Elterliche Scham: Wenn Eltern sich für Ihre Kinder Schämen



Emotionen ordnen mit Dr. Peirano: Wenn elterliche Scham zum Begleiter wird

Elterliche Scham ist ein komplexes Gefühl, das entsteht, wenn Eltern sich für das Verhalten oder die Entscheidungen ihrer erwachsenen Kinder schämen. Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Scham oft mit den eigenen Erwartungen und Werten zusammenhängt und nicht unbedingt ein Spiegelbild der tatsächlichen Leistung oder des Charakters des Kindes ist.

Symbolbild zum Thema Elterliche Scham
Symbolbild: Elterliche Scham (Bild: Pexels)

Auf einen Blick

  • Elterliche Scham ist ein weit verbreitetes, aber selten offenes Thema.
  • Sie entsteht oft durch Diskrepanzen zwischen elterlichen Erwartungen und der Realität.
  • Offene Kommunikation und Selbstreflexion sind Schlüssel zur Bewältigung.
  • Professionelle Hilfe kann bei der Verarbeitung der Emotionen unterstützen.

Warum empfinden Eltern Scham für ihre erwachsenen Kinder?

Elterliche Scham wurzelt oft in der Angst vor sozialer Ablehnung oder der Verletzung eigener Werte. Eltern haben idealisierte Vorstellungen davon, wie ihre Kinder sein sollten und welche Erfolge sie erzielen müssten. Weichen die Kinder von diesen Vorstellungen ab, kann dies zu Schamgefühlen führen. Laut einer Meldung von Stern, kann dieser Zustand sehr belastend sein.

Katharina und Stefan, beide Mitte 50, haben viel in die Erziehung ihrer Kinder investiert. Sie förderten die musischen und sportlichen Talente ihrer Tochter Anna und unterstützten ihren Sohn Tim bei seinen schulischen Projekten. Heute, mit Mitte 20, jobbt Anna in einem Café, anstatt ihre Gesangsausbildung zu verfolgen, und Tim ist nach abgebrochenem Studium wieder zu Hause eingezogen und spielt Computerspiele. Katharina und Stefan fühlen sich zunehmend unwohl, wenn sie im Freundeskreis nach ihren Kindern gefragt werden.

💡 Tipp für Eltern

Versuchen Sie, die Erwartungen an Ihre Kinder zu überprüfen und sich auf deren individuellen Stärken und Wege zu konzentrieren. Jeder Mensch hat ein anderes Tempo und andere Ziele im Leben.

Wie äußert sich elterliche Scham im Alltag?

Elterliche Scham kann sich auf vielfältige Weise äußern. Einige Eltern vermeiden es, über ihre Kinder zu sprechen, während andere versuchen, deren Verhalten zu rechtfertigen oder zu beschönigen. Wieder andere reagieren mit Kritik und Vorwürfen, was die Beziehung zu den Kindern zusätzlich belastet. Die Psychologin Dr. Julia Peirano betont, wie wichtig es ist, diese Gefühle anzuerkennen und zu bearbeiten, anstatt sie zu verdrängen. (Lesen Sie auch: Emotionen ordnen mit Dr. Peirano: Wir waren…)

Ein Beispiel: Familie Müller trifft sich regelmäßig mit anderen Elternpaaren aus der Schulzeit ihrer Kinder. Früher waren sie stolz darauf, von den Erfolgen ihrer Kinder zu berichten. Jetzt, da Sohn Max eine Ausbildung abgebrochen hat und Tochter Lisa sich in einer finanziell prekären Situation befindet, vermeiden sie das Thema und lenken das Gespräch auf andere Dinge.

Welche Rolle spielen gesellschaftliche Erwartungen?

Gesellschaftliche Normen und Erwartungen spielen eine große Rolle bei der Entstehung elterlicher Scham. In einer Leistungsgesellschaft, in der Erfolg oft über materielle Güter und Karriere definiert wird, fühlen sich Eltern unter Druck gesetzt, „perfekte“ Kinder hervorzubringen. Wenn die Kinder diesen Erwartungen nicht entsprechen, kann dies zu Schamgefühlen führen. Laut einer Studie der Universität Bielefeld (Universität Bielefeld), ist der soziale Druck auf Eltern in den letzten Jahrzehnten gestiegen.

Es ist wichtig zu erkennen, dass Erfolg viele Gesichter hat und nicht nur durch akademische Leistungen oder beruflichen Aufstieg definiert wird. Ein erfülltes Leben kann auch durch soziales Engagement, kreative Tätigkeiten oder persönliche Beziehungen erreicht werden. Die Bundesregierung setzt sich für eine vielfältige Familienpolitik ein, die unterschiedliche Lebensentwürfe unterstützt.

👨‍👩‍👧‍👦 Tipp für Eltern

Konzentrieren Sie sich auf die positiven Eigenschaften und Stärken Ihrer Kinder. Fördern Sie deren Selbstvertrauen und unterstützen Sie sie dabei, ihren eigenen Weg zu finden.

Wie können Eltern mit Schamgefühlen umgehen?

Der erste Schritt zur Bewältigung elterlicher Scham ist die Akzeptanz der eigenen Gefühle. Es ist wichtig, sich einzugestehen, dass man sich schämt und zu verstehen, woher diese Gefühle kommen. Eine offene Kommunikation mit dem Partner oder anderen Vertrauten kann helfen, die Emotionen zu verarbeiten. Auch der Austausch mit anderen Eltern, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, kann entlastend sein. (Lesen Sie auch: Heidi Klum Kinder: So Erdet Sie sich…)

Dr. Peirano rät, die eigenen Erwartungen zu hinterfragen und sich bewusst zu machen, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg gehen muss. Es ist wichtig, die Kinder in ihren Entscheidungen zu unterstützen, auch wenn diese nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen. Eine Therapie oder Beratung kann helfen, die zugrunde liegenden Konflikte zu erkennen und neue Perspektiven zu entwickeln.

Welche Rolle spielt die Selbstreflexion?

Selbstreflexion ist ein wichtiger Bestandteil der Bewältigung elterlicher Scham. Eltern sollten sich fragen, welche Werte und Erwartungen sie an ihre Kinder haben und ob diese realistisch und angemessen sind. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass die eigenen Kinder eigenständige Individuen sind und nicht dazu da sind, die elterlichen Träume zu erfüllen. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Erziehung und den eigenen Vorbildern kann helfen, die Schamgefühle besser zu verstehen.

Einige Fragen, die Eltern sich stellen können, sind: Welche Vorstellungen hatte ich von meinem Kind? Woher stammen diese Vorstellungen? Sind sie wirklich meine eigenen oder habe ich sie von anderen übernommen? Was bedeutet Erfolg für mich persönlich? Bin ich bereit, die Definition von Erfolg meines Kindes zu akzeptieren?

Wie können Eltern die Beziehung zu ihren Kindern stärken?

Trotz Schamgefühlen ist es wichtig, die Beziehung zu den Kindern aufrechtzuerhalten und zu stärken. Eine offene und ehrliche Kommunikation ist dabei entscheidend. Eltern sollten ihren Kindern zuhören, ihre Perspektive verstehen und ihnen Wertschätzung entgegenbringen. Auch wenn man mit den Entscheidungen der Kinder nicht einverstanden ist, sollte man ihnen das Gefühl geben, dass man sie liebt und unterstützt. Gemeinsame Aktivitäten und Unternehmungen können helfen, die Bindung zu stärken und positive Erfahrungen zu sammeln. Die Deutsche Familienversicherung (Deutsche Familienversicherung) bietet Informationen und Unterstützung für Familien in verschiedenen Lebenslagen.

Detailansicht: Elterliche Scham
Symbolbild: Elterliche Scham (Bild: Pexels)
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Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Scham und Schuld?

Scham ist ein Gefühl, das sich auf das Selbstbild bezieht („Ich bin schlecht“), während Schuld sich auf eine Handlung bezieht („Ich habe etwas Schlechtes getan“). Elterliche Scham bezieht sich also auf das Gefühl, als Elternteil nicht gut genug zu sein, während Schuld sich auf spezifische Fehler in der Erziehung bezieht.

Wie kann ich vermeiden, meinen Kindern Vorwürfe zu machen?

Versuchen Sie, Ihre Gefühle zu reflektieren und die Ursachen Ihrer Vorwürfe zu erkennen. Konzentrieren Sie sich darauf, Ihre Bedürfnisse und Wünsche klar und respektvoll zu kommunizieren, ohne Ihr Kind zu beschuldigen. Formulieren Sie Ihre Aussagen als „Ich“-Botschaften.

Wann sollte ich professionelle Hilfe in Anspruch nehmen?

Wenn die Schamgefühle Ihr Leben stark beeinträchtigen, die Beziehung zu Ihrem Kind belasten oder Sie sich depressiv oder ängstlich fühlen, ist es ratsam, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Therapeut kann Ihnen helfen, Ihre Emotionen zu verarbeiten und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Wie kann ich meine Kinder unterstützen, ohne mich in ihr Leben einzumischen?

Bieten Sie Ihre Unterstützung an, aber respektieren Sie die Entscheidungen und Grenzen Ihrer Kinder. Hören Sie ihnen zu, geben Sie Ratschläge, wenn sie darum bitten, und vertrauen Sie darauf, dass sie ihren eigenen Weg finden werden. Vermeiden Sie es, ungefragt Ratschläge zu geben oder sich in ihr Leben einzumischen. (Lesen Sie auch: Wasserspielzeug Kinder: So wird der Sommer zum…)

Was kann ich tun, wenn ich mich für die Berufswahl meines Kindes schäme?

Versuchen Sie, die positiven Aspekte der Berufswahl Ihres Kindes zu erkennen. Fragen Sie sich, was Ihrem Kind an diesem Beruf gefällt und welche Fähigkeiten es dabei einsetzen kann. Akzeptieren Sie, dass Ihr Kind andere Prioritäten hat als Sie und unterstützen Sie es dabei, seinen eigenen Weg zu gehen.

Elterliche Scham ist ein komplexes und oft tabuisiertes Gefühl. Indem Eltern ihre eigenen Erwartungen hinterfragen, offen mit ihren Kindern kommunizieren und sich bei Bedarf professionelle Hilfe suchen, können sie diese Emotionen bewältigen und eine gesunde Beziehung zu ihren erwachsenen Kindern aufbauen. Ein wichtiger Schritt ist es, sich daran zu erinnern, dass der Wert eines Menschen nicht durch seinen beruflichen Erfolg oder seinen sozialen Status bestimmt wird, sondern durch seine Menschlichkeit und seine Fähigkeit, ein erfülltes Leben zu führen.

Illustration zu Elterliche Scham
Symbolbild: Elterliche Scham (Bild: Pexels)

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