Slapp Klage: Wie NGOs durch Klagen Mundtot Gemacht Werden

Eine SLAPP-Klage ist eine strategische Klage gegen öffentliche Beteiligung, die darauf abzielt, Kritiker durch hohe Prozesskosten und psychischen Druck einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen. Solche Klagen zielen weniger auf einen tatsächlichen juristischen Erfolg ab, sondern vielmehr darauf, die Beklagten zu entmutigen und von weiterer Kritik abzuhalten. Slapp Klage steht dabei im Mittelpunkt.

Symbolbild zum Thema Slapp Klage
Symbolbild: Slapp Klage (Bild: Picsum)

Zusammenfassung

  • SLAPP-Klagen dienen der Einschüchterung und dem Stummschalten von Kritikern.
  • Oft sind die Klagen juristisch wenig aussichtsreich, aber dennoch wirksam.
  • NGOs und Aktivisten sind häufige Ziele dieser Klagen.
  • Die Beklagten sollen durch hohe Kosten und psychischen Druck eingeschüchtert werden.

SLAPP-Klagen: Ein Instrument zur Einschüchterung von NGOs

SLAPP-Klagen, kurz für „Strategic Lawsuit Against Public Participation“, sind ein zunehmendes Problem für Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Aktivisten. Diese Klagen werden oft von Unternehmen oder Einzelpersonen mit viel Macht und finanziellen Ressourcen eingesetzt, um Kritiker zum Schweigen zu bringen. Wie SRF berichtet, liegt die eigentliche Intention nicht in einem gerichtlichen Sieg, sondern in der Abschreckung.

Die Taktik ist perfide: Durch die Androhung oder Einleitung eines kostspieligen und langwierigen Gerichtsverfahrens sollen die Betroffenen dazu gebracht werden, ihre Kritik zu unterlassen oder ihre Aktivitäten einzustellen. Die finanziellen und zeitlichen Belastungen, die mit der Verteidigung gegen eine solche Klage verbunden sind, können für kleinere Organisationen oder Einzelpersonen existenzbedrohend sein.

Ein Beispiel hierfür ist der Fall einer Umweltorganisation, die sich gegen ein Bauprojekt aussprach. Das Unternehmen, das das Projekt durchführte, reagierte mit einer SLAPP-Klage, in der es der Organisation vorwarf, falsche Informationen zu verbreiten und dem Ruf des Unternehmens zu schaden. Obwohl die Vorwürfe haltlos waren, sah sich die Organisation gezwungen, einen Anwalt zu engagieren und viel Zeit und Geld in die Verteidigung zu investieren. Dies lenkte von ihrer eigentlichen Arbeit ab und schüchterte andere potenzielle Kritiker ein.

⚠️ Achtung

SLAPP-Klagen sind nicht nur in der Schweiz ein Problem, sondern auch in vielen anderen Ländern. Die Europäische Union arbeitet derzeit an einer Richtlinie, um den Einsatz von SLAPP-Klagen einzudämmen.

Was ist das Ziel einer SLAPP-Klage?

Das primäre Ziel einer SLAPP-Klage ist es, Kritiker zu entmutigen und zum Schweigen zu bringen, anstatt tatsächlich einen Rechtsstreit zu gewinnen. Durch die Androhung hoher Anwaltskosten, langwieriger Gerichtsverfahren und öffentlicher Bloßstellung sollen die Beklagten eingeschüchtert und von weiterer Kritik oder Engagement abgehalten werden. Die Kläger setzen darauf, dass die Beklagten aufgrund der Belastung aufgeben. (Lesen Sie auch: Trinkwasser Stettfurt Wieder Sicher: Gemeinde Gibt Entwarnung)

Oftmals basieren die Vorwürfe auf einer sehr breiten Auslegung von Gesetzen, wie beispielsweise dem Schutz des guten Rufs eines Unternehmens. Die Kläger versuchen, jede Form von Kritik oder Meinungsäußerung als Rufschädigung darzustellen, um so eine rechtliche Grundlage für ihre Klage zu schaffen. Die Beklagten, oft NGOs oder Einzelpersonen, sehen sich dann mit einer Situation konfrontiert, in der sie entweder hohe Kosten für die Verteidigung aufbringen oder ihre Kritik zurückziehen müssen.

Es geht also weniger um die juristische Stichhaltigkeit der Klage, sondern vielmehr um die psychologische und finanzielle Belastung, die sie für die Beklagten bedeutet. Die Strategie zielt darauf ab, einen „Chilling Effect“ zu erzeugen, bei dem andere potenzielle Kritiker abgeschreckt werden, sich zu äußern oder zu engagieren, aus Angst vor ähnlichen Konsequenzen.

Wie funktionieren Klagen zur Einschüchterung?

Die Funktionsweise von Klagen zur Einschüchterung, auch bekannt als SLAPP-Klagen, basiert auf einer Kombination aus rechtlichen Mitteln und psychologischer Kriegsführung. Zunächst wird eine Klage eingereicht, die oft auf einer breiten Auslegung von Gesetzen basiert, beispielsweise dem Schutz des guten Rufs oder dem Urheberrecht. Die Klage kann sich gegen Einzelpersonen, NGOs oder andere Organisationen richten, die Kritik an den Klägern geäußert haben.

Der nächste Schritt besteht darin, die Beklagten mit hohen Anwaltskosten und einem langwierigen Gerichtsverfahren zu konfrontieren. Dies kann für kleinere Organisationen oder Einzelpersonen eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Zusätzlich zu den finanziellen Kosten kommt der psychische Druck hinzu, der durch die Klage entsteht. Die Beklagten müssen sich mit komplexen rechtlichen Fragen auseinandersetzen, ihre Position verteidigen und möglicherweise negative Publicity ertragen.

Die Kläger nutzen oft die Möglichkeiten des Gerichtsverfahrens, um die Beklagten zusätzlich zu belasten. Dies kann die Anforderung umfangreicher Dokumente, die Durchführung zeitraubender Vernehmungen oder die Einholung teurer Gutachten umfassen. Ziel ist es, die Beklagten zu zermürben und sie dazu zu bringen, ihre Kritik zurückzuziehen oder ihre Aktivitäten einzustellen. In vielen Fällen wird die Klage nicht bis zum Ende durchgezogen, sondern dient lediglich dazu, die Beklagten einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen.

Beispiele für den Einsatz von SLAPP-Klagen

SLAPP-Klagen werden in verschiedenen Bereichen eingesetzt, um Kritiker zum Schweigen zu bringen. Ein häufiges Anwendungsgebiet ist der Umweltschutz, wo Unternehmen Klagen gegen Umweltorganisationen einreichen, die sich gegen ihre Projekte aussprechen. Auch im Bereich der Medien und der Meinungsfreiheit kommen SLAPP-Klagen zum Einsatz, um Journalisten und Blogger einzuschüchtern, die kritisch über bestimmte Themen berichten. (Lesen Sie auch: Mattea Meyer Auszeit verlängert: Was Steckt Wirklich…)

Ein weiteres Beispiel sind Klagen gegen Whistleblower, die Missstände in Unternehmen oder Behörden aufdecken. Diese Klagen zielen oft darauf ab, die Whistleblower zu diskreditieren und sie davon abzuhalten, weitere Informationen preiszugeben. Auch im Bereich der Konsumentenrechte werden SLAPP-Klagen eingesetzt, um Verbraucherorganisationen und Einzelpersonen einzuschüchtern, die sich über Produkte oder Dienstleistungen beschweren.

Die Gemeinsamkeit all dieser Beispiele ist, dass die Kläger ihre rechtlichen Mittel nutzen, um Kritiker zum Schweigen zu bringen und ihre Interessen zu schützen. Die Beklagten sind oft in einer schwächeren Position und können sich die Kosten und den Aufwand für die Verteidigung gegen eine solche Klage kaum leisten.

💡 Tipp

Wenn Sie von einer SLAPP-Klage betroffen sind, suchen Sie sich rechtlichen Beistand und wenden Sie sich an Organisationen, die sich gegen SLAPP-Klagen einsetzen. Es gibt auch Möglichkeiten, finanzielle Unterstützung für die Verteidigung gegen solche Klagen zu erhalten.

Die Rolle der Gesetzgebung bei der Bekämpfung von SLAPP-Klagen

Die Gesetzgebung spielt eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung von SLAPP-Klagen. Viele Länder und Regionen haben Gesetze erlassen, die den Einsatz von SLAPP-Klagen einschränken oder erschweren. Diese Gesetze können beispielsweise vorsehen, dass Gerichte SLAPP-Klagen frühzeitig abweisen können, wenn sie offensichtlich unbegründet sind. Sie können auch vorsehen, dass die Kläger für die Kosten der Verteidigung aufkommen müssen, wenn sie eine SLAPP-Klage einreichen.

Die Europäische Union arbeitet derzeit an einer Richtlinie, um den Einsatz von SLAPP-Klagen in der gesamten Union einzudämmen. Die Richtlinie soll sicherstellen, dass Journalisten, Aktivisten und andere Personen, die sich für das öffentliche Interesse einsetzen, vor missbräuchlichen Klagen geschützt werden. Die Richtlinie soll auch den Zugang zu Rechtsbehelfen erleichtern und die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten verbessern.

Es ist wichtig, dass die Gesetzgebung nicht nur den Einsatz von SLAPP-Klagen einschränkt, sondern auch sicherstellt, dass die Opfer von SLAPP-Klagen angemessen entschädigt werden. Dies kann beispielsweise durch die Gewährung von Schadensersatz oder die Übernahme der Anwaltskosten erfolgen. Eine starke Gesetzgebung ist ein wichtiger Schritt, um den Einsatz von SLAPP-Klagen zu verhindern und die Meinungsfreiheit zu schützen. (Lesen Sie auch: Grossvater SS: Wie Umgehen mit der Nazi-Vergangenheit?)

Detailansicht: Slapp Klage
Symbolbild: Slapp Klage (Bild: Picsum)

Ausblick: Wie geht es weiter im Kampf gegen SLAPP-Klagen?

Der Kampf gegen SLAPP-Klagen ist noch lange nicht gewonnen. Obwohl es in einigen Ländern und Regionen bereits Gesetze gibt, die den Einsatz von SLAPP-Klagen einschränken, sind diese Gesetze oft nicht ausreichend oder werden nicht konsequent angewendet. Es ist daher wichtig, dass sich die Zivilgesellschaft weiterhin für eine stärkere Gesetzgebung und eine bessere Durchsetzung der bestehenden Gesetze einsetzt.

Ein wichtiger Schritt ist die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Problem der SLAPP-Klagen. Viele Menschen sind sich nicht bewusst, wie diese Klagen eingesetzt werden, um Kritiker zum Schweigen zu bringen. Durch die Aufklärung der Öffentlichkeit kann ein Bewusstsein für die negativen Auswirkungen von SLAPP-Klagen geschaffen und der Druck auf die Politik erhöht werden, wirksame Maßnahmen zu ergreifen.

Es ist auch wichtig, dass sich Journalisten, Aktivisten und andere Personen, die sich für das öffentliche Interesse einsetzen, nicht von SLAPP-Klagen einschüchtern lassen. Sie sollten sich weiterhin kritisch äußern und Missstände aufdecken, auch wenn sie mit dem Risiko einer Klage konfrontiert sind. Die Unterstützung von Organisationen, die sich gegen SLAPP-Klagen einsetzen, kann dabei helfen, die Kosten und den Aufwand für die Verteidigung gegen eine solche Klage zu bewältigen. Laut der Europäischen Kommission, sind SLAPPs eine wachsende Bedrohung für die Demokratie.

Ursprünglich berichtet von: SRF

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Häufig gestellte Fragen

Was genau versteht man unter einer SLAPP-Klage?

Eine SLAPP-Klage, kurz für „Strategic Lawsuit Against Public Participation“, ist eine Klage, die darauf abzielt, Kritiker durch hohe Prozesskosten und psychischen Druck einzuschüchtern und von weiterer Kritik abzuhalten. Das Ziel ist weniger ein juristischer Sieg, sondern die Entmutigung der Beklagten.

Wer sind typische Ziele von SLAPP-Klagen?

Typische Ziele sind Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Journalisten, Aktivisten und Whistleblower, die sich kritisch zu Unternehmen, Behörden oder Einzelpersonen äußern. Diese Gruppen verfügen oft nicht über die finanziellen Mittel, um sich gegen kostspielige Klagen zu verteidigen.

Welche Strategien werden bei SLAPP-Klagen eingesetzt?

Die Strategien umfassen die Androhung oder Einleitung kostspieliger Gerichtsverfahren, die Anforderung umfangreicher Dokumente, zeitraubende Vernehmungen und die Einholung teurer Gutachten. Ziel ist es, die Beklagten zu zermürben und zur Aufgabe zu bewegen.

Welche Rolle spielt die Gesetzgebung bei der Bekämpfung dieser Klagen?

Die Gesetzgebung ist entscheidend, um SLAPP-Klagen einzuschränken. Gesetze können vorsehen, dass Gerichte unbegründete Klagen frühzeitig abweisen und die Kläger für die Verteidigungskosten aufkommen müssen. Die Europäische Union arbeitet an einer Richtlinie zur Eindämmung dieser Klagen.

Wie können sich Betroffene gegen SLAPP-Klagen wehren?

Betroffene sollten sich rechtlichen Beistand suchen und sich an Organisationen wenden, die sich gegen SLAPP-Klagen einsetzen. Es gibt auch Möglichkeiten, finanzielle Unterstützung für die Verteidigung zu erhalten. Wichtig ist, sich nicht einschüchtern zu lassen und die Kritik weiterhin zu äußern.

Der Kampf gegen SLAPP-Klagen erfordert ein gemeinsames Vorgehen von Gesetzgebung, Zivilgesellschaft und Medien, um die Meinungsfreiheit zu schützen und sicherzustellen, dass Kritiker nicht durch missbräuchliche Klagen zum Schweigen gebracht werden. Organisationen wie Article 19 setzen sich aktiv für den Schutz der Meinungsfreiheit ein und bieten Unterstützung für Betroffene.

Illustration zu Slapp Klage
Symbolbild: Slapp Klage (Bild: Picsum)

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