📖 Lesezeit: 5 Minuten | Stand: 13. Januar 2026, 10:00 Uhr
Unwort des Jahres 2025: „Sondervermögen“ – Jury kritisiert Verschleierung von Schulden
Das Unwort des Jahres 2025 steht fest: Die sprachkritische Jury in Marburg hat den Begriff „Sondervermögen“ gewählt. Die Begründung: Das Wort verschleiere, dass es in Wahrheit um Staatsschulden gehe – nicht um Vermögen. Aus über 2.600 Einsendungen wählte die Jury den Begriff, der die politischen Debatten 2025 maßgeblich geprägt hat.
🏆 Unwort des Jahres 2025: „Sondervermögen“ – Der Begriff verschleiert laut Jury die Aufnahme von Schulden und unterminiert die demokratische Debatte über Staatsverschuldung.
Die Bekanntgabe erfolgte am Dienstagmorgen an der Philipps-Universität Marburg. Jury-Sprecherin Prof. Constanze Spieß erklärte, der Ausdruck habe sich im öffentlichen Diskurs verselbstständigt und führe Bürgerinnen und Bürger in die Irre.
Warum ist „Sondervermögen“ das Unwort 2025?
Die Jury begründete ihre Entscheidung ausführlich: Im Alltag verstehen die meisten Menschen unter „Vermögen“ etwas Positives – Besitz, Eigentum, Reichtum. Doch im haushaltspolitischen Fachjargon bedeutet „Sondervermögen“ das genaue Gegenteil: einen Nebenhaushalt, der mit der Aufnahme von Schulden verbunden ist.
| Alltagsbedeutung | Politische Bedeutung |
|---|---|
| Spezielle Menge an Eigentum | Nebenhaushalt mit Schuldenaufnahme |
| Positiv konnotiert | Kreditermächtigung des Staates |
| Vermögenswert | Staatsverschuldung |
💬 Jury-Begründung: „Der Gebrauch des Technizismus in der öffentlichen Kommunikation verdeckt, was mit ihm gemeint ist – nämlich die Aufnahme von Schulden. Dadurch werden demokratische Debatten über die Notwendigkeit der Schuldenaufnahme unterminiert.“
Der Begriff prägte 2025 die politischen Debatten über Investitionsprogramme und Staatsverschuldung – von der Infrastruktur bis zur Verteidigung. Viele Bürger seien mit der administrativen Spezialbedeutung nicht vertraut und würden durch die irreführende Wortwahl getäuscht, so die Jury.
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Weitere Unwort-Kandidaten 2025
Insgesamt gingen 2.631 Einsendungen mit 533 verschiedenen Begriffen bei der sprachkritischen Aktion ein. Rund 70 davon entsprachen den Kriterien der Jury. Die am häufigsten eingesendeten Begriffe:
| Begriff | Einsendungen | Kontext |
|---|---|---|
| Friedensangst | 582 | Sicherheitspolitische Debatte |
| umstritten | 427 | Mediensprache |
| Deal | 215 | Trump-Rhetorik, Politik |
| Ladeerlebnis | 154 | E-Mobilität, Marketing |
| Stadtbild | 141 | Migrationsdebatte (Merz) |
| Drecksarbeit | 91 | Israel-Iran-Konflikt (Merz) |
| Sondervermögen | 79 | Haushaltspolitik ✅ Gewinner |
| kriegstüchtig | 42 | Verteidigungspolitik |
💡 Wichtig: Die Anzahl der Einsendungen ist nicht entscheidend für die Wahl. Die Jury prüft, ob ein Begriff die Kriterien erfüllt – unabhängig davon, wie oft er vorgeschlagen wurde.
Persönliches Unwort: „Umsiedlung“
Das diesjährige Gastmitglied der Jury, der Journalist, Autor und Jurist Ronen Steinke, wählte als sein persönliches Unwort den Begriff „Umsiedlung“.
Seine Begründung: Mit diesem Ausdruck hätten israelische und amerikanische Politiker 2025 dafür geworben, die Bevölkerung des Gazastreifens dauerhaft in andere Länder zu schicken. „Was klingt wie eine Wohltat, verschleiert ein Verbrechen“, so Steinke.
Wer wählt das Unwort des Jahres?
Die Jury der sprachkritischen Aktion „Unwort des Jahres“ arbeitet institutionell unabhängig und ehrenamtlich. Sie besteht aus:
| Name | Funktion | Institution |
|---|---|---|
| Prof. Constanze Spieß | Sprecherin | Philipps-Universität Marburg |
| Prof. Kristin Kuck | Sprachwissenschaftlerin | Universität Magdeburg |
| Prof. Martin Reisigl | Sprachwissenschaftler | Universität Wien |
| Prof. David Römer | Sprachwissenschaftler | Universität Kassel |
| Alexandra-K. Kütemeyer | Journalistin | Ständiges Mitglied |
| Ronen Steinke | Gastmitglied 2025 | Journalist, Autor, Jurist |
Die Unwörter der letzten Jahre
Die Aktion „Unwort des Jahres“ gibt es seit 1991. Sie macht auf unangemessene Formen des öffentlichen Sprachgebrauchs aufmerksam. Ein Rückblick auf die jüngsten Unwörter:
| Jahr | Unwort | Themenbereich |
|---|---|---|
| 2025 | Sondervermögen | Haushaltspolitik |
| 2024 | Biodeutsch | Identitätsdebatte |
| 2023 | Remigration | Migrationspolitik |
| 2022 | Klimaterroristen | Klimaproteste |
| 2021 | Pushback | Flüchtlingspolitik |
| 2020 | Corona-Diktatur / Rückführungspatenschaften | Pandemie / Migration |
| 2019 | Klimahysterie | Klimadebatte |
Unterschied: Unwort vs. Wort des Jahres
📚 Gut zu wissen: Das „Unwort des Jahres“ (Marburg) und das „Wort des Jahres“ (Wiesbaden) sind zwei verschiedene Aktionen. Das Wort des Jahres 2025 – „KI-Ära“ – wurde bereits Anfang Dezember von der Gesellschaft für deutsche Sprache gekürt.
| Kriterium | Unwort des Jahres | Wort des Jahres |
|---|---|---|
| Verantwortlich | Sprachkritische Aktion Marburg | Gesellschaft für deutsche Sprache |
| Ziel | Kritik an Sprachmissbrauch | Sprachliche Dokumentation |
| Begriff 2025 | Sondervermögen | KI-Ära |
| Bekanntgabe | Januar (Folgejahr) | Dezember |
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Unwort des Jahres 2025?
Warum wurde „Sondervermögen“ zum Unwort gewählt?
Welche anderen Begriffe wurden vorgeschlagen?
Was war das Unwort des Jahres 2024?
Wer wählt das Unwort des Jahres?
Kann ich selbst Unwörter vorschlagen?
Fazit: Sprache als Spiegel der Politik
Das Unwort des Jahres 2025 „Sondervermögen“ zeigt einmal mehr, wie politische Sprache dazu genutzt werden kann, unbequeme Wahrheiten zu verschleiern. Während Politiker von „Sondervermögen“ für Infrastruktur, Verteidigung und Klimaschutz sprechen, meinen sie in Wahrheit: neue Schulden.
Die sprachkritische Aktion erfüllt damit eine wichtige Funktion: Sie macht auf irreführende, beschönigende und manipulative Sprache aufmerksam – und fördert einen bewussteren Umgang mit Worten in der öffentlichen Debatte.
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