📖 Lesezeit: 6 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 29. Dezember 2025
Was ist der Brushing-Trick bei Amazon?
Brushing Amazon – immer mehr Kunden erhalten Pakete, die sie nie bestellt haben. Der Inhalt: billige Handyhüllen, USB-Kabel oder No-Name-Elektronik. Im Amazon-Konto findet sich keine Bestellung, keine Rechnung liegt bei. Was auf den ersten Blick wie ein Versandfehler wirkt, ist in Wahrheit eine raffinierte Betrugsmasche – und sie wird gerade zu Weihnachten besonders gefährlich.
Der Begriff „Brushing“ stammt aus dem chinesischen Onlinehandel und bedeutet sinngemäß „aufpolieren“ oder „bürsten“. Genau das tun die Betrüger: Sie polieren das Image ihrer Produkte künstlich auf – mit gefälschten Fünf-Sterne-Bewertungen, die als „verifizierter Kauf“ erscheinen.
So funktioniert der Brushing-Betrug Schritt für Schritt
Der Trick ist einfach, aber perfide kalkuliert:
| Schritt | Was passiert |
|---|---|
| 1. Adressbeschaffung | Betrüger kaufen Adressdaten aus Datenlecks oder durchsuchen öffentliche Quellen wie Social Media |
| 2. Fake-Konto erstellen | Ein gefälschtes Käuferkonto wird auf Ihren Namen angelegt |
| 3. Scheinbestellung | Der Händler „kauft“ sein eigenes Produkt und schickt es an Ihre Adresse |
| 4. Paket kommt an | Sie erhalten Billigware, die Sie nie bestellt haben |
| 5. Fake-Bewertung | Der Betrüger schreibt eine 5-Sterne-Bewertung als „verifizierter Käufer“ |
Das Ergebnis: Der Händler bekommt glaubwürdige Bewertungen, sein Produkt steigt im Ranking – und Sie stehen als vermeintlicher Käufer da, ohne je etwas bestellt zu haben.
Neue Gefahr: Brushing mit QR-Code-Phishing
Verbraucherschützer warnen aktuell vor einer neuen, gefährlicheren Variante des Brushing-Betrugs. Die Masche: Den unbestellten Paketen liegen QR-Codes bei – oft mit Hinweisen wie „Jetzt Geschenk einlösen!“ oder „Finde heraus, wer dir das geschickt hat!“.
⚠️ Warnung: Scannen Sie niemals QR-Codes aus unbekannten Paketen! Diese führen häufig auf Phishing-Websites, die Login-Daten stehlen, Schadsoftware auf Ihr Smartphone laden oder kostenpflichtige Abos über die Handyrechnung aktivieren können.
Diese Kombination aus physischem Warenversand und digitalem Datenklau wird auch „Quishing“ genannt – eine neue Stufe der Cyberkriminalität, die das FBI und europäische Behörden alarmiert.
Woran erkenne ich Brushing?
Nicht jedes unerwartete Paket ist gleich Betrug. Diese Warnsignale deuten auf Brushing hin:
Typische Anzeichen:
- Paket mit Ihrem Namen und Ihrer Adresse – aber keine Bestellung in Ihrem Konto
- Inhalt: billige Gegenstände wie Handyhüllen, Schlüsselanhänger, USB-Kabel, Blumensamen
- Absender ist unbekannt oder es fehlt eine Rücksendeadresse
- Dem Paket liegt ein QR-Code oder ein auffälliger Zettel bei
- Sie erhalten E-Mails mit Bewertungen, die Sie nie geschrieben haben
Typische Inhalte von Brushing-Paketen:
| Häufige Inhalte | Warnstufe |
|---|---|
| Handyhüllen, Schlüsselanhänger | Typischer Brushing-Inhalt |
| USB-Kabel, billige Elektronik | Typischer Brushing-Inhalt |
| Blumensamen, Saatgut | ⚠️ Nicht aussäen – können Schadorganismen enthalten |
| QR-Codes, Zettel mit Links | 🚨 Nicht scannen – Phishing-Gefahr! |
Welche Risiken bestehen für Betroffene?
Auch wenn Sie für die Ware nicht bezahlen müssen – Brushing ist kein harmloses Ärgernis:
Kompromittierte Daten: Der Erhalt unbestellter Pakete zeigt, dass Ihre Adresse im Umlauf ist – möglicherweise aus einem Datenleck. Das kann zu weiteren Betrugsversuchen führen.
Identitätsdiebstahl: Wenn jemand in Ihrem Namen ein Fake-Konto erstellt hat, könnte das Ihre Kreditwürdigkeit beeinträchtigen oder dazu führen, dass Sie von Plattformen ausgeschlossen werden.
Gefälschte Bewertungen: Unter Ihrem Namen könnten Fake-Rezensionen erscheinen – ohne Ihr Wissen oder Zutun.
Phishing-Fallen: Wer den QR-Code scannt, landet auf betrügerischen Websites und riskiert Datendiebstahl oder Malware.
💡 Gut zu wissen: Amazon und andere Plattformen kämpfen gegen Brushing, aber die Täter agieren oft anonym mit Fake-Konten und aus dem Ausland. Das macht die Verfolgung extrem schwierig.
Was tun bei Brushing? Ihre Checkliste
Wenn Sie ein unbestelltes Paket erhalten haben, sollten Sie folgende Schritte befolgen:
Sofort-Maßnahmen:
- Keine QR-Codes scannen – auch nicht aus Neugier
- Nicht bezahlen – Sie sind rechtlich nicht verpflichtet (§ 241a BGB)
- Paket dokumentieren – Fotos von Inhalt und Versandetikett machen
- Amazon informieren – über das Formular „Unerwünschte Pakete melden“
Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen:
- Passwörter bei Amazon und anderen Shops ändern
- Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) aktivieren
- Kontoauszüge auf verdächtige Abbuchungen prüfen
- Bei Verdacht auf Identitätsmissbrauch: Polizei oder Verbraucherzentrale kontaktieren
Rechtliche Situation: Darf ich die Ware behalten?
Die gute Nachricht: Laut § 241a BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) sind Sie bei unbestellter Ware rechtlich abgesichert:
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Muss ich bezahlen? | Nein – keine Zahlungspflicht für unbestellte Ware |
| Muss ich zurücksenden? | Nein – keine Rücksendepflicht |
| Darf ich die Ware behalten? | Ja – sowohl Amazon als auch Verbraucherzentralen bestätigen dies |
Ausnahme: Handelt es sich um einen echten Zustellfehler (z.B. Paket für den Nachbarn), sollten Sie die Ware für eine mögliche Rücksendung bereithalten.
Wie schütze ich mich vor Brushing?
Vollständig verhindern lässt sich Brushing kaum – aber Sie können das Risiko minimieren:
Präventive Maßnahmen:
- Social-Media-Profile nicht öffentlich zugänglich machen
- Keine Adresse auf öffentlichen Websites veröffentlichen
- Regelmäßig prüfen, ob eigene Daten in Lecks aufgetaucht sind (z.B. über „Have I Been Pwned“)
- Starke, einzigartige Passwörter verwenden
- Zwei-Faktor-Authentifizierung bei allen wichtigen Konten aktivieren
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist Brushing bei Amazon?
Muss ich für ein unbestelltes Amazon-Paket bezahlen?
Warum ist der QR-Code im Paket gefährlich?
Wie melde ich Brushing bei Amazon?
Woher haben die Betrüger meine Adresse?
Kann ich wegen Brushing Anzeige erstatten?
Fazit: Brushing – harmlos wirkend, aber mit Risiken
Der Brushing-Trick bei Amazon ist auf den ersten Blick ein harmloses Ärgernis: Sie bekommen Gratisware, die Sie behalten dürfen. Doch dahinter steckt ein systematischer Betrug, der das Bewertungssystem manipuliert und zeigt, dass Ihre Daten im Umlauf sind. Besonders gefährlich wird es, wenn QR-Codes beiliegen – diese niemals scannen! Wer ein unbestelltes Paket erhält, sollte es bei Amazon melden, Passwörter ändern und auf verdächtige Kontobewegungen achten. Rechtlich sind Sie auf der sicheren Seite: Keine Zahlung, keine Rücksendung, Ware behalten erlaubt.
Über den Autor
Redaktion News-7 | Verbraucher & Sicherheit
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