Martin Luther und die Reformation: Der Beginn einer neuen Zeit

Stellen Sie sich vor, es ist das Jahr 1517. Ein mutiger Mönch stellt sich gegen die mächtigste Institution seiner Zeit und verändert damit die Welt für immer. Martin Luthers Geschichte ist nicht nur Kirchengeschichte – sie ist Menschheitsgeschichte.

Der 31. Oktober jenes Jahres markiert einen Wendepunkt der europäischen Geschichte. An der Tür der Schlosskirche Wittenberg soll etwas geschehen sein, das religiöse und gesellschaftliche Strukturen fundamental erschütterte.

Der Begriff „Reformation“ leitet sich vom lateinischen „reformatio“ ab – was Erneuerung bedeutet. Genau das strebte der Wittenberger Theologe an: eine Erneuerung der Kirche von Grund auf.

Bis heute feiern neun deutsche Bundesländer den Reformationstag als offiziellen Feiertag. Dies zeigt die anhaltende Bedeutung jener Ereignisse vor über 500 Jahren.

Die damaligen Geschehnisse wirken bis in unsere Gegenwart hinein. Sie veränderten nicht nur die Glaubenslandschaft, sondern prägten ganze Gesellschaften.

Wer war Martin Luther? Vom Mönch zum Reformator

Der Mann, der später eine religiöse Revolution auslösen sollte, begann sein Leben in bescheidenen Verhältnissen. Geboren 1483 in Eisleben, wuchs er in einer Zeit großer sozialer Ungleichheit auf.

Luthers frühes Leben und geistige Entwicklung

Sein Vater bestimmte zunächst eine juristische Laufbahn für ihn. Das Studium schien vielversprechend – bis ein dramatisches Ereignis alles veränderte.

Während eines schweren Gewitters gelobte er, Mönch zu werden, falls er überlebe. Dieses Versprechen löste er ein und trat dem Augustinerorden bei.

Als Theologieprofessor studierte er intensiv die Bibel. Dabei entwickelte er zunehmend kritische Gedanken zur damaligen Kirche und ihren Praktiken.

Die persönliche Krise und der Durchbruch zum neuen Glauben

Der junge Mönch litt unter schweren Gewissensqualen. Die ständige Angst vor göttlicher Verdammnis quälte ihn zutiefst.

Sein theologischer Durchbruch kam beim Studium des Römerbriefs. Er erkannte: „Der Gerechte wird aus Glauben leben“ – nicht durch gute Werke oder Ablasszahlungen.

Dieser Gedanke stand im krassen Gegensatz zur damaligen Praxis. Während einfache Menschen in Armut lebten, genoss der Papst und viele Geistliche luxuriöse Lebensweisen.

Der Kontrast zwischen armer Bevölkerung und reichem Klerus prägte seine spätere Haltung. Sein neues Glaubensverständnis würde bald die gesamte christliche Welt erschüttern.

Die Ursachen der Reformation: Warum die Kirche erneuert werden musste

Politische Zersplitterung und soziale Ungerechtigkeit schufen den Nährboden für religiöse Erneuerungsbestrebungen. Die damalige Situation war geprägt von tiefgreifenden Spannungen zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen.

Korruption und Missstände in der spätmittelalterlichen Kirche

Systematische Korruption durchzog die kirchlichen Strukturen. Geistliche lebten in Luxus, während die einfache Bevölkerung hungerte.

Der Klerus nutzte seine Machtposition schamlos aus. Ämter wurden verkauft, Steuern willkürlich erhoben.

Soziale Ungerechtigkeiten zwischen Bevölkerung und Klerus waren offensichtlich. Während Bauern unter Leibeigenschaft litten, genossen Bischöfe prunkvolle Lebensweisen.

Der Ablasshandel: Mit Geld von Sünden freikaufen

Der Ablasshandel entwickelte sich zum finanziellen Skandal. Gläubige konnten sich mit Geld von Sünden freikaufen.

Ablassbriefe versprachen verkürzte Zeit im Fegefeuer. Diese Praxis widersprach fundamental christlichen Glaubensgrundsätzen.

Die Einnahmen flossen in prestigeträchtige Bauprojekte. Der Petersdom in Rom wurde teilweise mit diesen zweifelhaften Mitteln finanziert.

Soziale und politische Spannungen im Heiligen Römischen Reich

Das Heilige Römische Reich war ein lockeres Bündnis von Einzelstaaten. Jeder Fürst unterstand zwar dem Kaiser, regierte aber weitgehend autonom.

Diese politische Struktur begünstigte Reformbestrebungen. Landesherren konnten unabhängig von Rom Entscheidungen treffen.

Soziale Spannungen durch Steuern und Abgaben eskalieren. Die Bevölkerung litt unter der doppelten Belastung durch weltliche und kirchliche Abgaben.

Die Verbindung zwischen kirchlicher Korruption und sozialer Not wurde immer offensichtlicher. Dies schuf die idealen Voraussetzungen für grundlegende Veränderungen.

Der 31. Oktober 1517: Martin Luthers Thesenanschlag und seine Bedeutung

Ein einziger Tag veränderte die religiöse Landschaft Europas für immer. Der 31. Oktober 1517 markiert den symbolischen Startpunkt einer Bewegung, deren Wellen bis heute spürbar sind.

Dieses Jahr wurde zum Epizentrum eines theologischen Erdbebens. Die Ereignisse rund um den Thesenanschlag gehören zu den am meisten diskutierten Momenten der Kirchengeschichte.

Die 95 Thesen – Kritik am Ablasshandel

Der berühmte Artikel mit 95 Punkten richtete sich direkt gegen den Ablasshandel. Luther kritisierte scharf die Praxis, sich mit Geld von Sünden freizukaufen.

Seine Thesen waren keine Ablehnung des Glaubens, sondern ein Ruf nach innerer Erneuerung. Sie betonten die Bedeutung wahrer Reue gegenüber finanziellen Transaktionen.

Besonders deutlich wurde die Kritik an kirchlichen Würdenträgern. Der Papst und hohe Geistliche wurden indirekt für ihre Praktiken angeprangert.

Die Schlosskirche zu Wittenberg als historischer Ort

Die Schlosskirche entwickelte sich zum Epizentrum der reformatorischen Bewegung. Ihre Tür fungierte als öffentliches Forum für akademische Debatten.

Dieser Ort symbolisierte den Bruch mit traditionellen Kommunikationswegen. Statt internen Diskussionen wählte Luther die öffentliche Auseinandersetzung.

Die Kirche wurde zum Pilgerort für Protestanten aus aller Welt. Noch heute besuchen Menschen diesen historischen Schauplatz.

Moderne Forschung zum tatsächlichen Hergang des Thesenanschlags

Neueste historische Untersuchungen stellen den dramatischen Nagelvorgang infrage. Zeitgenössische Quellen erwähnen keinen öffentlichen Thesenanschlag.

Wahrscheinlicher ist die Versendung der Thesen an kirchliche Würdenträger. Der Erzbischof Albrecht von Brandenburg erhielt ein Exemplar mit einem begleitenden Brief.

Der Mainzer Erzbischof strebte nach zusätzlichen Ämtern und Einfluss. Sein Ämterkauf erforderte enorme Summen, die durch Ablassgeschäfte finanziert wurden.

Diese Verbindung zwischen Machtpolitik und finanziellen Interessen war Luthers Hauptkritikpunkt. Sein Protest richtete sich gegen ein System, das Glauben kommerzialisierte.

Die Ausbreitung der Reformation: Wie Luthers Ideen Europa eroberten

A bustling scene of the Reformation's rapid spread, captured in a striking black and white illustration with subtle pops of color. In the foreground, a large printing press churns out pages bearing Luther's defiant theses, its intricate mechanisms rendered in meticulous detail. In the middle ground, crowds of people eagerly devour the newly printed materials, their expressions a mix of fascination and fervor. The background depicts a series of quaint European towns, their steepled churches and medieval architecture hinting at the sweeping cultural changes to come. The overall atmosphere is one of momentum and dynamism, reflecting the unstoppable momentum of Luther's ideas as they take hold across the continent.

Innovative Technologien und kluge Netzwerke beschleunigten die Verbreitung revolutionärer Gedanken. Was in Wittenberg begann, erreichte binnen weniger Jahre jeden europäischen Winkel.

Die Rolle des Buchdrucks bei der Verbreitung reformatorischer Schriften

Johannes Gutenbergs Erfindung um 1450 revolutionierte die Kommunikation. Gedruckte Flugblätter verbreiteten sich schneller als je zuvor.

Reformatorische Schriften erreichten monatlich tausende Leser. Diese Medienoffensive überwand traditionelle Zensurmechanismen.

Humanisten nutzten die neue Technik für Bildungszwecke. Ihre Netzwerke wurden zum Katalysator für die Verbreitung neuer Ideen.

Unterstützung durch deutsche Fürsten und Landesherren

Politische Machtinteressen begünstigten die reformatorische Bewegung. Landesherren sahen Chancen für mehr Unabhängigkeit von Rom.

Wirtschaftliche Motive spielten eine entscheidende Rolle. Die Einziehung kirchlicher Güter versprach finanzielle Gewinne.

Territoriale Souveränität wurde zum wichtigen Faktor. Jeder Fürst konnte über die Konfession seines Landes entscheiden.

Weitere Reformatoren: Zwingli, Calvin und andere Wegbereiter

Ulrich Zwingli entwickelte in Zürich eigenständige Lehren. Seine Kritik am Ablasshandel war ebenso scharf wie die des Wittenberger Theologen.

Johannes Calvin prägte Genf mit seiner strengen Kirchenordnung. Sein theologisches System betonte die Vorherbestimmung durch Gott.

Diese verschiedenen Strömungen bereicherten die Bewegung. Unterschiedliche Regionen entwickelten eigene reformatorische Profile.

Bildersturm-Aktionen veränderten das Erscheinungsbild vieler Kirchen. Schlichte Ausstattung sollte den Fokus auf das Wort der Bibel lenken.

Reformation Martin Luther: Theologische Kernaussagen und Neuerungen

Radikale Gedanken durchbrachen jahrhundertealte Glaubensstrukturen. Die revolutionären Ideen des Wittenberger Theologen schufen ein völlig neues Glaubensverständnis.

Allein aus Glauben: Die Rechtfertigungslehre

Der entscheidende Durchbruch betraf das Seelenheil. Nicht Geld oder gute Werke brachten Erlösung, sondern allein göttliche Gnade.

Diese Erkenntnis widersprach fundamental der Ablasspraxis. Der fromme Mönch hatte lange nach innerer Gewissheit gerungen.

Seine Lehre betonte: Jesus Christus hat alle Sünden am Kreuz getragen. Jeder Gläubige empfängt Vergebung durch Glauben allein.

Allein die Schrift: Die Bibel als alleinige Glaubensgrundlage

Bisher konnten nur Gelehrte die Heilige Schrift lesen. Sie war ausschließlich auf Latein verfügbar.

Der berühmte Reformator übersetzte das Neue Testament ins Deutsche. Diese Bibelübersetzung ermöglichte direkten Zugang für alle Menschen.

Jeder Gläubige sollte selbst Gottes Wort studieren können. Diese Idee demokratisierte den Glaubenszugang grundlegend.

Priestertum aller Gläubigen: Neue Rollenverständnisse

Traditionelle Hierarchien verloren ihre Bedeutung. Jeder Christ konnte nun direkt zu Gott beten.

Geistliche wurden nicht mehr als notwendige Mittler angesehen. Dieser Artikel des Glaubens veränderte kirchliche Strukturen nachhaltig.

Die neue Theologie betonte die persönliche Beziehung zu Gott. Sie ermächtigte einfache Gläubige in bisher ungekannter Weise.

Diese theologischen Neuerungen prägten die gesamte Reformation. Sie entfalteten ihre Wirkung weit über das Jahr 1517 hinaus.

Der 31. Oktober markiert nicht nur einen Protest, sondern den Beginn einer neuen Glaubensauffassung. Ihre Auswirkungen sind bis heute spürbar.

Konflikte und Widerstände: Die Reaktion von Kirche und Kaiser

A sprawling, gothic-style structure stands tall, its ornate facades and soaring towers casting long shadows across a cobblestone courtyard. Figures in period dress gather in tense clusters, their expressions a mix of defiance and unease. Sunlight filters through stained glass windows, illuminating the scene with an air of solemnity and conflict. The Wormser Reichstag, a nexus of political and religious upheaval, is rendered in a stark, monochromatic palette, with only the occasional flash of color - a banner, a robed figure - to punctuate the somber atmosphere. This is a moment of tension, of a pivotal clash between the old order and the stirrings of a new era.

Die revolutionären Ideen des Wittenberger Theologen riefen mächtige Gegner auf den Plan. Kaiser und Papsttum formierten sich zu einer eindrucksvollen Allianz gegen die aufkeimende protestantische Bewegung.

Der Wormser Reichstag 1521 und Luthers Verhör

Kaiser Karl V. berief im April 1521 den Reichstag nach Worms ein. Der junge Herrscher stand vor einer schweren Entscheidung zwischen religiöser Tradition und politischen Realitäten.

Vor den versammelten Fürsten und Würdenträgern verteidigte der Reformator seine Schriften. Seine berühmte Standhaftigkeit prägte diesen historischen Moment:

„Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“

Die Weigerung, seine Lehren zu widerrufen, markierte den endgültigen Bruch mit Rom. Dieser Auftritt wurde zum Symbol protestantischer Überzeugungstreue.

Die Reichsacht und Luthers Schutz auf der Wartburg

Das Wormser Edikt vom 25. Mai 1521 verhängte die Reichsacht über den Kirchenkritiker. Diese Ächtung machte ihn juristisch vogelfrei – jeder konnte ihn festnehmen oder töten.

Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen organisierte einen scheinbaren Überfall. Auf der Wartburg fand der Geächtete Schutz und konnte unerkannt wirken.

In nur elf Wochen übersetzte er das Neue Testament ins Deutsche. Diese Bibel-Übersetzung revolutionierte den Glaubenszugang für alle Menschen.

Die Gegenreformation: Katholische Antwort auf die reformatorische Bewegung

Rom entwickelte systematische Gegenstrategien zur Eindämmung der protestantischen Bewegung. Das Konzil von Trient (1545-1563) formulierte klare dogmatische Abgrenzungen.

Der Papst stärkte die Inquisition zur Bekämpfung häretischer Strömungen. Neue Ordensgemeinschaften wie die Jesuiten übernahmen Bildungs- und Missionsaufgaben.

MaßnahmeZielsetzungWirkung
Wormser EdiktRechtliche Ächtung des ReformatorsPolitische Isolation seiner Anhänger
BannbulleKirchenrechtliche ExkommunikationAusschluss aus sakramentalem Leben
GegenreformationRückgewinnung verlorener GebieteReligionskriege und Konfessionalisierung
JesuitenordenBildung und MissionStärkung katholischer Identität

Die theologischen Auseinandersetzungen betrafen zentrale Glaubensfragen. Besonders kontrovers diskutiert wurde die Lehre vom Fegefeuer und die Praxis des Ablasshandels.

Diese Konflikte prägten die religiöse Landschaft Europas für Jahrhunderte. Ihr Echo ist bis zum heutigen Reformationstag spürbar.

Die Folgen der Reformation: Politische und gesellschaftliche Veränderungen

Die religiöse Erneuerung löste tiefgreifende politische Umwälzungen aus. Was als theologischer Disput begann, entwickelte sich zu einer Kraft, die die politische Landkarte Europas neu zeichnete.

Soziale Spannungen und Machtkämpfe prägten die folgenden Jahrzehnte. Aus Glaubensfragen wurden Machtfragen mit weitreichenden Konsequenzen.

Der Bauernkrieg 1524-1526 und Luthers Haltung

Viele einfache Menschen interpretierten die neuen Lehren als Aufruf zur sozialen Befreiung. Bauern erhoben sich gegen ihre adligen Herren und beriefen sich auf reformatorische Ideale.

Der berühmte Reformator distanzierte sich jedoch entschieden von den Aufständischen. In seiner Schrift „Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern“ forderte er:

„Man soll sie zerschmeißen, würgen und stechen, heimlich und öffentlich“

Diese Haltung überraschte viele Anhänger. Der Theologe fürchtete um die Glaubwürdigkeit seiner Bewegung.

Der Bauernkrieg endete blutig mit zehntausenden Toten. Die Hoffnung auf soziale Gerechtigkeit wurde brutal enttäuscht.

Augsburger Religionsfrieden 1555: „Cuius regio, eius religio“

Nach jahrzehntelangen Konflikten fand man eine politische Lösung. Der Augsburger Religionsfriede schuf erstmals rechtliche Sicherheit für Protestanten.

Das Prinzip „cuius regio, eius religio“ bedeutete: Der Landesherr bestimmte die Konfession seiner Untertanen. Wer nicht konvertieren wollte, musste auswandern.

Dieser Artikel des Friedensvertrags hatte enorme gesellschaftliche Auswirkungen:

  • Territoriale Zersplitterung nach Konfessionsgrenzen
  • Einschränkung der religiösen Freiheit für Einzelne
  • Stärkung der landesherrlichen Machtposition
  • Institutionalisierung der konfessionellen Spaltung

Der Frieden von 1555 stabilisierte die politische Lage für mehrere Jahrzehnte. Doch die grundlegenden Spannungen blieben bestehen.

Der Dreißigjährige Krieg und der Westfälische Frieden 1648

Religiöse Konflikte eskalieren im 17. Jahrhundert zum Flächenbrand. Der Dreißigjährige Krieg verwüstete weite Teile Mitteleuropas.

Der Westfälische Friede von 1648 beendete nicht nur die Kampfhandlungen. Er schuf eine neue europäische Ordnung auf der Grundlage staatlicher Souveränität.

Die territorialen Veränderungen waren tiefgreifend:

GebietKonfessionelle ZugehörigkeitPolitische Konsequenzen
Brandenburg-PreußenReformiertAufstieg zur Großmacht
BayernKatholischBündnis mit Habsburg
PfalzWechselndTerritoriale Verluste

Der Friedenskongress in Münster und Osnabrück dauerte fünf Jahre. Er markierte das Ende der Reformation als historische Epoche.

Die konfessionelle Landkarte Deutschlands blieb bis ins 20. Jahrhundert weitgehend stabil. Noch heute zeigen Bevölkerungsstatistiken diese historischen Prägungen.

Das Erbe der Reformation: Bis in die Gegenwart

Fünf Jahrhunderte nach den dramatischen Ereignissen wirkt das reformatorische Erbe weiter. Die Bewegung prägt bis heute unsere Gesellschaft, Kultur und Glaubenspraxis.

Reformationstag: Bedeutung und Feierlichkeiten am 31. Oktober

Der 31. Oktober bleibt ein besonderes Datum im deutschen Kalender. Neun Bundesländer feiern ihn als offiziellen Feiertag.

Kirchliche Gottesdienste und kulturelle Veranstaltungen erinnern an die historischen Ereignisse. Konzerte mit reformatorischer Musik und Themenführungen beleben die Zeit um den Feiertag.

Moderne Feierlichkeiten verbinden Tradition mit aktuellen Bezügen. Sie fragen nach der Bedeutung religiöser Erneuerung für unsere Gegenwart.

Evangelische und katholische Kirche heute: Ökumene und Dialog

Historische Gegner sind heute Partner im Dialog. Die Ökumene-Bewegung überwindet jahrhundertealte Gräben.

Gemeinsame Projekte und Gottesdienste zeigen die Annäherung. Dennoch bleiben theologische Unterschiede bestehen.

Die Diskussion um das Fegefeuer und den Ablasshandel gehört der Vergangenheit an. Moderne Debatten konzentrieren sich auf ethische und gesellschaftliche Fragen.

Der aktuelle Papst betont regelmäßig die Einheit aller Christen. Sein Engagement für den Dialog schafft neue Brücken zwischen den Konfessionen.

Kulturelle und bildungspolitische Auswirkungen der Reformation

Die Bildungsrevolution begann mit der Übersetzung der Bibel. Plötzlich konnten Menschen selbst lesen und interpretieren.

Reformatorische Schulen entstanden in vielen Städten. Sie betonten die Bedeutung allgemeiner Bildung für alle Schichten.

Diese bildungspolitische Wende legte den Grundstein für moderne Schulsysteme. Die Idee der allgemeinen Schulpflicht gewann an Bedeutung.

Kulturell inspirierte die Bewegung neue Kunst- und Musikformen. Schlichte Kirchen-Ausstattungen lenkten den Fokus auf das Wort.

BereichVor der ReformationNach der Reformation
BildungszugangEliten vorbehaltenBreitere Bevölkerungsschichten
SpracheLatein dominierendLandessprachen aufgewertet
KirchenmusikKomplexe ChorwerkeGemeindegesang betont
WirtschaftsethikZinsverboteNeue Arbeitsmoral

Humanistische Ideale fanden durch die Bewegung Verbreitung. Die Betonung der Selbstbestimmung prägte das moderne Menschenbild.

Wirtschaftlich veränderte sich der Umgang mit Geld und Arbeit. Eine neue Ethik legitimierte beruflichen Erfolg als gottgefällig.

Diese Entwicklungen zeigen: Die historischen Ereignisse wirken bis heute nach. Sie formten unsere Gesellschaft nachhaltig.

Mehr über die anhaltende Bedeutung dieser geschichtlichen Wende erfahren Sie in unserer vertiefenden Analyse.

Fazit: Die Reformation als Wendepunkt der europäischen Geschichte

Europas religiöse Landkarte wurde durch diesen historischen Prozess neu gezeichnet. Was als theologischer Protest begann, entwickelte sich zur tiefgreifendsten Kirchenspaltung der Geschichte.

Der Reformationstag am 31. Oktober erinnert jährlich an diesen Umbruch. Die Schlosskirche in Wittenberg steht symbolisch für den mutigen Schritt eines Mönchs, der zum Reformator wurde.

Das Wichtigste in Kürze
Die Reformation begann 1517 als Protest gegen kirchliche Missstände und entwickelte sich zur größten Kirchenspaltung der Geschichte. Seine Thesen verbreiteten sich dank Buchdruck rasch in Europa und führten zur Entstehung evangelischer Kirchen. Die Bewegung bewirkte nicht nur religiöse, sondern auch politische, kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen, deren Auswirkungen bis heute spürbar sind.

Dieser Artikel der Geschichte markiert den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Bis heute prägen konfessionelle Unterschiede die europäischen Gesellschaften.

Quellen: 1. WDR Dokumentation „neuneinhalb“, 2. Planet Wissen, 3. Luther2017.de

FAQ

Q: Was genau geschah am 31. Oktober 1517?

A: Der Mönch und Theologieprofessor schlug seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg. Dies gilt als Initialzündung für die reformatorische Bewegung, die die christliche Kirche spaltete.

Q: Warum kritisierte Luther den Ablasshandel so scharf?

A: Er sah im Verkauf von Ablassbriefen durch die katholische Kirche einen Missbrauch, bei dem sich Reiche von Sünden „freikaufen“ konnten. Dies widersprach seiner Überzeugung, dass allein der Glaube und nicht Geld vor Gott gerecht macht.

Q: Welche Rolle spielte der Buchdruck für die Verbreitung von Luthers Ideen?

A: Die neue Technik war entscheidend. Luthers Schriften und seine Bibelübersetzung konnten sich so schnell in ganz Europa verbreiten. Ohne sie wäre die Bewegung wohl regional begrenzt geblieben.

Q: Was bedeutet „Reformationstag“ und wie wird er gefeiert?

A: Der 31. Oktober ist in vielen deutschen Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag. Evangelische Christen gedenken dem Thesenanschlag mit Gottesdiensten, oft wird auch die berühmte Tür der Schlosskirche symbolisch nachgebildet.

Q: Wie reagierte die katholische Kirche offiziell auf Luthers Thesen?

A: Zunächst forderte Rom ihn zum Widerruf auf. Als er sich weigerte, wurde er 1521 auf dem Reichstag zu Worms für vogelfrei erklärt. Seine Schriften wurden verboten, was die Spaltung jedoch nicht aufhalten konnte.

Q: Was ist der theologische Kern von Luthers Lehre?

A: Es sind die „Solae“: Allein aus Glauben (sola fide), allein durch die Schrift (sola scriptura) und allein durch Christus (solus Christus). Sie stellen die direkte Beziehung des Gläubigen zu Gott in den Mittelpunkt – ohne Vermittlung durch die Institution Kirche.

Q: Hatte die Reformation auch politische Folgen?

A: Absolut. Sie schwächte die Macht von Papst und Kaiser und stärkte die Landesfürsten. Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 gab ihnen sogar das Recht, die Konfession ihrer Untertanen zu bestimmen („cuius regio, eius religio“).

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