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Das Wichtigste in Kürze
- Notstand: Präsident Selenskyj ruft für den gesamten Energiesektor der Ukraine den Notstand aus
- Betroffene: Über eine Million Menschen ohne Strom, Heizung und Wasser
- Temperaturen: Minus 12 bis minus 20 Grad – der kälteste Kriegswinter seit 2022
- Gebäude: Anfangs 6.000 Wohnblöcke ohne Heizung, aktuell noch rund 300-400
- Stromversorgung: Nur 2-3 Stunden Strom pro Tag für die meisten Haushalte
- Evakuierung: Rund 600.000 Menschen haben Kiew bereits verlassen
- EU-Hilfe: Hunderte Notstromaggregate werden in die Ukraine geschickt
Kiew kämpft am 25. Januar 2026 gegen die schlimmste Energiekrise seit Beginn des russischen Angriffskrieges. Massive Drohnen- und Raketenangriffe haben die Infrastruktur der ukrainischen Hauptstadt lahmgelegt. Bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt wird das Überleben für die drei Millionen Einwohner zum täglichen Kampf.
Was ist in Kiew passiert?
Am 9. Januar 2026 traf ein schwerer russischer Luftangriff die Energieinfrastruktur der ukrainischen Hauptstadt. Laut Berichten wurden dabei auch Oreschnik-Raketen eingesetzt. Die Kiewer Wärmeheizkraftwerke 5 und 6 wurden schwer beschädigt und fielen aus. Seitdem kämpfen Techniker rund um die Uhr, um die Versorgung wiederherzustellen – doch weitere Angriffe machen die Reparaturarbeiten immer wieder zunichte.
„Das ist wohl der härteste Blackout während des gesamten Krieges. Im Winter 2023 wurde der Strom zwar auch abgeschaltet, aber nicht für zwei bis drei Tage am Stück, wie es heute in einigen Häusern der Fall ist.“
— Rachel Strugatsky, Lehrerin in Kiew
Bürgermeister Vitali Klitschko beschreibt die Lage als die schwerste seit Februar 2022. Er rief die Bewohner sogar dazu auf, Kiew vorübergehend zu verlassen, um die Infrastruktur zu entlasten.
Wie kalt ist es in Kiew?
Der vierte Kriegswinter trifft die Ukraine mit voller Härte. Die Temperaturen in Kiew liegen aktuell bei:
| Tageszeit | Temperatur | Gefühlte Temperatur |
|---|---|---|
| Tagsüber | -7 bis -12 °C | -14 °C |
| Nachts | -17 bis -20 °C | -18 °C |
| In ungeheizten Wohnungen | +5 bis +8 °C | — |
Die letzten drei Kriegswinter waren relativ mild – dieser Winter ist anders. Laut Wetterberichten werden die extremen Bedingungen noch mindestens acht bis zehn Tage anhalten.
Wie reagiert die ukrainische Regierung?
Präsident Wolodymyr Selenskyj rief nach einer Krisensitzung den Notstand für den gesamten Energiesektor aus. Ein Koordinationszentrum wurde eingerichtet, das sich speziell um die Nöte der Dreimillionenstadt kümmern soll. Die Maßnahmen im Überblick:
| Maßnahme | Details |
|---|---|
| Notstand ausgerufen | Für den gesamten Energiesektor der Ukraine |
| Ausgangssperre gelockert | Bürger können jederzeit Aufwärmpunkte aufsuchen |
| „Punkte der Unbeugsamkeit“ | Rund 1.200 Aufwärmstellen in Schulen und Behörden |
| Aufwärmzelte | 45 Notfallzelte in besonders betroffenen Vierteln |
| Schulferien verlängert | Bis Anfang Februar |
| Neuer Energieminister | Denys Schmyhal wurde ernannt |
Der neu eingesetzte Energieminister Schmyhal kritisierte die Vorbereitungen Kiews scharf: „Kiew hat sich schlecht vorbereitet. Ich sage: überhaupt nicht vorbereitet. Deshalb muss man jetzt zu Notfallmaßnahmen greifen.“ Er lobte hingegen die Vorbereitungen der Stadt Charkiw – ein Seitenhieb gegen Bürgermeister Klitschko.
Wie überleben die Menschen in Kiew?
Die Bewohner der ukrainischen Hauptstadt entwickeln kreative Überlebensstrategien. In sozialen Medien kursieren Tipps, wie man in eiskalten Wohnungen überlebt:
| Überlebenstipp | Beschreibung |
|---|---|
| Ziegelstein-Methode | Ziegelsteine auf dem Gasherd erwärmen und als Wärmequelle im Bett nutzen |
| Wohnzimmer-Zelt | Camping-Zelt im Wohnzimmer aufstellen, um die Körperwärme zu halten |
| Kuscheltiere als Isolierung | Stofftiere in Fensterrahmen stopfen, um Kälte abzuhalten |
| Küche als Wärmezentrum | In Altbauten mit Gasheizung: Familie in der Küche versammeln, Türen schließen |
| Skianzug drinnen | Winterkleidung auch in der Wohnung tragen |
Die Tech-Unternehmerin Anastasiya Stepula (37) berichtet, wie sie drei Tage lang versuchte, sich in einem Skianzug warm zu halten. Als die Nachttemperaturen auf minus 19 Grad fielen, verließ sie schließlich ihre Wohnung im Zentrum Kiews, um einen wärmeren Ort zu finden.
Was sagt UNICEF zur Lage der Kinder?
Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF veröffentlichte am 16. Januar 2026 ein dringendes Statement:
„Kinder und ihre Familien leben im ständigen Überlebensmodus. Eltern können ihre Kinder weder baden, noch mit warmem Essen versorgen. Kuscheltiere werden in die Fenster gestopft, um die eisige Kälte draußen zu halten. Besonders Neugeborene und Säuglinge sind von Unterkühlung und Atemwegserkrankungen bedroht.“
— UNICEF-Statement, 16. Januar 2026
Laut dem ukrainischen Gesundheitsministerium wurden in den letzten 30 Tagen mehr als 1.000 Menschen mit Erfrierungen und Unterkühlungen in Krankenhäuser eingeliefert. Die Situation könne „bedrohlich werden, wenn die Temperaturen sinken oder sich die Wetterbedingungen verschlechtern“.
Wie hilft die internationale Gemeinschaft?
Die Europäische Union reagiert mit Soforthilfe:
EU-Hilfspaket
„Mehr als eine Million Ukrainer sind bei eisigen Temperaturen ohne Strom, Wasser und Heizung, nachdem die russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur unerbittlich waren“, erklärte die Europäische Kommission. Hunderte Notstromaggregate werden in die Ukraine geschickt.
Deutschland bezeichnete die russischen Winterangriffe auf die Energieinfrastruktur als „Kriegsverbrechen“. Auch Polen hat bestätigt, alle verbleibenden MiG-29-Kampfflugzeuge an die Ukraine zu übergeben, um die Luftabwehr zu stärken.
Wie viele Menschen haben Kiew verlassen?
Die humanitäre Krise hat zu einer Massenflucht aus der Hauptstadt geführt:
| Statistik | Zahl |
|---|---|
| Einwohner Kiews (vor Krise) | Ca. 3 Millionen |
| Menschen, die Kiew verlassen haben | Ca. 600.000 |
| Haushalte ohne Strom (landesweit) | Ca. 1 Million |
| Gebäude ohne Heizung in Kiew (aktuell) | Ca. 300-400 |
| Personen mit Erfrierungen (30 Tage) | Über 1.000 |
Der Journalist Oleksyj Sorokin vom „Kyiv Independent“ schrieb: „Es gibt Orte in Kiew, die derzeit unbewohnbar sind.“
Gibt es Hoffnung auf Entspannung?
Am 24. Januar 2026 gab Präsident Selenskyj bekannt, dass ein zweitägiges trilaterales Treffen zwischen den USA, der Ukraine und Russland in den Vereinigten Arabischen Emiraten beginnen soll. Der diplomatische Berater des Kremls, Juri Uschakow, erklärte, die Gespräche seien „in jeder Hinsicht nützlich“ gewesen – bestand aber darauf, dass Moskaus territoriale Forderungen erfüllt werden müssten.
Die Wetterprognose zeigt eine leichte Entspannung ab Ende Januar mit Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt. Ob die Reparaturen an der Infrastruktur schneller vorankommen als neue Angriffe Schäden verursachen, bleibt ungewiss.
Häufig gestellte Fragen
Warum gibt es in Kiew keinen Strom?
Russische Drohnen- und Raketenangriffe haben am 9. Januar 2026 die Energieinfrastruktur Kiews schwer beschädigt. Mindestens zwei Wärmeheizkraftwerke fielen aus. Seitdem gibt es nur 2-3 Stunden Strom pro Tag für die meisten Haushalte. Weitere Angriffe erschweren die Reparaturarbeiten.
Wie kalt ist es in Kiew aktuell?
Die Temperaturen in Kiew liegen im Januar 2026 tagsüber bei minus 7 bis minus 12 Grad, nachts sinken sie auf minus 17 bis minus 20 Grad. In ungeheizten Wohnungen herrschen Temperaturen von nur 5 bis 8 Grad – manche Bewohner berichten sogar von nur 5 Grad in ihren Wohnungen.
Was sind „Punkte der Unbeugsamkeit“?
„Punkte der Unbeugsamkeit“ sind Aufwärmstellen, die in Schulen, Behörden und anderen öffentlichen Gebäuden eingerichtet wurden. Dort gibt es Tag und Nacht Strom zum Aufladen von Handys, Internetzugang und heißen Tee. In Kiew existieren rund 1.200 solcher Stellen, zusätzlich 45 Aufwärmzelte.
Wie viele Menschen sind von dem Blackout betroffen?
Über eine Million Haushalte in Kiew sind ohne ausreichende Stromversorgung. Anfangs waren 6.000 Wohnblöcke ohne Heizung, aktuell sind es noch rund 300-400. Etwa 600.000 Menschen haben die Stadt bereits verlassen.
Wie hilft die EU der Ukraine?
Die Europäische Union schickt Hunderte Notstromaggregate in die Ukraine, um die Stromversorgung wichtiger Einrichtungen zu sichern. Deutschland bezeichnete die russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur als „Kriegsverbrechen“.
Was sagt Vitali Klitschko zur Lage?
Bürgermeister Vitali Klitschko hat den Notstand ausgerufen und die Bewohner aufgefordert, Kiew vorübergehend zu verlassen, um die Infrastruktur zu entlasten. Er beschreibt die Situation als die schwerste Energiekrise seit Februar 2022.
Wann wird sich die Lage verbessern?
Die extremen Wetterbedingungen werden laut Prognosen noch mindestens acht bis zehn Tage anhalten. Ab Ende Januar ist eine leichte Entspannung mit Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt möglich. Die Reparaturen gehen voran, werden aber durch neue Angriffe immer wieder unterbrochen.
Fazit: Kiew im Überlebenskampf
Kiew erlebt im Januar 2026 die schwerste humanitäre Krise seit Beginn des russischen Angriffskrieges. Die Kombination aus gezielten Angriffen auf die Energieinfrastruktur und extremer Kälte hat die Drei-Millionen-Stadt in einen Überlebenskampf gestürzt. Während Hunderttausende fliehen, harren andere in eiskalten Wohnungen aus – mit Zelten im Wohnzimmer und heißen Ziegelsteinen im Bett. Die internationale Gemeinschaft reagiert mit Hilfslieferungen, doch ob die Unterstützung ausreicht, um die Menschen durch diesen „härtesten Winter seit Kriegsbeginn“ zu bringen, bleibt ungewiss. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die ukrainische Infrastruktur den Angriffen standhält – und ob Friedensgespräche Linderung bringen können.

