Der Iryo-Hochgeschwindigkeitszug 6189 (ein Frecciarossa 1000 von Trenitalia) fuhr mit rund 200 km/h von Málaga nach Madrid. Am Eingang zum Bahnhof Adamuz bei Kilometer 318,693 entgleisten die letzten drei Wagen (Wagen 6, 7 und 8) und gerieten auf das Gegengleis.

Genau in diesem Moment näherte sich der Renfe-Alvia-Zug 2384 mit ebenfalls etwa 200 km/h aus der Gegenrichtung (Madrid–Huelva). Die Kollision war unvermeidlich – die beiden vorderen Wagen des Alvia wurden aus den Gleisen geschleudert und stürzten eine vier Meter hohe Böschung hinab.

„Das ist ein extrem seltsamer Unfall. Gerade Strecke, ein ziemlich neuer Zug, ein erst jüngst mit einer Investition von 700 Millionen Euro renovierter Streckenteil.“
— Óscar Puente, spanischer Verkehrsminister

Wie viele Opfer forderte das Zugunglück von Adamuz?

Die Opferbilanz ist erschütternd und gehört zu den schlimmsten Bahnkatastrophen in der Geschichte Spaniens:

  • 45 Tote – darunter eine Deutsche, der Lokführer des Alvia-Zuges und mehrere Minderjährige
  • Über 120 Verletzte – davon wurden 39 in Krankenhäusern behandelt, neun auf Intensivstationen
  • Rund 500 Passagiere waren in beiden Zügen unterwegs

Die Identifizierung der Opfer gestaltete sich schwierig. Die Guardia Civil setzte DNA-Analysen und Fingerabdrücke ein. Am 22. Januar bestätigte das Auswärtige Amt, dass eine Deutsche unter den Todesopfern ist – das Konsulat in Málaga betreut die Angehörigen.

Warum konnte das Sicherheitssystem den Unfall nicht verhindern?

Das spanische Hochgeschwindigkeitsnetz gilt als eines der sichersten der Welt. Warum versagten die Sicherheitssysteme?

Laut CIAF-Bericht war die Zeitspanne zwischen der Entgleisung des Iryo-Zuges und der Kollision mit dem entgegenkommenden Alvia so kurz, dass kein Sicherheitssystem rechtzeitig reagieren konnte. Beide Züge fuhren mit rund 200 km/h – bei dieser Geschwindigkeit legt ein Zug in einer Sekunde etwa 55 Meter zurück.

Der Lokführer des Iryo-Zuges bemerkte die Entgleisung zunächst nicht, wie ein veröffentlichter Funkspruch mit der Leitstelle enthüllte. Der Renfe-Präsident Álvaro Fernández Heredia schloss menschliches Versagen und überhöhte Geschwindigkeit aus – beide Züge fuhren unterhalb der zulässigen Höchstgeschwindigkeit.

Wurde die Strecke nach der Renovierung ordnungsgemäß gewartet?

Diese Frage könnte zum politischen Skandal werden. Die Strecke Madrid–Sevilla wurde bis Mai 2025 für 700 Millionen Euro modernisiert. Der betroffene Abschnitt befand sich laut Verkehrsminister Puente angeblich „in einwandfreiem Zustand“.

Doch spanische Medien berichten von möglichem Pfusch:

  • Gerüchte über minderwertige Materialien bei der Renovierung
  • Mögliche Korruption bei der Auftragsvergabe
  • Kritik an der Infrastrukturbehörde Adif wegen Vetternwirtschaft

Die konservative Opposition verortet die Probleme bei der linken Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez. Der Abschlussbericht der CIAF wird erst in Monaten erwartet – bis dahin könnte sich die Minderheitsregierung bereits aus dem Amt verabschiedet haben.

Wann wird die Strecke wieder freigegeben?

Verkehrsminister Óscar Puente kündigte an, dass die Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid-Andalusien voraussichtlich am 2. Februar 2026 wieder für den Verkehr freigegeben werden kann. Bis dahin wurden mehr als 200 Zugverbindungen täglich gestrichen.

Einige Mittel- und Langstreckenzüge können über alternative Routen fahren. Die Bahnhöfe in Sevilla, Córdoba und Málaga bleiben geöffnet, um Angehörige zu betreuen.

Das Zugunglück von Adamuz ist das schwerste in Spanien seit dem Unfall von Santiago de Compostela 2013, bei dem 80 Menschen starben. Die CIAF hat ein Jahr Zeit für den Abschlussbericht – doch die politischen Konsequenzen könnten schneller kommen.

Häufig gestellte Fragen

Was war die Ursache für das Zugunglück in Spanien?

Laut vorläufigem CIAF-Bericht vom 23. Januar 2026 war ein Schienenbruch bei Kilometer 318,7 die wahrscheinliche Ursache. Kerben an den Rädern des Iryo-Zuges und verformte Schienen deuten darauf hin, dass die Schiene bereits gebrochen war, bevor der Zug darüberfuhr.

Wie viele Menschen starben beim Zugunglück von Adamuz?

45 Menschen kamen ums Leben, darunter eine Deutsche und der Lokführer des Alvia-Zuges. Über 120 Menschen wurden verletzt, neun befanden sich auf Intensivstationen. Insgesamt waren rund 500 Passagiere in beiden Zügen.

War die Strecke Madrid-Andalusien nicht erst renoviert worden?

Ja, die Strecke wurde bis Mai 2025 für 700 Millionen Euro modernisiert. Dennoch gab es seit Juni 2025 mehrere dokumentierte Störungen im Streckenabschnitt bei Adamuz, darunter Weichenstörungen und Probleme mit der Signalanlage.

Was ist die CIAF und wann kommt der Abschlussbericht?

Die CIAF (Comisión de Investigación de Accidentes Ferroviarios) ist die spanische Untersuchungskommission für Eisenbahnunfälle. Sie hat ein Jahr Zeit für den Abschlussbericht, der möglicherweise erst 2027 veröffentlicht wird. Der aktuelle Bericht ist eine vorläufige Einschätzung.

Wann wird die Strecke Madrid-Andalusien wieder freigegeben?

Verkehrsminister Óscar Puente kündigte an, dass die Strecke voraussichtlich am 2. Februar 2026 wieder für den Verkehr freigegeben wird. Bis dahin fallen täglich über 200 Zugverbindungen aus.

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✍️ Redaktion news-7.de

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📅 Veröffentlicht am 23. Januar 2026

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