Jenische Verfolgung: Ehemaliges Verdingkind fordert Aufarbeitung

Die jenische Verfolgung durch Schweizer Behörden im 20. Jahrhundert, insbesondere die Praxis der «Kinder der Landstrasse», wird zunehmend als Unrecht anerkannt. Ein Jahr nach der offiziellen Anerkennung fordert Uschi Waser eine systematische Aufarbeitung der Geschehnisse, um das Leid der Betroffenen zu würdigen und Lehren für die Zukunft zu ziehen.

Symbolbild zum Thema Jenische Verfolgung
Symbolbild: Jenische Verfolgung (Bild: Picsum)

Ein Jahr nach der Anerkennung: Forderung nach Aufarbeitung der jenischen Verfolgung

Ein Jahr nach der offiziellen Anerkennung der Verbrechen an Jenischen und Sinti in der Schweiz durch den Bund fordert Uschi Waser, eine ehemalige Verdingkind-Frau, eine umfassende und systematische Aufarbeitung der Geschehnisse. Ihrer Meinung nach ist es unerlässlich, dass die Schweiz sich ihrer Vergangenheit stellt und das erlittene Unrecht anerkennt, um eine echte Versöhnung zu ermöglichen und sicherzustellen, dass sich solche Gräueltaten nicht wiederholen.

Die wichtigsten Fakten

  • Die Schweiz anerkannte die Verbrechen an Jenischen und Sinti offiziell.
  • Uschi Waser fordert eine systematische Aufarbeitung der Verbrechen.
  • Die Praxis der „Kinder der Landstrasse“ wird als Unrecht anerkannt.
  • Viele Jenische und Sinti wurden Opfer von Zwangsmassnahmen.

Was waren die „Kinder der Landstrasse“?

Die „Kinder der Landstrasse“ waren Jenische Kinder, die ihren Familien gewaltsam entrissen und in Heimen oder Pflegefamilien untergebracht wurden. Diese Praxis, die von der Organisation Pro Juventute unterstützt wurde, zielte darauf ab, die Jenische Lebensweise zu unterdrücken und die Kinder in die Mehrheitsgesellschaft zu integrieren. Die Kinder erlitten oft Misshandlungen und Vernachlässigung. (Lesen Sie auch: Noé Roth Olympia: Silber! Er Tritt in…)

Uschi Waser: Eine Stimme der Betroffenen

Uschi Waser ist eine der vielen Jenischen, die als Kinder Opfer der Schweizer Behörden wurden. Sie wurde als Verdingkind misshandelt und ausgebeutet. Ihre Erfahrungen haben sie dazu bewogen, sich für die Rechte der Jenischen und Sinti einzusetzen und eine umfassende Aufarbeitung der Vergangenheit zu fordern. Wie SRF berichtet, sieht sie die Anerkennung der Verbrechen als einen wichtigen ersten Schritt, aber betont, dass noch viel Arbeit vor uns liegt.

📌 Hintergrund

Verdingkinder waren Kinder, die aus armen Familien stammten oder deren Eltern als „unwürdig“ galten. Sie wurden an Bauernfamilien vermittelt, wo sie oft Zwangsarbeit leisten mussten und schlecht behandelt wurden. Viele Jenische Kinder wurden auf diese Weise Opfer des Systems.

Die Rolle der Pro Juventute

Die Stiftung Pro Juventute spielte eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der Politik gegenüber den Jenischen. Unter dem Deckmantel des Kindesschutzes wurden Familien auseinandergerissen und Kinder in Heimen oder Pflegefamilien untergebracht. Die Organisation rechtfertigte ihr Handeln mit dem Ziel, die Jenische Kultur zu „zivilisieren“ und die Kinder in die Gesellschaft zu integrieren. Die Methoden, die dabei angewandt wurden, waren jedoch oft brutal und menschenverachtend. Die Pro Juventute hat sich später für ihre Rolle entschuldigt und sich der Aufarbeitung der Vergangenheit gestellt. (Lesen Sie auch: Armee übung Basel: Proteste wie 2015 Drohen?)

Der lange Weg zur Anerkennung

Der Weg zur Anerkennung der Verbrechen an Jenischen und Sinti war lang und beschwerlich. Viele Betroffene haben jahrelang für Gerechtigkeit und Wiedergutmachung gekämpft. Erst in den letzten Jahren hat sich das Bewusstsein für das erlittene Unrecht in der Öffentlichkeit verstärkt. Die offizielle Anerkennung durch den Bund im vergangenen Jahr war ein wichtiger Meilenstein, aber für viele Betroffene ist dies nur der Anfang. Die Forderung nach einer umfassenden Aufarbeitung und Entschädigung bleibt bestehen.

Forderungen nach Entschädigung und Wiedergutmachung

Neben der Aufarbeitung der Vergangenheit fordern die Betroffenen auch eine angemessene Entschädigung für das erlittene Leid. Viele Jenische und Sinti haben durch die Zwangsmassnahmen ihre Identität, ihre Kultur und ihre Familie verloren. Eine finanzielle Entschädigung kann das erlittene Unrecht nicht ungeschehen machen, aber sie kann dazu beitragen, die Lebensbedingungen der Betroffenen zu verbessern und ihnen eine gewisse Genugtuung zu verschaffen. Es geht auch darum, ein Zeichen zu setzen, dass die Gesellschaft das erlittene Leid anerkennt und bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.

Detailansicht: Jenische Verfolgung
Symbolbild: Jenische Verfolgung (Bild: Picsum)

Die systematische Verfolgung der Jenischen in der Schweiz ist ein dunkles Kapitel der Schweizer Geschichte. Es ist wichtig, dass diese Vergangenheit aufgearbeitet wird, um sicherzustellen, dass sich solche Verbrechen nicht wiederholen. Die Forderungen von Uschi Waser und anderen Betroffenen nach Aufarbeitung, Entschädigung und Wiedergutmachung sind berechtigt und verdienen die Unterstützung der gesamten Gesellschaft. Die Schweiz hat die Pflicht, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und eine echte Versöhnung mit den Jenischen und Sinti zu ermöglichen. Die Schweizer Regierung hat bereits Schritte in diese Richtung unternommen, aber es bleibt noch viel zu tun. (Lesen Sie auch: Zugentgleisung Goppenstein: Strecke ab Montag Wieder Offen)

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