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Bodo Janssen wurde 1998 entführt, gefoltert und sollte in einer Badewanne zerstückelt werden. Heute, mit 51 Jahren, ist er einer der bekanntesten Unternehmer Deutschlands – und zieht sich gerade aus dem Tagesgeschäft zurück, um sich ganz dem Thema „Mensch“ zu widmen.
Das Wichtigste in Kürze
- 1998: Bodo Janssen wird mit 24 Jahren entführt und erlebt acht Scheinhinrichtungen.
- 2007: Sein Vater stirbt bei einem Flugzeugabsturz – er übernimmt die Hotelkette Upstalsboom.
- 2010: Vernichtende Mitarbeiterbefragung: „Wir brauchen einen anderen Chef.“
- 2025: Janssen erweitert die Geschäftsführung und zieht sich aus dem Tagesgeschäft zurück.
- Heute: Bestseller-Autor, Keynote-Speaker und Vorbild für werteorientierte Führung.
Es gibt Lebensgeschichten, die so unglaublich klingen, dass man sie für erfunden halten könnte. Die von Bodo Janssen gehört dazu. Am 23. Januar 2026 ist der Hotelier 51 Jahre alt – und hat mehr erlebt als die meisten Menschen in drei Leben.
Die Geschichte, die alles veränderte, beginnt am 6. Juni 1998 in Hamburg.
„Gleich hast du es geschafft“
Bodo Janssen ist 24, studiert BWL und Sinologie, lebt das Leben eines Millionärssohns: Partys, VIP-Events, Champagner. Sein Vater Werner Hermann Janssen besitzt die Hotelkette Upstalsboom und ein Bauunternehmen. Geld ist kein Thema.
Dann lockt ihn ein vermeintlicher Freund, der Mitstudent Volker S., in eine Falle. Zwölf Verbrecher haben die Entführung monatelang geplant. Sie wollen zehn Millionen D-Mark Lösegeld vom Vater erpressen.
Acht Tage lang wird Bodo Janssen in einer Wohnung in den Hamburger Grindelhochhäusern gefangen gehalten. Was dort passiert, ist schwer zu ertragen:
- Acht Scheinhinrichtungen – mit durchgeladener Pistole am Hinterkopf
- Er muss sich aussuchen, welches Körperteil seinen Eltern per Post geschickt werden soll
- Systematische Folter und Erniedrigung
Bodo Janssen über den schlimmsten Moment
„Am achten Tag warf mir einer der Entführer Schlaftabletten hin und schilderte mir im Detail, wie sie mich nach Eintritt der Bewusstlosigkeit in der Badewanne ausbluten lassen und zerteilen würden. In dem Moment habe ich mich bewusst von meinem Leben verabschiedet.“
Kurz zuvor waren drei Millionen D-Mark Lösegeld gezahlt worden. Die Entführer nahmen ihre Masken ab – ein Zeichen, dass Janssen nicht überleben sollte. Doch dann stürmte das Mobile Einsatzkommando der Hamburger Polizei die Wohnung.
Vom Partylöwen zum Klosterschüler
Man könnte meinen, dass so ein Erlebnis einen Menschen grundlegend verändert. Bei Bodo Janssen war das Gegenteil der Fall – zumindest zunächst. Er brach sein Studium ab, wurde zum Dauergast auf VIP-Partys, arbeitete als Barkeeper und Model.
Erst 2005 stieg er ins elterliche Unternehmen ein. Zwei Jahre später der nächste Schicksalsschlag: Sein Vater stirbt bei einem Flugzeugabsturz. Mit 33 Jahren ist Bodo Janssen plötzlich Chef von Upstalsboom – rund 65 Hotels und Ferienwohnanlagen an Nord- und Ostsee.
Die Zahlen stimmten. Die Stimmung nicht. 2010 ließ Janssen eine Mitarbeiterbefragung durchführen. Das Ergebnis war vernichtend:
„Was brauchen Sie, um besser arbeiten zu können?“ – Antwort eines Mitarbeiters: „Einen anderen Chef als Bodo Janssen.“
Statt das Ergebnis zu beschönigen, tat Janssen etwas Ungewöhnliches: Er ging ins Kloster. Eineinhalb Jahre lang besuchte er regelmäßig den Benediktinermönch Pater Anselm Grün, um über Führung nachzudenken – und über sein Trauma.
„Aus einer Wunde eine Perle machen“
Im Kloster arbeitete Janssen jeden Moment seiner Entführung auf. Sein Mentor Anselm Grün sagte ihm einen Satz, der alles veränderte: „Es geht darum, wie bei einer Auster aus einer Wunde eine Perle zu machen.“
Was Janssen im Angesicht des Todes gelernt hatte: Nicht die Karriere, nicht das Geld, nicht der Status zählen am Ende. Sondern die Menschen, die Beziehungen, der Moment.
Zurück bei Upstalsboom, revolutionierte er die Unternehmenskultur. Der sogenannte „Upstalsboom Weg“ wurde zum Vorbild für werteorientierte Führung in ganz Deutschland:
- Persönlichkeitstrainings für alle Mitarbeiter
- Freiwillige Klosteraufenthalte für Führungskräfte
- Zwei bezahlte Tage pro Jahr für soziales Engagement
- Fokus auf das „Glück“ der Mitarbeiter statt nur auf Umsatz
Das Ergebnis: Die Mitarbeiterzufriedenheit stieg um 80 Prozent. Die Fluktuation sank drastisch. Der Umsatz verdoppelte sich zwischen 2009 und 2013.
Bodo Janssen heute: Rückzug aus dem Tagesgeschäft
Im November 2025 erweiterte Upstalsboom die Geschäftsführung. Maria Kuhl und Romina Gaupels führen das Unternehmen nun gemeinsam mit Janssen. Der 51-Jährige zieht sich mittelfristig aus dem operativen Tagesgeschäft zurück.
Sein Fokus für die Zukunft: „Mensch und Kultur“. Janssen arbeitet daran, Upstalsboom in eine gemeinnützige Stiftung umzuwandeln, deren Erträge in Ausbildung, Gesundheit und würdevolles Älterwerden fließen sollen.
Nebenbei ist er Bestseller-Autor (unter anderem „Das neue Führen“ und „Stark in stürmischen Zeiten“ mit Anselm Grün), gefragter Keynote-Speaker und betreibt einen eigenen Podcast.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1974 | Geburt in Ostfriesland |
| 1998 | Entführung und Befreiung nach 8 Tagen |
| 2005 | Einstieg bei Upstalsboom |
| 2007 | Tod des Vaters, Übernahme der Geschäftsführung |
| 2010 | Vernichtende Mitarbeiterbefragung |
| 2010–2012 | Regelmäßige Klosteraufenthalte bei Pater Anselm Grün |
| 2016 | Vergebung an einen der Entführer |
| 2025 | Erweiterung der Geschäftsführung, Rückzug aus dem Tagesgeschäft |
Die Vergebung
Eine der bemerkenswertesten Wendungen in Janssens Leben ereignete sich 2016 – 18 Jahre nach der Entführung. Einer seiner damaligen Peiniger kontaktierte ihn über ein soziales Netzwerk und bat um Vergebung.
Janssens Reaktion überraschte viele. Er schrieb zurück: „Ich hatte ihm schon lange vergeben. Ich wünsche ihm und seiner jungen Familie alles Gute. Es war für mich tatsächlich ein Bedürfnis, diesem Menschen seine Last zu nehmen.“
Heute sagt er über die Entführung: „Dadurch, dass mir diese Menschen mein Leben nehmen wollten, haben sie mir mein neues Leben geschenkt. Denn erst durch die Entführung habe ich erfahren, was mich wirklich glücklich macht.“
Was wir von Bodo Janssen lernen können
Die Geschichte von Bodo Janssen ist keine Geschichte über Opferdasein. Sie ist eine Geschichte über Transformation. Darüber, wie die schlimmsten Erfahrungen zu den wichtigsten werden können – wenn man bereit ist, sie zu verarbeiten.
Seine Kernbotschaften, die er heute in Vorträgen und Büchern teilt:
- Führung beginnt bei sich selbst. Wer andere führen will, muss erst sich selbst kennen.
- Menschen sind keine Ressourcen. Sie sind der Sinn eines Unternehmens.
- Wer loslässt, hat zwei Hände frei. Vertrauen schlägt Kontrolle.
- Das Glück liegt im Moment. Nicht in der Zukunft, nicht im Erfolg.
Bodo Janssen hat seinen Fernseher abgeschafft. Statt Dienstwagen fährt er Bahn. Er verbringt bis zu 50 Tage pro Jahr mit Mitarbeiter-Workshops. Und er trägt immer einen Kartoffelschäler in der Tasche – um in seinen Hotels mit in der Küche zu stehen und mit den Mitarbeitern zu reden.
Der Mann, der einmal in einer Badewanne zerstückelt werden sollte, ist heute einer der menschlichsten Chefs Deutschlands.
Häufig gestellte Fragen zu Bodo Janssen
Wann wurde Bodo Janssen entführt?
Bodo Janssen wurde am 6. Juni 1998 in Hamburg entführt und nach acht Tagen vom Mobilen Einsatzkommando der Polizei befreit. Er war damals 24 Jahre alt und studierte BWL und Sinologie.
Was ist Upstalsboom?
Upstalsboom ist eine Hotelkette mit Sitz in Emden, die elf Hotels und über 850 Ferienwohnungen an 18 Standorten an der deutschen Nord- und Ostseeküste betreibt. Das Unternehmen wurde 1976 gegründet und beschäftigt rund 700 Mitarbeiter.
Was ist der „Upstalsboom Weg“?
Der Upstalsboom Weg ist ein Kulturwandel-Programm, das Bodo Janssen nach seinen Klosteraufenthalten entwickelte. Es stellt den Menschen in den Mittelpunkt und umfasst Persönlichkeitstrainings, Werteorientierung und eine neue Art der Führung.
Welche Bücher hat Bodo Janssen geschrieben?
Zu seinen bekanntesten Büchern gehören „Das neue Führen“, „Stark in stürmischen Zeiten“ (mit Anselm Grün) und „Die stille Revolution“. Seine Werke behandeln werteorientierte Führung und persönliche Entwicklung.
Was macht Bodo Janssen heute?
Seit November 2025 teilt sich Janssen die Geschäftsführung mit Maria Kuhl und Romina Gaupels. Er zieht sich aus dem operativen Tagesgeschäft zurück und fokussiert sich auf die Themen Mensch, Kultur und die Umwandlung von Upstalsboom in eine Stiftung.

