Wikinger auf Entdeckungsfahrt: Wie sie die Welt eroberten

Die Wikingerzeit begann um 793 n. Chr. mit dem Überfall auf Lindisfarne. Diese Epoche dauerte fast 300 Jahre. In dieser Zeit waren die Nordmänner nicht nur als Krieger bekannt.

Sie waren vor allem neugierige Seefahrer und Pioniere. Mit ihren Schiffen erkundeten sie unbekannte Welten. Ihre Reisen veränderten die Karten der damaligen Welt nachhaltig.

Getrieben von Bevölkerungsdruck und Abenteuerlust suchten sie neue Gebiete. Sie wollten Land, Ressourcen und Handelsrouten finden. Dieser Entdeckergeist trieb sie von Grönland bis nach Bagdad.

Ihre technischen Innovationen im Schiffbau machten diese Fahrten möglich. Die Geschichte dieser Epoche zeigt beeindruckende kulturelle Austausche. Archäologische Funde bestätigen heute diese weitreichenden Entdeckungen.

Die wahren Pioniere des Nordens: Mehr als nur Krieger

Die Nordmänner waren Meister der Anpassung. Sie verwandelten sich von Kriegern zu Händlern und Siedlern. Diese Wandlung zeigt ihre vielseitigen Fähigkeiten.

Ihre Handelsnetzwerke spannten sich über enorme Gebiete. Sie reichten von Skandinavien bis nach Byzanz und in die arabische Welt. Wertvolle Waren wie Pelze und Elfenbein wurden gehandelt.

Die wirtschaftlichen Motive trieben ihre Expansion voran. Handel brachte Reichtum und öffnete neue Türen. Dies veränderte ihre sozialen Strukturen nachhaltig.

Aus plündernden Gruppen wurden dauerhafte Siedler. Sie entwickelten eigene Rechtssysteme und Gemeinschaften. Diese Entwicklung belegen archäologische Funde deutlich.

Münzen, Waren und Siedlungsreste zeigen ihre Aktivitäten. Diese Funde korrigieren das Klischee der reinen Barbaren. Historische Fakten enthüllen ein komplexeres Bild.

Die Nordmänner gründeten bedeutende Handelsstädte. Dublin und Haithabu wurden zu wichtigen Metropolen. Haithabu in Schleswig-Holstein war ein Handelszentrum.

Ihr kultureller Einfluss war bemerkenswert. Sie prägten die englische Sprache nachhaltig. Normannische Architektur in Sizilien zeugt von ihrem Erbe.

Die Warägergarde in Konstantinopel war eine Eliteeinheit. Sie diente als persönliche Garde des byzantinischen Kaisers. Dies zeigt ihre diplomatischen Fähigkeiten.

Die Normannen in Frankreich gingen aus Wikingern hervor. Sie prägten Europa durch ihre Eroberungen und Kultur. Ihre Anpassungsfähigkeit war beeindruckend.

Sie übernahmen lokale Kulturen und transformierten sie. Diese Flexibilität machte sie zu erfolgreichen Pionieren. Ihre Hinterlassenschaft ist bis heute sichtbar.

BereichAktivitätBeispielEinfluss
HandelInternationale NetzwerkeHaithabuWirtschaftswachstum
SiedlungStadtgründungenDublinKultureller Austausch
MilitärEliteeinheitenWarägergardeDiplomatische Beziehungen
KulturSprache & ArchitekturNormannischer StilLangfristige Prägung

Die Bevölkerung wuchs und suchte neue Ressourcen. Dieser Druck trieb die Suche nach neuem Land voran. Handelsrouten wurden systematisch erschlossen.

Ihre Reisen verbanden verschiedene Kulturen und Wirtschaftsräume. Dieser Austausch bereicherte alle beteiligten Gesellschaften. Die Nordmänner waren wahre Globalisierer ihrer Zeit.

Die Grundlage aller Fahrten: Wikingerschiffbau und Navigation

Technische Meisterleistungen ermöglichten die epischen Reisen der Nordmänner. Ihre Schiffe und Navigationsmethoden waren ihrer Zeit weit voraus.

Diese Innovationen erlaubten Fahrten über offene Meere. Sie führten zu bisher unerreichten Entdeckungen.

Das Langschiff: Der Schlüssel zur Welt

Langschiffe maßen zwischen 17 und 37 Meter. Sie transportierten 20-60 Mann Besatzung.

Die Klinkerbauweise verband überlappende Planken. Dies gab enorme Stabilität bei hoher Flexibilität.

Symmetrische Steven erlaubten Vorwärts- und Rückwärtsfahrt. Ein abnehmbarer Mast ermöglichte Segel- und Ruderbetrieb.

Diese Konstruktion meisterte sowohl Flüsse als auch Ozeane. Archäologische Funde belegen diese revolutionäre Technik.

Ohne Kompass: Astronomie und Sonnensteine

Sonnensteine aus Cordierit oder Calcit nutzten Lichtpolarisation. Sie lokalisierten die Sonne selbst bei Bewölkung.

Moderne Untersuchungen bestätigen ihre Wirksamkeit. Diese Kristalle zeigten die Richtung der verdeckten Sonne an.

Astronomische Navigation nutzte den Polarstern für die Nordbestimmung. Der Sonnenstand gab Hinweise auf den Breitengrad.

Diese Methoden waren ohne Kompass erstaunlich präzise. Sie ermöglichten gezielte Fahrten über große Distanzen.

Die Natur als Wegweiser: Vögel, Strömungen und Wellen

Erfahrene Seefahrer lasen die Natur wie eine Karte. Seevögel zeigten die Richtung zu nahen Inseln an.

Meeresströmungen und Wellenmuster verrieten Küstennähe. Flóki Vilgerdarson nutzte Raben zur Landsuche in Island.

Ein freigelassener Rabe flog direkt zur nächsten Küste. Diese Methode führte erfolgreich zu neuen Siedlungsgebieten.

Jahrhunderte der Erfahrung schufen dieses Wissen. Es wurde mündlich von Generation zu Generation weitergegeben.

Diese Navigationstechniken ermöglichten Atlantiküberquerungen. Sie waren ihrer Zeit technisch weit überlegen.

Archäologische Beweise und moderne Untersuchungen bestätigen ihre Effektivität. Noch heute finden sich Spuren dieser Methoden.

Über viele Jahre perfektioniert, revolutionierten sie die Seefahrt. Sie öffneten die Welt für neue Entdeckungen.

Der erste Schritt in den Atlantik: Die Besiedlung Islands

Island markierte den Beginn der atlantischen Expansion. Diese abgelegene Insel wurde zum Testfeld für nordische Siedlungstechniken. Die Entdeckungsgeschichte zeigt den Übergang von Zufallsfunden zu systematischer Erkundung.

Moderne Quellen belegen eine faszinierende Chronologie. Naddoddur erreichte die Küste um 860 eher zufällig. Sein Name „Snæland“ beschrieb die schneebedeckte Landschaft treffend.

Zufallsentdecker und gezielte Erkundung

Gardar Svavarsson steuerte 864 gezielt die Insel an. Er umsegelte sie vollständig und nannte sie Gardarsholm. Diese Expedition bewies die navigatorischen Fähigkeiten der Seefahrer.

Flóki Vilgerdarson perfektionierte die Navigation mit Raben. Ein freigelassener Vogel führte ihn direkt zur Küste. Sein harter Winter prägte den endgültigen Namen Island.

Von Schneeland zu Island: Die Namensgebung

Der Namenswandel spiegelt klimatische Erfahrungen wider. Snæland beschrieb den ersten Eindruck. Island wurde zur dauerhaften Bezeichnung nach extremen Wintern.

Ingólfur Arnarson gründete 874 die erste dauerhafte Siedlung. Sein Hof in Reykjavík wurde zum Ausgangspunkt. Archäologische Funde bestätigen diese frühe Besiedlung.

JahrEntdeckerBezeichnungBedeutung
860NaddoddurSnælandZufallsentdeckung
864Gardar SvavarssonGardarsholmErste Umsegelung
870Flóki VilgerdarsonIslandEndgültige Namensgebung
874Ingólfur ArnarsonReykjavíkErste permanente Siedlung

Das Leben auf Island erforderte besondere Anpassungen. Die isolierte Lage bestimmte die Siedlungsstruktur. Höfe wurden strategisch nahe der Küste angelegt.

Genetische Studien zeigen interessante Abstammungsverhältnisse. Moderne Isländer haben etwa 70% nordische Vorfahren. Der Rest stammt überwiegend von britischen Frauen ab.

Die Wikingerzeit brachte kulturelle und wirtschaftliche Innovationen. Fischfang und Viehzucht sicherten das Überleben. Island wurde zum Sprungbrett für weitere Entdeckungen.

Archäologische Funde belegen diese Entwicklung eindrucksvoll. Langhausruinen in Reykjavík zeigen die Bauweise. Museen bewahren dieses Erbe heute für Besucher.

Für weitere Details zu den Entdeckungsreisen besuchen Sie unsere umfassende Übersicht.

Erik der Rote und die Kolonisierung Grönlands

A dramatic rendering of Erik the Red's pioneering colonization of Greenland, depicted in a striking black and white sketch with subtle pops of color. In the foreground, a rugged Viking longship glides across the choppy, ice-flecked seas, its sail billowing in the wind. Erik himself stands tall at the prow, his weathered face set with determination as he scans the horizon for the promise of new lands. In the middle ground, the dramatic silhouettes of towering glaciers and snow-capped peaks rise up, hinting at the harsh, unforgiving terrain that awaits the settlers. Touches of muted ochre and icy blue highlight the stark, untamed beauty of the Greenlandic landscape. An atmospheric, moody scene capturing the spirit of adventure and conquest that drove the Viking exploration of the North Atlantic.

Ein Mann auf der Flucht veränderte die Landkarte des Norden für immer. Erik Thorvaldsson, bekannt als „der Rote“, wurde 982 aus Island verbannt. Diese Strafe wurde zum Auslöser für eine der kühnsten Suche nach neuen Gebieten.

Verbannung als Antrieb für Entdeckung

Die isländischen Sagas beschreiben Erik als streitbaren Charakter. Nach einem Totschlag verließ er Island mit Schiffen und Mannschaft. Drei Jahr segelte er westwärts, bis er auf grüne Küsten stieß.

Seine Verbannung dauerte genau drei Jahre – genug Zeit für systematische Erkundung. Er kartierte fjordreiche Küsten und prüfte Siedlungspotential. Diese Zwangspause wurde zur produktiven Forschungsreise.

Grönland: Ein strategischer Name für neues Land

Der Name „Grønland“ war cleveres Marketing. Erik wollte Siedler für das raue Land gewinnen. „Grünes Land“ klang verlockender als „Eisland“.

Tatsächlich fand er im Südwesten grüne Täler vor. Hier konnten Rinder und Schafe weiden. Der Name übertrieb zwar, aber nicht völlig.

Leben am Rande der Welt: Die Wikingersiedlungen

Ab 985 entstanden zwei Hauptsiedlungen. Eystribyggð im Osten mit 190 Höfen. Vestribyggð im Westen mit 90 Gehöften.

Das Leben war hart aber organisiert. Archäologen fanden Ruinen von Kirchen und Langhäusern. Hvalsey Kirche steht noch heute als steinernes Zeugnis.

Wirtschaftlich überlebten sie durch Walross-Elfenbein-Export. Dieses Luxusgut brachte Wohlstand aus Europa. Gleichzeitig importierten sie Holz und Eisen.

Die Isolation zwang zu kreativen Lösungen. Knochen ersetzten Holz für Werkzeuge und Möbel. Sie jagten Robben und Wale für Öl und Fleisch.

Kontakte zu Inuit-Völkern waren selten aber belegt. Handelsaustausch fand statt, aber auch Konflikte. Kulturelle Unterschiede blieben bestehen.

Ab dem 14. Jahrhundert verschlechterte sich das Klima. Die Kleine Eiszeit machte Landwirtschaft schwieriger. Handelsrouten brachen zusammen, Pestwellen trafen die Gemeinschaft.

Moderne Klimaforschung bestätigt diesen Niedergang. Eisbohrkerne zeigen Temperaturrückgänge. Letzte schriftliche Aufzeichnungen datieren von 1408.

Eriks Vermächtnis war trotzdem beeindruckend. Fast 500 Jahre überlebten nordische Siedler in Grönland. Ihre Spuren erzählen von unglaublicher Anpassungsfähigkeit.

Leif Eriksson und der größte Coup: Die Entdeckung Amerikas

Die isländischen Sagas beschreiben Leifs Reise detailliert. Er segelte von Grönland westwärts in unbekannte Gewässer. Sein Ziel war die Erkundung von Land, das Bjarni Herjólfsson zuvor gesichtet hatte.

Leifs Route führte ihn zu drei verschiedenen Küsten. Helluland (Baffin Island) mit steinigen Stränden. Markland (Labrador) mit dichten Wäldern. Schließlich Vinland (Neufundland) mit grünen Tälern.

Vinland: Das sagenumwobene „Weinland“

Der Name Vinland leitet sich von wilden Trauben ab. Die Grænlendinga saga beschreibt üppige Vegetation. „Weinstöcke wuchsen dort von selbst“ heißt es in den Aufzeichnungen.

Das Klima war milder als in Grönland. Frisches Wasser und fruchtbarer Boden versprachen gute Ernten. Wälder boten Holzressourcen, die in Grönland fehlten.

Für Siedlungen schien das Land ideal. Die Saga erwähnt ganzjährig grasbewachsene Felder. Lachse schwammen in den Flüssen, und das Meer war fischreich.

Die ersten Kontakte mit indigenen Völkern

Die Nordleute trafen auf Ureinwohner, die sie Skrælingar nannten. Zuerst verliefen Begegnungen friedlich. Tauschhandel entwickelte sich: Felle gegen Milchprodukte und Stoffe.

Doch Spannungen eskalierten schnell. Kulturelle Missverständnisse führten zu Konflikten. Die Sagas beschreiben mehrere bewaffnete Auseinandersetzungen.

Der indigene Widerstand war stärker als erwartet. Zahlenmäßige Unterlegenheit zwang die Nordleute zum Rückzug. Obwohl Wikinger kriegerische Erfahrung hatten, konnten sie sich nicht dauerhaft behaupten.

Thorvald Eriksson, Leifs Bruder, führte weitere Expeditionen. Er starb bei Kämpfen mit Ureinwohnern. Thorfinn Karlsefni versuchte eine dauerhafte Siedlung mit 160 Menschen.

Alle Siedlungsversuche scheiterten binnen weniger Jahre. Ressourcenknappheit und indigener Druck waren Hauptgründe. Die isolierte Lage erschwerte Nachschub aus Grönland.

Archäologisch bestätigt sich diese Geschichte. L’Anse aux Meadows in Neufundland belegt nordische Anwesenheit. Die Ausgrabungen zeigen typische Langhäuser und Werkstätten.

Fundstücke wie eine bronzene Stecknadel passen ins Jahr 1000. Walnuss-Schalen belegen Handel mit südlicheren Orten. Diese Entdeckung revolutionierte die Geschichtsschreibung Amerikas.

Verglichen mit späteren Expeditionen blieb der Einfluss begrenzt. Keine dauerhafte Kolonisierung wie auf den Britischen Inseln. Keine umfassende kulturelle Prägung wie in der Normandie.

Trotzdem: Diese erste europäische Präsenz in Wikinger Nordamerika bleibt historisch bedeutsam. Leif Eriksson symbolisiert bis heute nordische Entdeckerlust. Museen in Skandinavien und Kanada ehren sein Vermächtnis.

L’Anse aux Meadows: Der archäologische Beweis in Amerika

A sprawling archaeological site nestled in the rugged Newfoundland landscape, L'Anse aux Meadows stands as a testament to the Viking exploration of North America. Imagine a scene where the earth yields its secrets - weathered sod buildings, half-buried remnants of forges and workshops, scattered artifacts that whisper of a distant past. Capture the monochrome palette of this historic place, with the occasional splash of color hinting at the vibrant cultures that once thrived here. Depict the gentle play of light and shadow across the undulating terrain, as if the very land remembers the footsteps of those intrepid voyagers. Convey a sense of discovery, of unearthing the tangible proof of a chapter in history long obscured, now finally brought to life.

Jahrhundertelang galten die Geschichten über nordische Amerika-Reisen als reine Sagen. Dann kam 1960 der Durchbruch. Das norwegische Ehepaar Helge und Anne Stine Ingstad folgte alten Hinweisen.

Ihre systematische Suche führte sie nach Neufundland. Dort entdeckten sie die ersten konkreten Spuren nordischer Präsenz. Diese Fundstelle sollte die Geschichtsbücher verändern.

Eine Sensation in Neufundland

Die Ingstads fanden acht gut erhaltene Gebäudeüberreste. Typische Grassodenhäuser wie aus Island oder Grönland. Dazu eine Schmiede und Werkstattbereiche.

Die Strukturen passten genau zu nordischen Bauweisen. Die Lage an einer geschützten Bucht war strategisch klug gewählt. Hier konnten Schiffe leicht anlanden und repariert werden.

Fundstücke belegten die Herkunft der Bewohner. Eine bronzene Stecknadel, Webgewichte und eine Steinlampe. Alles typisch skandinavisch aus der Zeit um das Jahr 1000.

Leben in der neuen Welt: Aufbau und Handwerk

Die Siedlung diente als Basislager für weitere Erkundungen. Handwerker reparierten Schiffe und verarbeiteten Eisen. Archäologen fanden Schlackenreste und Amboss-Spuren.

Wohnhäuser boten Platz für etwa 30-40 Personen. Grassoden isolierten gegen die Kälte. Zentralfeuerstellen wärmten und dienten zum Kochen.

Handelsaktivitäten belegen Funde von Walnuss-Schalen. Diese stammten von weiter südlich gelegenen Gebieten. Die Nordleute erkundeten also die Region systematisch.

Warum die Siedlung aufgegeben wurde

Radiokarbondatierungen zeigen eine kurze Nutzungsdauer. Wahrscheinlich nur wenige Jahre um das Jahr 1000. Dann verließen die Bewohner den Ort abrupt.

Gründe für die Aufgabe waren vielfältig. Konflikte mit indigenen Gruppen erschwerten das Leben. Ressourcenknappheit machte dauerhaftes Überleben schwierig.

Die große Entfernung zu Grönland isolierte die Siedlung. Nachschub war kaum möglich. Letztlich überwogen die Risiken die Vorteile.

AspektBefundBedeutungZeitraum
Gebäude8 GrassodenstrukturenWohnen und Handwerkum 1000 n. Chr.
ArtefakteBronzenadel, WebgewichteSkandinavische Herkunftum 1000 n. Chr.
HandwerkEisenverarbeitung, SchiffbauReparaturbasiskurze Nutzungsdauer
HandelWalnuss-SchalenErkundung südlicher Gebieteum 1000 n. Chr.

Heute ist L’Anse aux Meadows UNESCO-Welterbe. Nachbauten zeigen das Leben der ersten europäischen Siedler. Moderne Forschungen mit Isotopenanalyse geben neue Einblicke.

Die Stätte beweist: Nordische Seefahrer erreichten Amerika vor Kolumbus. Wenn auch nur für kurze Zeit. Ihr Mut zur Erkundung bleibt bewundernswert.

Nicht nur Westen: Wikinger Entdeckungen in Europa und beyond

Während die atlantischen Fahrten berühmt sind, zeigt ein Blick ostwärts ein noch größeres Reich. Nordische Seefahrer erreichten nicht nur Amerika, sondern auch ferne Zivilisationen in Osteuropa und dem Nahen Osten.

Ihre Präsenz erstreckte sich über drei Kontinente. Von Handelsmetropolen in Deutschland bis zu Palastwachen in Byzanz. Diese östliche Richtung der Expansion bleibt oft unterschätzt.

Haithabu: Handelsmetropole in Schleswig-Holstein

Haithabu war im 10. Jahrhundert das bedeutendste Handelszentrum Nordeuropas. Strategisch zwischen Nord- und Ostsee gelegen, kontrollierte es wichtige Handelsrouten. Die Stadt verband skandinavische, slawische und fränkische Händler.

Archäologische Funde belegen den regen Warenaustausch. Arabische Silbermünzen, rheinische Keramik und baltischer Bernstein. Das Danewerk schützte diese blühende Handelsstadt.

Moderne Forschungen zeigen die komplexe Infrastruktur. Aktuelle Hafenforschungen belegen die ingeniertechnischen Leistungen. Hafenbecken und Kaianlagen ermöglichten effizienten Warenumschlag.

Bis nach Byzanz: Die Warägergarde in Istanbul

In Konstantinopel dienten nordische Krieger als Elitegardisten. Die Warägergarde beschützte persönlich den byzantinischen Kaiser. Diese Einheit genoss besondere Privilegien und Respekt.

Rekrutiert wurden sie oft über die Flüsse Russlands. Die Garde existierte über vier Jahrhunderte hinweg. „Treue bis in den Tod“ charakterisierte ihren Dienst.

Kulturelle Spuren finden sich in der Hagia Sophia. Runeninschriften bezeugen nordische Präsenz im Herzen von Byzanz. Diese Gravuren sind stumme Zeugen einer faszinierenden Kulturbegegnung.

Fernhandel: Wikinger auf Kamelen in Bagdad

Die Handelswege führten bis in den Irak. Nordische Händler bereisten die Seidenstraße auf Kamelen. Sie tauschten Pelze und Sklaven gegen orientalische Silbermünzen.

Arabische Gelehrte beschreiben diese fremden Händler detailliert. Ibn Fadlan dokumentierte ihre Bräuche und Erscheinung. Sein Bericht aus dem Jahr 922 bleibt eine einzigartige Quelle.

Der Warenaustausch war für beide Seiten profitabel. Walross-Elfenbein gegen Silberdirhams. Diese Münzen fand man später in skandinavischen Schatzfunden.

Die Expansion umfasste auch mediterrane Inseln und nordafrikanische Küsten. Überfälle in Frankreich, Italien und Spanien zeigen ihre Reichweite. In Galicien feiert man heute noch dieses Erbe mit historischen Festen.

Genetische Studien bestätigen diese weitreichende Migration. DNA-Spuren finden sich von Irland bis zur Krim. Die Nordleute waren wahre Globalisierer ihrer Epoche.

Die Motive: Was trieb die Wikinger so weit hinaus?

Warum verließen die Nordleute ihre Heimat für gefährliche Reisen? Bevölkerungsdruck und Landnot zwangen viele zur Suche nach neuen Gebieten. Politische Konflikte vertrieben andere, wie Erik der Rote.

Abenteuerlust und Handelsinteressen zogen sie bis nach Bagdad. Die Sagas dokumentieren diese Motive als literarische Quellen. Moderne Untersuchungen bestätigen sie durch archäologische Beweise.

Push-Faktoren trieben sie aus Skandinavien. Pull-Faktoren lockten mit Reichtum und Ruhm. Diese Mischung aus Not und Neugier prägte die Geschichte.

Kritisch betrachtet: Plünderungen und Sklaverei brachten Profit. Doch langfristig formten diese Motive Nationen und Kulturen. Die Zeit der Nordleute zeigt menschlichen Entdeckergeist in Reinform.

Das Wichtigste in Kürze:
– Entdeckungen von Island bis Amerika
– Technische Innovationen im Schiffbau
– Nachhaltige kulturelle Impacts

Quellen: 1. Battle-Merchant (Hendrik Pahl), 2. loveexploring.com, 3. Battle-Merchant (zweiter Artikel)

FAQ

Q: Wann erreichten die Nordmänner Nordamerika und wo ist der Beweis?

A: Archäologische Untersuchungen in L’Anse aux Meadows auf Neufundland belegen, dass eine Gruppe um Leif Eriksson bereits um das Jahr 1000 eine Siedlung errichtete. Die Überreste von Langhäusern und einer Schmiede gelten als der erste handfeste Beweis für ihre Anwesenheit.

Q: Wie konnten die Seefahrer ohne Kompass so weite Strecken navigieren?

A: Sie nutzten ein erstaunliches Wissen über die Natur. Die Position der Sonne, die Beobachtung von Seevögeln, Meeresströmungen und Wellenmuster dienten als Wegweiser. Zudem gibt es Hinweise auf die Verwendung sogenannter „Sonnensteine“ zur Bestimmung der Himmelsrichtung bei Bewölkung.

Q: Warum wurde die Siedlung in Vinland wieder aufgegeben?

A: Die Entfernung zu den grönländischen Siedlungen war enorm und die Versorgung schwierig. Konflikte mit der indigenen Bevölkerung, die die Wikinger „Skraelinger“ nannten, sowie ein vermutlich nicht ausreichender Zuzug von Siedlern führten schließlich zur Aufgabe des Außenpostens nach wenigen Jahren.

Q: Was trieb die Wikinger überhaupt zu diesen gefährlichen Reisen?

A: Es war eine Mischung aus verschiedenen Motiven: Die Suche nach neuem Land und Ressourcen für die wachsende Bevölkerung, Abenteuerlust und der Drang nach Ruhm, aber auch politische Konflikte und Verbannungen, wie im Fall von Erik dem Roten, spielten eine große Rolle.

Q: Reisten die Nordleute nur nach Westen?

A: Keineswegs. Ihre Fahrten und Handelsrouten erstreckten sich in alle Himmelsrichtungen. Im Osten segelten sie die Flüsse hinab bis nach Byzanz, wo sie als Warägergarde dienten, und sogar bis in den Nahen Osten, wo Handelsgüter ausgetauscht wurden.

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