Adenoviren: Nicht Grippe, nicht Erkältung – Symptome & Schutz

📖 Lesezeit: 6 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 29. Dezember 2025

Was sind Adenoviren und warum machen sie gerade Schlagzeilen?

Adenoviren – nicht Grippe, nicht Erkältung: Diese Viren sorgen derzeit für ungewöhnliche Krankheitsverläufe, die viele Menschen ratlos machen. Während in Großbritannien bereits tausende Fälle registriert wurden, beobachten auch deutsche Ärzte vermehrt Patienten mit langanhaltenden Beschwerden, die sich nicht eindeutig einordnen lassen.

Das Tückische an Adenoviren: Sie beginnen oft wie eine normale Erkältung mit Fieber, Husten und Halsschmerzen. Doch anders als bei einem grippalen Infekt klingen die Symptome nicht nach wenigen Tagen ab. Stattdessen dauert die Erkrankung meist ein bis zwei Wochen – und kann gleichzeitig mehrere Organe befallen.

Adenoviren vs. Grippe vs. Erkältung: Die Unterschiede

Warum ist es so schwer, eine Adenovirus-Infektion zu erkennen? Die Symptome überschneiden sich stark mit anderen Atemwegserkrankungen. Diese Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede:

MerkmalErkältungGrippe (Influenza)Adenoviren
BeginnLangsam, schleichendPlötzlich, heftigSchleichend mit breiter Symptomvielfalt
FieberSelten über 38,5°CHoch (über 39°C)Moderat bis hoch
Dauer3–7 Tage5–7 Tage1–2 Wochen
Betroffene OrganeNase, RachenAtemwegeAtemwege + Augen + Magen-Darm
AugenbeteiligungSeltenSeltenHäufig (Bindehautentzündung)
ImpfungNicht verfügbarJährlich verfügbarNicht für Allgemeinbevölkerung

Das Besondere: Adenoviren können gleichzeitig Atemwege, Augen und den Magen-Darm-Trakt angreifen. Diese Mehrfachbeteiligung ist typisch und unterscheidet sie von anderen Atemwegsviren.

Welche Symptome verursachen Adenoviren?

Adenoviren umfassen über 50 verschiedene Serotypen, die unterschiedliche Krankheitsbilder auslösen können:

Atemwegssymptome:
Fieber, Halsschmerzen, Husten, Schnupfen und Heiserkeit – ähnlich wie bei einer Erkältung. In schweren Fällen kann sich eine Lungenentzündung entwickeln.

Augensymptome (Keratokonjunktivitis):
Rote, schmerzende Augen, Bindehautentzündung, Lichtempfindlichkeit und Fremdkörpergefühl. Die Augengrippe ist hochansteckend und kann zwei bis vier Wochen andauern.

Magen-Darm-Symptome:
Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen – besonders häufig bei Kindern. Die Symptome können fünf bis zwölf Tage anhalten.

💡 Gut zu wissen: Das sogenannte Pharyngokonjunktivalfieber kombiniert hohes Fieber mit starker Rachenentzündung und Bindehautentzündung. Es tritt vor allem bei Kindern im Schul- und Vorschulalter auf.

Aktuelle Lage: Adenoviren-Welle in Europa

In Großbritannien sorgt derzeit eine heftige Krankheitswelle durch Adenoviren für Verunsicherung. Tausende Fälle wurden registriert, die Viren treten parallel zur saisonalen Grippe auf und erschweren dadurch die Diagnose.

Situation in Deutschland:

ErregerAnteil an Atemwegsinfekten (Dez. 2025)
Influenza A/B29%
SARS-CoV-221%
Rhinoviren20%
Adenoviren4%
Parainfluenzaviren4%

Laut Robert Koch-Institut dominieren in Deutschland aktuell Influenza-Viren. Adenoviren spielen eine untergeordnete Rolle, doch Experten schließen nicht aus, dass sich die Situation ändern kann.

Wie werden Adenoviren übertragen?

Adenoviren sind extrem widerstandsfähig und hochansteckend. Die Übertragung erfolgt auf mehreren Wegen:

Tröpfcheninfektion: Beim Husten, Niesen oder Sprechen gelangen virushaltige Tröpfchen in die Luft und werden eingeatmet.

Schmierinfektion: Kontaminierte Hände, Türgriffe, Handtücher oder Gegenstände übertragen die Viren. Besonders die Augengrippe verbreitet sich so rasant.

Über Wasser: Ungechlortes Wasser in Schwimmbädern und Whirlpools kann Adenoviren enthalten und zu Ausbrüchen führen.

⚠️ Wichtig: Adenoviren überleben auf Oberflächen bei Zimmertemperatur mehrere Wochen und bleiben dabei ansteckend. Das macht sie besonders tückisch in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas, Schulen und Pflegeheimen.

Wer ist besonders gefährdet?

Die meisten Adenovirus-Infektionen verlaufen bei gesunden Erwachsenen mild oder sogar symptomlos. Bestimmte Personengruppen tragen jedoch ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe:

Kinder: Bis zum Alter von fünf Jahren haben die meisten Kinder bereits mehrere Infektionen durchgemacht. Im Kindesalter gehen etwa ein Viertel aller Atemwegsinfekte auf Adenoviren zurück.

Immungeschwächte: Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Erkrankungen können schwere Komplikationen entwickeln.

Menschen in Gemeinschaftseinrichtungen: In Kitas, Schulen, Kasernen oder Pflegeheimen können sich Adenoviren schnell ausbreiten.

Behandlung: Was hilft gegen Adenoviren?

Eine gezielte antivirale Therapie gegen Adenoviren existiert nicht. Die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome:

MaßnahmeWirkung
BettruheUnterstützt das Immunsystem bei der Bekämpfung
Viel FlüssigkeitMindestens 1,5–2 Liter täglich, hält Schleimhäute feucht
Fiebersenkende MittelNach ärztlicher Rücksprache (Paracetamol, Ibuprofen)
Befeuchtende AugentropfenLindern Beschwerden bei Bindehautentzündung

Antibiotika sind wirkungslos, da es sich um eine Virusinfektion handelt. Sie werden nur verschrieben, wenn bakterielle Komplikationen hinzukommen.

Schutzmaßnahmen: So beugen Sie vor

Da keine Impfung für die Allgemeinbevölkerung verfügbar ist, bleibt Hygiene der wichtigste Schutz:

Regelmäßiges Händewaschen: Mindestens 20 Sekunden mit Seife – der effektivste Schutz gegen Adenoviren.

Richtiges Desinfizieren: Nur als „viruzid“ oder „viruzid plus“ gekennzeichnete Desinfektionsmittel wirken gegen Adenoviren. „Begrenzt viruzid“ reicht nicht aus.

Eigene Handtücher: Infizierte Personen sollten separate Handtücher und Waschlappen verwenden und diese anschließend bei hoher Temperatur waschen.

Augenkontakt vermeiden: Nicht mit ungewaschenen Händen die Augen berühren. Augentropfen, Kosmetik und Schminkutensilien niemals teilen.

Wann sollten Sie zum Arzt?

Nicht jede Adenovirus-Infektion erfordert einen Arztbesuch. In folgenden Fällen sollten Sie jedoch medizinischen Rat einholen:

Warnsignale:

  • Fieber über 39°C, das länger als drei Tage anhält
  • Starke Atemnot oder Brustschmerzen
  • Symptome, die sich nach einer Woche nicht bessern
  • Starke Augenschmerzen oder Sehstörungen
  • Anhaltendes Erbrechen oder Durchfall (Dehydrationsgefahr)

Besonders aufmerksam sollten Säuglinge, ältere Menschen, Schwangere und Personen mit chronischen Erkrankungen sein.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was sind Adenoviren genau?
Adenoviren sind DNA-Viren, die beim Menschen verschiedene Erkrankungen auslösen können – von leichten Erkältungssymptomen bis zu Bindehautentzündungen und Magen-Darm-Infekten. Es gibt über 50 verschiedene Serotypen. Der Name leitet sich vom griechischen Wort für „Drüse“ ab, da die Viren erstmals 1953 aus Rachenmandeln (Adenoiden) isoliert wurden.
Wie unterscheiden sich Adenoviren von einer normalen Erkältung?
Adenovirus-Infektionen dauern deutlich länger (1–2 Wochen statt 3–7 Tage) und können mehrere Organe gleichzeitig befallen. Typisch ist die Kombination aus Atemwegssymptomen, Bindehautentzündung und Magen-Darm-Beschwerden. Eine normale Erkältung beschränkt sich meist auf Nase und Rachen.
Wie lange ist man bei Adenoviren ansteckend?
Die Ansteckungsgefahr besteht ab den ersten Krankheitszeichen und dauert mindestens zwei Wochen an. Bei einer Augenentzündung kann die Ansteckungsgefahr sogar drei bis vier Wochen bestehen. Die Viren können auch nach Abklingen der Symptome noch im Stuhl nachweisbar sein.
Gibt es eine Impfung gegen Adenoviren?
Für die Allgemeinbevölkerung gibt es keine zugelassene Impfung gegen Adenoviren. Lediglich für US-amerikanisches Militärpersonal existiert ein oraler Impfstoff gegen die Serotypen 4 und 7, die schwere Atemwegsinfekte verursachen können. Da es über 50 verschiedene Serotypen gibt, ist die Entwicklung eines universellen Impfstoffs sehr schwierig.
Wie gefährlich sind Adenoviren?
Für gesunde Erwachsene sind Adenovirus-Infektionen meist harmlos und heilen von selbst aus. In seltenen Fällen können sich Komplikationen wie eine Lungenentzündung entwickeln. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem. Eine meldepflichtige Adenovirus-Konjunktivitis sollte immer ärztlich behandelt werden.
Welches Desinfektionsmittel hilft gegen Adenoviren?
Gegen Adenoviren wirken nur Desinfektionsmittel, die als „viruzid“ oder „viruzid plus“ gekennzeichnet sind. Produkte mit der Kennzeichnung „begrenzt viruzid“ bieten keinen ausreichenden Schutz. Adenoviren sind sehr widerstandsfähig und überleben auf Oberflächen bei Zimmertemperatur mehrere Wochen.

Fazit: Adenoviren – unterschätzte Erreger mit langer Krankheitsdauer

Adenoviren sind keine neuen Erreger, werden aber oft unterschätzt. Die aktuelle Krankheitswelle in Großbritannien und die Fälle in Deutschland zeigen: Nicht jede langanhaltende Erkältung ist eine Grippe. Wer ungewöhnlich lange krank ist, Augenbeschwerden oder Magen-Darm-Symptome entwickelt, könnte mit Adenoviren infiziert sein. Da keine spezifische Therapie existiert, bleibt Geduld der wichtigste Faktor – und konsequente Hygiene der beste Schutz. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.


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