Arbeitsmoral in Deutschland: Fakten, Studien und Statistiken

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Die Arbeitsmoral in Deutschland steht 2026 im Fokus einer hitzigen Debatte. Laut Gallup-Studie machen 78 Prozent der Beschäftigten nur noch „Dienst nach Vorschrift“ – ein Rekordwert. Die emotionale Bindung an den Arbeitgeber ist auf ein historisches Tief von 9 Prozent gefallen. Gleichzeitig arbeiten Deutsche im OECD-Vergleich deutlich weniger als andere Nationen. Die volkswirtschaftlichen Kosten durch „innere Kündigung“ werden auf bis zu 135 Milliarden Euro geschätzt.

📋 Das Wichtigste in Kürze

  • Dienst nach Vorschrift: 78% der Beschäftigten (2023: 67%)
  • Emotionale Bindung: Nur 9% hochgradig gebunden – Rekordtief
  • Arbeitszeit: 1.036 Stunden/Jahr – drittletzter OECD-Platz
  • Wochenarbeitszeit: 34,8 Stunden (EU-Schnitt: 37,1)
  • Krankenstand: Ca. 20 Fehltage pro Jahr – historisch hoch
  • Wirtschaftsschaden: 113-135 Mrd. EUR durch innere Kündigung
  • Generation Z: 81% geben bei der Arbeit ihr Bestes

Die Arbeitsmoral in Deutschland ist ein Dauerbrenner in der politischen und wirtschaftlichen Debatte. Kanzler Friedrich Merz hat den hohen Krankenstand kritisiert, Arbeitgeber fordern längere Arbeitszeiten, und Studien zeichnen ein düsteres Bild der Motivation. Doch wie steht es wirklich um die Leistungsbereitschaft der Deutschen?

Wie ist die Arbeitsmoral in Deutschland aktuell?

Der Gallup Engagement Index 2024 liefert alarmierende Zahlen zur Arbeitsmoral in Deutschland. Der sprichwörtliche „Dienst nach Vorschrift“ hat einen neuen Höchststand erreicht.

Kennzahl20242023
Dienst nach Vorschrift78%67%
Emotional hochgradig gebunden9% (Rekordtief)14%
Will >1 Jahr beim Arbeitgeber bleiben50%höher
Will >3 Jahre beim Arbeitgeber bleibenca. 33%höher

Fast zwei Millionen weniger Arbeitnehmer als im Vorjahr waren laut der Studie „mit Hand, Herz und Verstand bei der Sache“. Die volkswirtschaftlichen Kosten durch Produktivitätseinbußen schätzt Gallup auf 113 bis 135 Milliarden Euro jährlich.

Wie ist die Arbeitsmoral in Deutschland aktuell?

„Die vorherrschende schwach ausgeprägte emotionale Bindung trägt zur Wechselwilligkeit bei, während sich die Einschätzung des Arbeitsmarktes zunehmend von der wirtschaftlichen Lage entkoppelt.“

— Marco Nink, Gallup-Studienautor

Was sagen andere Studien zur Arbeitsmoral?

Die EY-Jobstudie 2025 zeichnet ein etwas positiveres Bild der Arbeitsmoral in Deutschland:

  • 72 Prozent der Beschäftigten bezeichnen sich als motiviert
  • 28 Prozent machen höchstens „Dienst nach Vorschrift“
  • 18 Prozent sind „hochmotiviert“
  • 30 Prozent finden keine Anerkennung für ihre Arbeit
  • 93 Prozent sagen, sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg

Die Liz Mohn Stiftung und Ipsos haben ebenfalls die Leistungsbereitschaft untersucht. Ihr Fazit: Die Bewertung der eigenen Arbeitsmoral unterscheidet sich stark nach demografischen Gruppen und Branchen.

Was sagen andere Studien zur Arbeitsmoral?

Wie steht es um die Arbeitsmoral der Generation Z?

Entgegen vieler Vorurteile zeigt die Trendstudie „Jugend in Deutschland 2025″ ein überraschendes Ergebnis: Die Arbeitsmoral der Generation Z ist hoch.

AussageZustimmung Gen Z
„Ich gebe bei der Arbeit mein Bestes“81%
„Ich bin Leistungsverweigerer“4%

Die Voraussetzung für gute Arbeitsmoral bei jungen Menschen sind laut der Studie eine gute Arbeitsatmosphäre und das Gefühl von Sicherheit. Fehlende Orientierung, überfrachtete Lehrpläne und mangelnder Praxisbezug führen hingegen zu Frustration.

Wie viel arbeiten die Deutschen im internationalen Vergleich?

Die Arbeitsmoral in Deutschland wird oft an der geleisteten Arbeitszeit gemessen. Hier zeigen OECD-Daten ein deutliches Bild:

LandArbeitsstunden/Jahr*
Neuseeland1.393
Tschechien1.324
USA1.291
OECD-Durchschnitt1.216
Deutschland1.036
Frankreich1.027
Belgien1.021

*Je Einwohner im Erwerbsalter (15-64 Jahre), 2023

Deutschland landet auf dem drittletzten Platz aller OECD-Länder. Nur Frankreich und Belgien arbeiten noch weniger.

Wie viel arbeiten die Deutschen im internationalen Vergleich?

📊 Arbeitszeit Deutschland – Die Zahlen

  • Wochenarbeitszeit: 34,8 Stunden (EU-Schnitt: 37,1)
  • Vollzeit: 40,4 Stunden/Woche
  • Teilzeit: 19,9 Stunden/Woche
  • Teilzeitquote: 29% (EU-Platz 3)
  • Erwerbsquote: 77% (OECD-Schnitt: 69%)
  • Wunscharbeitszeit: 32,8 Stunden (Rekordtief)

Sind die Deutschen wirklich arbeitsscheu?

Die niedrige Arbeitsstundenzahl bedeutet nicht automatisch mangelnde Arbeitsmoral. Experten nennen mehrere Gründe:

1. Hohe Erwerbsbeteiligung: Mit 77 Prozent liegt die Erwerbsquote in Deutschland deutlich über dem OECD-Schnitt von 69 Prozent. Mehr Menschen arbeiten – aber im Schnitt kürzer.

2. Hohe Teilzeitquote: 29 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten in Teilzeit (EU-Platz 3). Besonders Frauen sind häufiger in Teilzeit beschäftigt.

3. Mehr Urlaubstage: Deutschland hat im internationalen Vergleich mehr gesetzliche Urlaubstage und Feiertage.

4. Hohe Produktivität: Die Produktivität pro Arbeitsstunde ist in Deutschland sehr hoch. Weniger Arbeitszeit bedeutet nicht weniger Output.

„Eine geringere durchschnittliche Arbeitszeit sagt nichts über Fleiß oder Faulheit aus.“

— Unstatistik des Monats, RWI Leibniz-Institut

Wie hoch ist der Krankenstand in Deutschland?

Der Krankenstand ist ein weiterer Faktor in der Debatte um die Arbeitsmoral in Deutschland. Die Zahlen sind auf historischem Höchststand:

KennzahlWert 2024/2025
Krankenstand (AOK)6,5-6,7%
Durchschnittliche FehltageCa. 20-24 Tage/Jahr
AU-Fälle je 100 Versicherte228 (Höchstwert)
Wirtschaftliche Kosten (4 Jahre)Bis zu 160 Mrd. EUR

Hauptursachen für Krankmeldungen:

  • Atemwegserkrankungen (36% aller AU-Fälle)
  • Psychische Erkrankungen (17%)
  • Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen (17-20%)

Warum ist der Krankenstand so hoch?

Der AOK-Fehlzeiten-Report 2025 nennt mehrere Gründe für den hohen Krankenstand:

1. Infektionswellen: Erkältungen, Grippe und COVID-19 sorgen seit 2022 für hohe Fehlzeiten. Die Bevölkerungsimmunität ist nach der Pandemie gesunken.

2. Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU): Seit 2022 gehen Krankschreibungen direkt von Arztpraxen an die Krankenkassen. Früher wurden viele AU-Bescheinigungen nicht eingereicht – jetzt werden sie vollständig erfasst.

3. Psychische Belastungen: Stress, Arbeitsverdichtung und Personalmangel führen zu mehr psychischen Erkrankungen.

4. Arbeitsbedingungen: Gewerkschaften verweisen auf Arbeitsverdichtung und Personalmangel als Ursachen.

Was sagt die Politik zur Arbeitsmoral?

Kanzler Friedrich Merz hat den hohen Krankenstand kritisiert und eine Debatte ausgelöst:

„Das sind fast drei Wochen, in denen die Menschen in Deutschland aus Krankheitsgründen nicht arbeiten. Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?“

— Bundeskanzler Friedrich Merz

Diskutierte Maßnahmen:

  • Überprüfung der telefonischen Krankschreibung
  • Einführung eines Karenztages (erster Krankheitstag ohne Lohnfortzahlung)
  • Begrenzung der Lohnfortzahlung auf 6 Wochen pro Jahr insgesamt
  • Teilkrankschreibung bei bestimmten Erkrankungen

Gegenargumente:

  • Gewerkschaften warnen vor Generalverdacht gegen Arbeitnehmer
  • AOK: Karenztag ändert „nichts nachhaltig am hohen Krankenstand“
  • 73% der Beschäftigten halten telefonische Krankschreibung für sinnvoll
  • Kein systematischer Missbrauch nachweisbar

Was bedeutet „innere Kündigung“?

Die „innere Kündigung“ beschreibt einen Zustand, in dem Beschäftigte sich emotional von ihrem Arbeitgeber distanzieren, ohne formal zu kündigen. Anzeichen für sinkende Arbeitsmoral sind:

  • Geringe Eigeninitiative
  • Aufgaben werden nur nach Vorschrift erledigt
  • Sinkende Leistungsbereitschaft
  • Desinteresse an Weiterentwicklung
  • Fehlende Identifikation mit dem Unternehmen

Was können Arbeitgeber für bessere Arbeitsmoral tun?

Der Fehlzeiten-Report 2025 zeigt: Die Führungskultur hat großen Einfluss auf die Arbeitsmoral. Maßnahmen für mehr Engagement:

  • Wertschätzung: Anerkennung für geleistete Arbeit
  • Gute Führung: Gesundheitsorientiertes Verhalten der Vorgesetzten
  • Betriebliche Gesundheitsförderung: Höhere Zufriedenheit und stärkere Bindung
  • Work-Life-Balance: Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Möglichkeiten
  • Sinnstiftung: Mitarbeiter in Entscheidungen einbeziehen

❓ Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie viel Prozent der Deutschen machen Dienst nach Vorschrift?
+
Laut Gallup Engagement Index 2024 machen 78 Prozent der deutschen Beschäftigten nur noch „Dienst nach Vorschrift“. Das ist ein Rekordwert. 2023 waren es noch 67 Prozent. Nur 9 Prozent sind emotional hochgradig an ihren Arbeitgeber gebunden.
Wie viele Stunden arbeiten Deutsche pro Jahr?
+
Deutsche arbeiten im Schnitt 1.036 Stunden pro Jahr je Einwohner im Erwerbsalter. Das ist der drittletzte Platz aller OECD-Länder. Nur Frankreich (1.027) und Belgien (1.021) arbeiten noch weniger. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 1.216 Stunden.
Wie hoch ist der Krankenstand in Deutschland?
+
Der Krankenstand liegt bei 6,5 bis 6,7 Prozent (je nach Krankenkasse). Das entspricht etwa 20 bis 24 Fehltagen pro Beschäftigtem im Jahr. Der Wert ist auf historischem Höchststand. Hauptursachen sind Atemwegserkrankungen, psychische Erkrankungen und Rückenschmerzen.
Was kostet die schlechte Arbeitsmoral die Wirtschaft?
+
Gallup schätzt die volkswirtschaftlichen Kosten durch „innere Kündigung“ auf 113 bis 135 Milliarden Euro jährlich. Der VFA beziffert die Kosten durch Krankheitsausfälle in den letzten vier Jahren auf bis zu 160 Milliarden Euro.
Hat die Generation Z eine schlechte Arbeitsmoral?
+
Nein, laut der Trendstudie „Jugend in Deutschland 2025″ geben 81 Prozent der Generation Z bei der Arbeit ihr Bestes. Nur 4 Prozent bezeichnen sich als Leistungsverweigerer. Die junge Generation ist motiviert, wenn die Arbeitsatmosphäre stimmt und sie Sicherheit fühlen.
Wird der Karenztag eingeführt?
+
Ein Karenztag (erster Krankheitstag ohne Lohnfortzahlung) wird diskutiert, ist aber umstritten. Die AOK betont, dass ein Karenztag „nichts nachhaltig am hohen Krankenstand ändern“ würde. Die Bundesregierung prüft verschiedene Maßnahmen, darunter auch die telefonische Krankschreibung.
Sind die Deutschen wirklich faul?
+
Nein, die niedrige Arbeitsstundenzahl erklärt sich durch mehrere Faktoren: hohe Teilzeitquote (29%), hohe Erwerbsbeteiligung (77% vs. OECD 69%), mehr Urlaubstage und hohe Produktivität pro Arbeitsstunde. Die Statistik wird oft fehlinterpretiert.

Fazit: Arbeitsmoral in Deutschland – ein komplexes Bild

Die Arbeitsmoral in Deutschland zeigt 2026 ein gemischtes Bild. Einerseits sind die Zahlen zur emotionalen Bindung und zum „Dienst nach Vorschrift“ besorgniserregend. Fast 80 Prozent der Beschäftigten tun nur noch das Nötigste.

Andererseits arbeiten Deutsche produktiv und die Generation Z zeigt hohe Leistungsbereitschaft. Die niedrige Arbeitszeit erklärt sich durch hohe Teilzeitquoten und eine hohe Erwerbsbeteiligung – nicht durch Faulheit.

Der hohe Krankenstand hat vielfältige Ursachen: Infektionswellen, bessere Erfassung durch die eAU und psychische Belastungen. Einfache Lösungen wie ein Karenztag dürften wenig ändern. Entscheidend sind gute Arbeitsbedingungen, wertschätzende Führung und betriebliche Gesundheitsförderung.

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✍️ Redaktion

Unsere Redaktion berichtet über aktuelle Wirtschafts- und Gesellschaftsthemen in Deutschland.

📅 Veröffentlicht am 27. Januar 2026

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