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Washington – Ein gewaltiger Wintersturm erfasst die USA und bedroht 235 Millionen Menschen in über 40 Bundesstaaten. Ein Dutzend Staaten haben bereits den Notstand ausgerufen. Mit Temperaturen bis minus 45 Grad Celsius und massiven Schneefällen könnte es einer der schwersten Winterstürme seit Jahren werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Betroffene: 235 Millionen Menschen in über 40 Bundesstaaten.
- Notstand: 12 Bundesstaaten haben den Ausnahmezustand ausgerufen.
- Temperaturen: Bis minus 45 Grad Celsius in Minnesota und North Dakota.
- Flugausfälle: Über 1.200 Flüge gestrichen, 4.000+ am Wochenende erwartet.
- Ursache: Gestreckter Polarwirbel treibt arktische Kaltluft nach Süden.
Medien sprechen von einem „Monstersturm“: Was sich derzeit über den USA zusammenbraut, könnte zu einem der verheerendsten Winterstürme der vergangenen Jahre werden. Der Nationale Wetterdienst (NWS) warnt vor „lebensbedrohlich kalter Luft“, die sich ab Freitag von den Rocky Mountains ostwärts über das Land ausbreitet.
12 Bundesstaaten rufen Notstand aus
Angesichts der drohenden Katastrophe haben bereits zwölf Bundesstaaten den Notstand erklärt:
Bundesstaaten im Ausnahmezustand
- Texas (134 Counties)
- Georgia
- South Carolina
- North Carolina
- Virginia
- Maryland
- Louisiana
- Arkansas
- Tennessee
- Alabama
- Mississippi
- Missouri
New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul warnte, die erwartete Kälte könne „absolut tödlich“ sein. Auch New York hat inzwischen einen Kältealarm ausgerufen – den ersten seit Einführung dieser Warnstufe im Oktober 2024.
Minus 45 Grad: Extreme Temperaturen erwartet
Die Temperaturen erreichen in einigen Regionen lebensbedrohliche Werte. In Teilen von Minnesota und North Dakota könnten sie laut Wetterdienst auf minus 45 Grad Celsius fallen. Der sogenannte Windchill – die gefühlte Temperatur durch den Windeffekt – macht die Situation noch gefährlicher:
Windchill-Prognose für Freitag
| Stadt | Gefühlte Temperatur |
|---|---|
| Minneapolis | -39°C |
| Madison/Green Bay | -39°C |
| Chicago | -32°C |
| Northern Plains | bis -46°C |
Bei diesen Temperaturen kann ungeschützte Haut innerhalb von 5 bis 10 Minuten Erfrierungen erleiden. Die Behörden warnen eindringlich davor, sich unnötig im Freien aufzuhalten.
3.000 Kilometer Schneespur
Der Sturm erstreckt sich über eine Distanz von rund 3.000 Kilometern – von New Mexico im Südwesten bis nach Maine im Nordosten. In mehreren Regionen werden massive Schneefälle erwartet:
- Texas Panhandle und Ozarks: Über 30 cm Schnee
- Zentrale Appalachen: Bis zu 60 cm (2 Fuß) möglich
- Pennsylvania, Maryland, West Virginia, Virginia: Regional bis zu 60 cm
- New York: 15-30 cm je nach Stadtteil
Besonders gefährlich: Im Süden droht Blitzeis, das Bäume und Stromleitungen unter seinem Gewicht zum Einsturz bringen kann. Hunderttausende Haushalte könnten tagelang ohne Strom bleiben.
Flugchaos: Über 4.000 Stornierungen erwartet
Der Sturm legt den Flugverkehr weitgehend lahm. Laut FlightAware wurden bereits über 1.200 Flüge gestrichen. Am Wochenende rechnen Experten mit mehr als 4.000 Flugausfällen.
Besonders betroffen sind Flughäfen, die nicht über ausreichende Enteisungskapazitäten verfügen:
- Dallas Fort Worth International Airport
- Hartsfield-Jackson Atlanta International Airport
- Nashville International Airport
- Memphis International Airport
- Clinton National Airport (Little Rock)
Alle großen US-Airlines haben Travel Waivers ausgestellt, die kostenlose Umbuchungen ermöglichen. American Airlines, Delta, United, Southwest, JetBlue und Spirit verzichten auf Umbuchungsgebühren für betroffene Passagiere.
Warum der Polarwirbel ausschlägt
Hinter dem Extremwetter steckt ein atmosphärisches Phänomen: Der sogenannte Polarwirbel – ein Gebiet mit bitterkalter Luft, das normalerweise über der Arktis eingeschlossen bleibt – hat sich ungewöhnlich weit nach Süden ausgedehnt.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Die sich durch den Klimawandel erwärmende Arktis verstärkt paradoxerweise Kältewellen in mittleren Breiten. Weniger Meereis in der Barents- und Karasee erzeugt ein Wellenmuster, das den normalerweise kreisförmigen Polarwirbel verformt und kalte Luftmassen nach Süden treibt. Eine MIT-Studie vom Juli 2025 bestätigt: In den letzten zehn Jahren traten häufiger gestreckte Polarwirbel auf.
Ryan Maue, früher Chefwissenschaftler der NOAA, bringt es auf den Punkt: „Die Atmosphäre ist perfekt auf dieses Muster eingespielt: warme Arktis, kalter Kontinent.“
Erinnerungen an Texas 2021
Die aktuelle Situation weckt Erinnerungen an den verheerenden Wintersturm im Februar 2021, der das texanische Stromnetz zum Kollaps brachte. Damals waren Millionen Menschen tagelang ohne Strom und Heizung – über 200 Menschen starben.
Texas-Gouverneur Greg Abbott hat diesmal vorgesorgt und eine Katastrophenerklärung für 134 Counties ausgerufen. Das Energieministerium koordiniert sich bereits mit Stromversorgern, um großflächige Ausfälle zu verhindern.
So schützen Sie sich
Verhaltensregeln bei Extremkälte
- Bleiben Sie zu Hause – vermeiden Sie Autofahrten
- Bereiten Sie Notfallvorräte vor: Wasser, Lebensmittel, Medikamente
- Halten Sie alternative Heizquellen bereit (mit Belüftung!)
- Überprüfen Sie Kohlenmonoxidmelder
- Schützen Sie Haustiere vor der Kälte
- Schauen Sie nach älteren Nachbarn
- Tragen Sie mehrere Kleidungsschichten, Mütze, Handschuhe, Schal
Die eisige Witterung soll laut Meteorologen bis Ende Januar und in den frühen Februar hinein anhalten.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Menschen sind vom Wintersturm betroffen?
Rund 235 Millionen Menschen in über 40 US-Bundesstaaten sind von dem Wintersturm betroffen. Für mehr als 160 Millionen gelten Wetterwarnungen.
Welche Temperaturen werden in den USA erwartet?
In Minnesota und North Dakota können die Temperaturen auf minus 45 Grad Celsius fallen. Die gefühlte Temperatur (Windchill) kann in nördlichen Regionen auf unter minus 46 Grad sinken.
Was ist ein Polarwirbel?
Der Polarwirbel ist ein Gebiet mit extrem kalter Luft, das normalerweise über der Arktis eingeschlossen bleibt. Wird er durch atmosphärische Veränderungen gestört, kann arktische Kaltluft weit nach Süden vordringen.
Wie lange wird der Wintersturm andauern?
Die Hauptphase des Sturms dauert vom 23. bis 25. Januar. Die Kältewelle soll laut Meteorologen bis Ende Januar und in den frühen Februar hinein anhalten.
Was tun, wenn mein Flug gestrichen wird?
Alle großen US-Airlines haben Travel Waivers ausgestellt. Betroffene Passagiere können kostenlos umbuchen oder erhalten eine Rückerstattung. Die meisten Umbuchungen lassen sich direkt über die Airline-Apps vornehmen.

