Jobchancen für Arbeitslose: Branchen, Förderungen & Tipps

📖 Lesezeit: 9 Minuten | Stand: 26. Dezember 2025

Welche Jobchancen haben Arbeitslose 2025/2026?

Jobchancen für Arbeitslose sind trotz konjunktureller Schwäche besser als viele denken: In über 70 Berufen herrscht akuter Fachkräftemangel, und mehr als 530.000 qualifizierte Stellen können nicht besetzt werden. Wer sich gezielt weiterbildet und die richtigen Branchen ansteuert, hat beste Aussichten auf einen Neustart.

Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich Ende 2025 zweigeteilt: Während die Arbeitslosenquote mit 6,1 Prozent auf dem höchsten Stand seit 2020 liegt, suchen Unternehmen in vielen Branchen händeringend nach Personal. Besonders in den Bereichen IT, Gesundheit, Handwerk und Pflege übersteigt die Nachfrage das Angebot bei weitem. Das bedeutet: Die Situation ist schwierig, aber keineswegs hoffnungslos – vorausgesetzt, man weiß, wo die Chancen liegen.

Arbeitsmarkt 2025/2026: Die aktuelle Lage

Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit vom November 2025 zeigen ein gemischtes Bild. Einerseits gibt es knapp 2,9 Millionen Arbeitslose, andererseits steigt die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung weiter an.

KennzahlNovember 2025Prognose 2026
Arbeitslosenquote6,1 %ca. 5,8 % (DIW)
Arbeitslose (absolut)2,885 Millionenca. 2,55 Millionen
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte35,23 Millionenüber 35 Millionen
Unbesetzte Fachkräftestellen530.000+weiter steigend
Kurzarbeiterca. 209.000leicht sinkend

Was das für Arbeitslose bedeutet: Die Jobchancen haben sich nach der Pandemie nicht vollständig erholt. Dennoch gibt es in bestimmten Branchen und Berufen exzellente Perspektiven – wer sich dort positioniert, profitiert von der hohen Nachfrage.

Die 10 Branchen mit den besten Jobchancen

Der Fachkräftemangel konzentriert sich auf bestimmte Bereiche. Hier sind Arbeitslose besonders gefragt:

BrancheGefragte BerufeEinstiegschancen
🏥 Gesundheit & PflegePflegekräfte, Medizinische FachangestellteSehr hoch
💻 IT & DigitalisierungSoftwareentwickler, IT-Sicherheit, Data ScienceSehr hoch
🔧 HandwerkElektriker, SHK, Tischler, MechatronikerSehr hoch
👶 Bildung & ErziehungErzieher, Lehrer, SozialpädagogenSehr hoch
🏗️ Bau & TechnikBauingenieure, Architekten, BauleiterHoch
🌱 Nachhaltigkeit & EnergieEnergiemanager, UmwelttechnikerHoch
📦 Logistik & LagerLageristen, Staplerfahrer, DisponentenHoch (auch ungelernt)
🍽️ Gastronomie & HotelKöche, Servicekräfte, HotelfachleuteHoch
🛒 Vertrieb & VerkaufVerkäufer, VertriebsmitarbeiterMittel bis hoch
⚙️ Produktion & IndustrieProduktionshelfer, MaschinenbedienerMittel (auch ungelernt)

💡 Gut zu wissen: Laut einer Studie sind 44 Prozent der Betriebe in Deutschland bereit, einen Langzeitarbeitslosen einzustellen. Der Fachkräftemangel lässt immer mehr Unternehmen unkonventionelle Wege gehen.

Mangelberufe: Hier werden Sie dringend gesucht

Die Bundesagentur für Arbeit führt eine Liste der sogenannten Engpassberufe. In diesen Bereichen ist der Fachkräftemangel besonders akut – und die Jobchancen entsprechend gut:

Top 10 Mangelberufe 2025/2026:

  • Altenpflege: Größter Mangel, beste Jobaussichten
  • Krankenpflege: Hoher Bedarf in Kliniken und Pflegeheimen
  • Erziehung: Bis 2026 fehlen bundesweit 23.000 Erzieher
  • Softwareentwicklung: IT-Fachkräfte extrem gefragt
  • Elektrotechnik: Handwerker mit Zukunft
  • Sanitär-Heizung-Klima (SHK): Akuter Nachwuchsmangel
  • Bauingenieurwesen: Infrastrukturprojekte brauchen Fachleute
  • Physiotherapie: Wachsender Bedarf durch Alterung
  • Berufskraftfahrer: Logistikbranche sucht dringend
  • Lehrkräfte (MINT): Besonders in Mathe, Informatik, Naturwissenschaften

Warum der Fachkräftemangel anhält: Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer gehen in Rente, gleichzeitig rücken weniger junge Menschen nach. Bis 2035 könnten allein im Bildungsbereich rund 68.000 Lehrkräfte fehlen.

Förderungen und Weiterbildung: Das zahlt das Jobcenter

Die gute Nachricht: Arbeitslose können sich kostenlos weiterbilden lassen. Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter übernehmen unter bestimmten Voraussetzungen die kompletten Kosten. Seit Januar 2025 erfolgt die Förderung einheitlich über die Agentur für Arbeit.

FörderungWas wird gefördert?Für wen?
Bildungsgutschein100 % der WeiterbildungskostenArbeitslose, von Arbeitslosigkeit Bedrohte
Weiterbildungsgeld150 € monatlich zusätzlichBei abschlussorientierter Weiterbildung
Weiterbildungsprämie1.000 € (Zwischenprüfung), 1.500 € (Abschluss)Bei erfolgreichem Berufsabschluss
Bürgergeld-Bonus75 € monatlichBürgergeld-Empfänger in Weiterbildung (ab 8 Wochen)
AVGS (Aktivierungsgutschein)Coaching, BewerbungstrainingAlle Arbeitssuchenden
Fahrt- und KinderbetreuungskostenÜbernahme der NebenkostenBei geförderten Maßnahmen

So bekommen Sie einen Bildungsgutschein:

  1. Termin bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter vereinbaren
  2. Im Beratungsgespräch Weiterbildungswunsch besprechen
  3. Voraussetzungen prüfen lassen
  4. Bildungsgutschein erhalten (zeitlich befristet)
  5. Zertifizierten Bildungsträger (AZAV) auswählen
  6. Weiterbildung beginnen – Kosten werden komplett übernommen

📌 Tipp: Besonders gute Chancen auf einen Bildungsgutschein haben Weiterbildungen im Bereich Digitalisierung, IT und Daten – diese Qualifikationen werden branchenübergreifend gebraucht.

10 praktische Tipps für die erfolgreiche Jobsuche

Der Weg zurück in die Beschäftigung erfordert Strategie und Ausdauer. Diese Tipps verbessern Ihre Chancen:

1. Mehrere Kanäle nutzen
Suchen Sie nicht nur auf einem Jobportal. Nutzen Sie die Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit, LinkedIn, XING, Indeed, StepStone und branchenspezifische Portale parallel.

2. Mit dem Jobcenter zusammenarbeiten
Ihr Sachbearbeiter kann Ihnen Stellen vermitteln, Weiterbildungen vorschlagen und Förderungen freischalten. Suchen Sie aktiv den Kontakt.

3. Initiativbewerbungen schreiben
Viele Stellen werden nie ausgeschrieben. Kontaktieren Sie Unternehmen direkt, die Sie interessieren.

4. Netzwerk aktivieren
Sprechen Sie mit ehemaligen Kollegen, Freunden und Bekannten über Ihre Jobsuche. Persönliche Empfehlungen öffnen Türen.

5. Lebenslauf aktualisieren
Verwenden Sie „arbeitssuchend“ statt „arbeitslos“. Füllen Sie Lücken mit Weiterbildungen, Ehrenamt oder Praktika.

6. Digitale Präsenz pflegen
Ein aktuelles LinkedIn- oder XING-Profil macht Sie für Recruiter sichtbar. Viele Unternehmen suchen dort aktiv nach Kandidaten.

7. Weiterbildungen nutzen
Qualifizieren Sie sich gezielt für gefragte Berufe. Das verbessert nicht nur Ihre Chancen, sondern auch Ihr Selbstbewusstsein.

8. Flexibel bleiben
Erweitern Sie Ihren Suchradius – geografisch und fachlich. Manchmal führt ein Umweg zum Ziel.

9. Positiv bleiben
Rückschläge gehören dazu. Stellen Sie im Vorstellungsgespräch dar, wie Sie die Zeit der Arbeitslosigkeit sinnvoll genutzt haben.

10. Sofort starten können
Ein Vorteil Ihrer Situation: Sie können sofort anfangen. Formulieren Sie das positiv: „Da ich derzeit nicht vertragsgebunden bin, könnte ich umgehend bei Ihnen beginnen.“

Jobs ohne Ausbildung: Diese Chancen gibt es

Auch ohne Berufsabschluss gibt es Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt. In diesen Bereichen werden Helfer und Quereinsteiger gesucht:

BereichTypische TätigkeitenVoraussetzungen
Lager & LogistikKommissionieren, Verpacken, WareneingangStaplerschein von Vorteil
ProduktionMaschinenbedienung, Montage, QualitätskontrolleTechnisches Verständnis
Reinigung & FacilityGebäudereinigung, HausmeistertätigkeitenZuverlässigkeit
GastronomieKüchenhilfe, Spüler, ServiceTeamfähigkeit
LieferdienstePaketzustellung, KurierfahrtenFührerschein

Wichtig: Ein fehlender Berufsabschluss muss kein Dauerzustand sein. Über das Jobcenter können Sie auch als Erwachsener eine Ausbildung oder Umschulung nachholen – komplett gefördert.

Zukunftsberufe: Diese Jobs haben langfristig Bestand

Wer sich neu orientiert, sollte auf zukunftssichere Branchen setzen. Diese Berufe werden auch in 10 Jahren noch gefragt sein:

Menschliche Kernkompetenzen bleiben unersetzlich:

  • Pflege und Betreuung: Empathie und menschliche Nähe sind nicht automatisierbar
  • Handwerk: Lokale Dienstleistungen (Elektrik, SHK, Bau) bleiben gefragt
  • Bildung und Erziehung: Kinder brauchen menschliche Bezugspersonen
  • Gesundheitsberufe: Der demografische Wandel erhöht den Bedarf kontinuierlich

Technologie schafft neue Jobs:

  • KI-Trainer und Prompt Engineers: Neue Berufe durch künstliche Intelligenz
  • IT-Sicherheitsexperten: Cybersecurity wird immer wichtiger
  • Energiemanager: Energiewende braucht Fachleute
  • E-Mobilitätstechniker: Elektrofahrzeuge erfordern neue Qualifikationen
  • Datenanalysten: Unternehmen brauchen datengestützte Entscheidungen

Mehr zu den Änderungen im neuen Jahr findest du in unserem Artikel Was ändert sich 2026?

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

In welchen Branchen haben Arbeitslose die besten Jobchancen?
Die besten Jobchancen für Arbeitslose gibt es in Branchen mit Fachkräftemangel: Pflege und Gesundheit, IT und Digitalisierung, Handwerk (besonders Elektro und SHK), Erziehung und Bildung sowie Logistik. In diesen Bereichen übersteigt die Nachfrage das Angebot deutlich, sodass auch Quereinsteiger und Umschüler gute Chancen haben.
Welche Förderungen gibt es für Arbeitslose bei Weiterbildungen?
Das Jobcenter und die Agentur für Arbeit übernehmen mit dem Bildungsgutschein 100 % der Weiterbildungskosten. Zusätzlich gibt es: Weiterbildungsgeld (150 € monatlich), Weiterbildungsprämien (bis 2.500 € bei Abschluss), Bürgergeld-Bonus (75 € monatlich) sowie Übernahme von Fahrt- und Kinderbetreuungskosten. Seit 2025 ist die Agentur für Arbeit einheitlich für alle Förderungen zuständig.
Wie bekomme ich einen Bildungsgutschein?
Vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrer Agentur für Arbeit oder Ihrem Jobcenter. Im Beratungsgespräch werden Ihre Voraussetzungen geprüft. Die Weiterbildung muss notwendig sein, um Ihre Arbeitslosigkeit zu beenden oder zu vermeiden. Wichtig: Der Bildungsträger und die Maßnahme müssen AZAV-zertifiziert sein. Einen Rechtsanspruch gibt es nicht, die Entscheidung liegt beim Sachbearbeiter.
Kann ich auch ohne Ausbildung einen Job finden?
Ja, in vielen Bereichen werden auch ungelernte Kräfte gesucht: Lager und Logistik, Produktion, Reinigung, Gastronomie und Lieferdienste. Allerdings sind die Aufstiegsmöglichkeiten und das Gehalt begrenzt. Besser ist es, über das Jobcenter eine geförderte Ausbildung oder Umschulung nachzuholen – auch als Erwachsener ist das möglich und wird komplett finanziert.
Wie gehe ich mit Arbeitslosigkeit in der Bewerbung um?
Gehen Sie offen damit um, aber stellen Sie es nicht in den Vordergrund. Verwenden Sie „arbeitssuchend“ oder „berufliche Neuorientierung“ statt „arbeitslos“. Zeigen Sie, wie Sie die Zeit sinnvoll genutzt haben (Weiterbildungen, Ehrenamt, Praktika). Im Anschreiben fokussieren Sie sich auf Ihre Qualifikationen. Im Vorstellungsgespräch bleiben Sie positiv und selbstbewusst.
Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt 2026?
Die Prognosen sind vorsichtig optimistisch: Das DIW erwartet einen Rückgang der Arbeitslosenzahl auf etwa 2,55 Millionen. Der Fachkräftemangel bleibt bestehen, was die Jobchancen in vielen Branchen gut hält. Die Bundesbank rechnet ab 2026 mit einer langsamen wirtschaftlichen Erholung. Für qualifizierte Fachkräfte bleiben die Aussichten exzellent.

Fazit: Jobchancen für Arbeitslose besser als gedacht

Die Jobchancen für Arbeitslose sind trotz der schwierigen Wirtschaftslage in vielen Bereichen gut. Der Fachkräftemangel in Pflege, IT, Handwerk und Erziehung schafft Möglichkeiten – auch für Quereinsteiger und Langzeitarbeitslose. Wer sich gezielt weiterbildet und die umfangreichen Fördermöglichkeiten nutzt, verbessert seine Perspektiven deutlich. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der aktiven Zusammenarbeit mit dem Jobcenter, einer breiten Suche auf mehreren Kanälen und der Bereitschaft, sich neu zu qualifizieren. Die Zeit der Arbeitslosigkeit kann als Chance für einen beruflichen Neustart genutzt werden.


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