Schulskikurse: Lehrkräfte fordern mehr Einsatz der Politik

⏱️ Lesezeit: 5 Minuten

Die Teuerung macht Schulskikurse für viele Familien unerschwinglich. Lehrervertreter Paul Kimberger fordert nun eine „Gesamtstrategie“ von Politik und Wirtschaft. Die finanzielle Unterstützung von Bund und Ländern reiche nicht aus – obwohl die Förderungen je nach Bundesland stark variieren.

📋 Das Wichtigste in Kürze

  • Forderung: Lehrervertreter Paul Kimberger (FCG) will mehr Einsatz von Politik und Wirtschaft
  • Problem: Teuerung macht Skikurse für viele Familien unbezahlbar
  • Kosten: Durchschnittlich 400 Euro, bei Älteren bis zu 700 Euro
  • Rückgang: Teilnahmequote von fast 20% (1980er) auf 14,5% (2018/19) gesunken
  • 70%-Klausel: Mindestens 70% einer Klasse müssen teilnehmen
  • Tirol: Fördert Skipässe plus An- und Abreise – Rekordteilnahme
  • Oberösterreich: Kostenlose Liftkarte im Bundesland – 89% Teilnahmequote

Schulskikurse gehören für viele österreichische Schüler zu den Highlights ihrer Schulzeit. Doch die Teuerung der letzten Jahre macht es für Schulen immer schwieriger, Skikurse und Wintersportwochen anzubieten. Der oberste Lehrervertreter Paul Kimberger (FCG) schlägt nun Alarm und fordert mehr Unterstützung.

Warum fordern Lehrkräfte mehr Einsatz für Schulskikurse?

Viele Familien könnten oder wollten sich die Kosten für Ausrüstung, Liftkarte und Quartier nicht mehr leisten, erklärt Kimberger gegenüber der APA. Es gibt zwar finanzielle Unterstützung von Bund und Ländern – diese sei aber zu gering.

„Hier braucht es eine Gesamtstrategie. Skikurse, Wintersportwochen mit Alternativangeboten wie Schneeschuhwandern und andere Schulveranstaltungen sind ein wichtiger Teil des Schullebens und stärken die Klassengemeinschaft.“

— Paul Kimberger, Lehrervertreter (FCG)

Der frühere Sportlehrer betont, dass gemeinsame Aktivitäten an der frischen Luft in Zeiten, in denen Kinder und Jugendliche immer mehr Zeit vor digitalen Geräten verbringen, umso wichtiger seien.

Was kostet ein Schulskikurs?

Die Kosten für einen Schulskikurs können je nach Alter und Dauer erheblich variieren. Laut der Schulkostenstudie der Arbeiterkammer (AK) haben Eltern für mehrtägige Schulveranstaltungen zuletzt im Schuljahr 2023/24 durchschnittlich 400 Euro ausgegeben. Bei älteren Schülern kann ein Schulskikurs laut Elternvertretern aber durchaus auf bis zu 700 Euro kommen.

KostenfaktorUngefähre Kosten
Unterkunft (5 Tage)200–350 Euro
Liftkarte (Woche)80–150 Euro
Skiausrüstung (Leihgebühr)50–100 Euro
An- und Abreise30–80 Euro
Taschengeld, Extras30–50 Euro
Gesamt (Durchschnitt)400–700 Euro

Wie hat sich die Teilnahme an Schulskikursen entwickelt?

Die Schulskikurse und Wintersportwochen haben einen jahrzehntelangen Abwärtstrend hinter sich. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:

ZeitraumTeilnahmequoteTrend
Mitte 1980er JahreFast 20%Höchststand
Anfang 201113,5%Tiefpunkt
2018/1914,5%Leichte Erholung

Was ist die 70-Prozent-Klausel?

Seit der Abschaffung der Teilnahmepflicht an mehrtägigen Schulveranstaltungen Mitte der 1990er Jahre gilt: Mindestens 70 Prozent einer Klasse müssen teilnehmen, sonst findet die Veranstaltung nicht statt.

Laut Kimberger wurde diese Klausel schon vor Beginn der jüngsten Teuerungswelle immer seltener erfüllt. Mittlerweile werde die Regelung von den Schulbehörden „sehr großzügig“ gehandhabt, indem etwa mehrere Klassen zusammengefasst werden.

Die Servicestelle Schulsportwochen fordert eine Überarbeitung dieser Regelung, um mehr Flexibilität zu ermöglichen.

Welche Förderungen gibt es in den Bundesländern?

Die Unterstützung für Schulskikurse variiert stark je nach Bundesland. Das führt zu sehr unterschiedlichen Teilnahmequoten:

BundeslandFörderungErgebnis
🏔️ TirolMax. 250€ Kurskosten + max. 500€ Transport pro KlasseRekordmeldungen
🎿 OberösterreichKostenlose Liftkarte (nur im Bundesland)89% der Schulen
⛷️ KärntenVergünstigter Skipass (21€/3 Tage VS, 55€/Woche Sek)Weniger Skitage
🚌 SteiermarkFörderung Bus-/Bahnkosten
🏂 SalzburgSkisicherheitstage, Bonuspunkte-System

💡 Erfolgsmodell Tirol

Im Vorjahr wurde die Unterstützung für Schulskikurse in Tirol weiter ausgebaut. Seither werden neben den Skipässen auch An- und Abreise gefördert. Das Ergebnis: Rekordteilnahme bei den Schulskikursen. Die Abwicklung erfolgt über das Tiroler Schulsportservice.

Warum ist Oberösterreich ein Sonderfall?

In Oberösterreich übernimmt das Land die Kosten der Liftkarte – allerdings nur, wenn der Skikurs in einem oberösterreichischen Skigebiet stattfindet. Die Teilnahmequote lag zuletzt mit 89 Prozent der Schulen wieder höher als vor Corona.

Die Arbeiterkammer Oberösterreich kritisiert diese Einschränkung: „Es gibt in Oberösterreich nicht annähernd so viele Skigebiete, dass alle Skikurse in unserem Bundesland stattfinden könnten“, so AK-Präsident Andreas Stangl. Wer nach Salzburg oder in die Steiermark ausweichen müsse, werde vom Land weiterhin mit unnötigen Kosten belastet.

Welche Alternativen gibt es für Nicht-Skifahrer?

Moderne Wintersportwochen bieten längst nicht mehr nur Skifahren an. Viele Schulen setzen auf Alternativprogramme:

AktivitätBeschreibung
SchneeschuhwandernNaturerlebnis ohne Liftkarte
LanglaufenGünstiger als Alpin-Ski
RodelnFür Anfänger geeignet
EislaufenAlternative bei wenig Schnee
FackelwanderungenAbendprogramm

Was fordert der Lehrervertreter konkret?

Paul Kimberger sieht sowohl Bildungs- als auch Sportpolitik gefordert. Seine Kernforderungen:

  • Eine Gesamtstrategie für den Erhalt von Schulveranstaltungen
  • Mehr finanzielle Unterstützung durch Bund und Länder
  • Einbindung der Wirtschaft – etwa Seilbahnbetreiber und Tourismusbranche
  • Überarbeitung der 70-Prozent-Klausel
  • Bundesweite Harmonisierung der Förderungen

❓ Häufig gestellte Fragen

Was kostet ein Schulskikurs durchschnittlich?

Laut Arbeiterkammer-Schulkostenstudie geben Eltern für mehrtägige Schulveranstaltungen durchschnittlich 400 Euro aus. Bei älteren Schülern kann ein Schulskikurs aber bis zu 700 Euro kosten – abhängig von Unterkunft, Skigebiet und Dauer.

Was ist die 70-Prozent-Klausel bei Schulskikursen?

Seit Mitte der 1990er Jahre müssen mindestens 70 Prozent einer Klasse an einem Schulskikurs teilnehmen, damit dieser stattfinden kann. Diese Regelung wird mittlerweile großzügig gehandhabt, etwa durch Zusammenlegung mehrerer Klassen.

Welche Förderungen gibt es für Schulskikurse in Österreich?

Die Förderungen variieren stark nach Bundesland. Tirol fördert bis zu 250€ Kurskosten plus 500€ Transport pro Klasse. Oberösterreich bietet kostenlose Liftkarten für Skikurse im Bundesland. Kärnten hat vergünstigte Skipässe, die Steiermark fördert Transportkosten.

Warum gehen immer weniger Schüler auf Skikurs?

Die Hauptgründe sind die gestiegenen Kosten durch die Teuerung, die viele Familien nicht mehr tragen können oder wollen. Die Teilnahmequote ist von fast 20% in den 1980er Jahren auf etwa 14,5% gesunken.

Gibt es Alternativen zum klassischen Schulskikurs?

Ja, viele Schulen bieten Wintersportwochen mit Alternativprogrammen an: Schneeschuhwandern, Langlaufen, Rodeln, Eislaufen oder Fackelwanderungen. Diese sind oft günstiger als klassisches Alpin-Skifahren.

Wer ist Paul Kimberger?

Paul Kimberger ist der Vorsitzende der Pflichtschullehrergewerkschaft und einer der einflussreichsten Lehrervertreter Österreichs. Er gehört der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) an und war früher selbst Sportlehrer.

Können einkommensschwache Familien Unterstützung beantragen?

Ja, es gibt verschiedene Möglichkeiten: Die Schulveranstaltungshilfe des jeweiligen Bundeslandes, Förderungen der Bildungsdirektionen für Bundesschulen (AHS, BHS) sowie Unterstützungen der Arbeiterkammer. Die Anträge können meist über die Schule oder direkt gestellt werden.

Fazit: Schulskikurse brauchen eine Gesamtstrategie

Der Ruf nach mehr Unterstützung für Schulskikurse wird lauter. Während einige Bundesländer wie Tirol und Oberösterreich mit großzügigen Förderungen Erfolge verzeichnen, kämpfen andere Regionen mit sinkenden Teilnehmerzahlen.

Lehrervertreter Paul Kimberger hat recht: Es braucht eine bundesweite Gesamtstrategie, die Bildungs- und Sportpolitik sowie die Wirtschaft einbindet. Denn Schulskikurse sind mehr als nur Skifahren – sie stärken die Klassengemeinschaft, fördern Bewegung und schaffen Erinnerungen fürs Leben.

R

✍️ Redaktion

Unsere Redaktion berichtet über Bildung, Schule und aktuelle Entwicklungen in Österreich.

📅 Veröffentlicht am 26. Januar 2026

Schreibe einen Kommentar