Der Fall Inga, das mysteriöse Verschwinden der damals fünfjährigen Inga Gehricke am 2. Mai 2015, bewegt Deutschland bis heute. Zum 11. Jahrestag ihrer Entführung, am 1. Mai 2026, intensivieren die Ermittlungsbehörden ihre Anstrengungen mit einer groß angelegten Fahndungsoffensive, um endlich Klarheit in diesen Cold Case zu bringen.
Inga Gehricke, geboren am 18. August 2009, verschwand während eines Familienausflugs in Wilhelmshof, einem Ortsteil von Stendal in Sachsen-Anhalt. Trotz umfassender Suchaktionen und Tausender eingegangener Hinweise fehlt von ihr seit über einem Jahrzehnt jede Spur. Das Schicksal des Mädchens, das heute 16 Jahre alt wäre, bleibt ungeklärt und zeugt von einer tief sitzenden Ungewissheit, die ihre Familie und die Öffentlichkeit belastet.
Inga Gehricke ist ein vermisstes Mädchen, das am 2. Mai 2015 im Alter von fünf Jahren in Wilhelmshof, Sachsen-Anhalt, verschwand. Der Fall Inga ist bis heute ungeklärt, obwohl die Polizei in Halle und das BKA im Mai 2026 eine neue Fahndungsoffensive starten, um durch Plakate und eine Sendung bei ‚Aktenzeichen XY… ungelöst‘ neue Hinweise zu erhalten. Die Belohnung beträgt 50.000 Euro.
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Das Wichtigste in Kürze zum Fall Inga
- **Verschwinden:** Inga Gehricke, geboren am 18. August 2009, verschwand am 2. Mai 2015 im Alter von fünf Jahren während eines Familienfestes in Wilhelmshof, Sachsen-Anhalt.
- **Suchaktionen:** Unmittelbar nach Ingas Verschwinden startete eine der größten Suchaktionen in der deutschen Kriminalgeschichte mit Tausenden von Einsatzkräften, Suchhunden und Hubschraubern.
- **Ermittlungsstand:** Trotz über 2.000 anfänglicher und mittlerweile rund 4.000 Ermittlungsansätze fehlt bis heute jede konkrete Spur.
- **Neue Ermittlungsgruppe:** Im April 2023 übernahm eine neue Cold-Case-Ermittlungsgruppe der Polizeiinspektion Halle den Fall Inga, um die 40.000 Seiten umfassenden Akten neu zu bewerten.
- **Belohnung:** Für Hinweise, die zur Aufklärung des Falls oder zum Auffinden von Inga führen, ist eine Belohnung von 50.000 Euro ausgesetzt.
- **Aktuelle Fahndungsoffensive 2026:** Zum 11. Jahrestag ihres Verschwindens starten Polizei Halle und BKA eine neue Öffentlichkeitsfahndung mittels Großplakaten, LED-Leinwänden und einem geplanten Beitrag bei „Aktenzeichen XY… ungelöst“.
- **Familieninitiative:** Ingas Familie unterstützt die Suche aktiv und betreibt die Website inga-suche.de.
Der tragische Tag im Mai 2015
Der 2. Mai 2015 sollte ein fröhlicher Tag für die Familie Gehricke werden. Inga, damals fünf Jahre alt, war mit ihren Eltern und Geschwistern zu Freunden in das Diakoniewerk Wilhelmshof bei Stendal in Sachsen-Anhalt gereist, um gemeinsam zu grillen. Es war ein Nachmittag voller Spiel und Unbeschwertheit. Gegen 18:30 Uhr half Inga ihrem Vater Jens-Uwe Gehricke dabei, zwei 1,5-Liter-Wasserflaschen zum Grillplatz zu tragen, der etwa 100 Meter vom Haus entfernt am Waldrand lag. Zwei Kinder sahen sie kurz darauf, wie sie sich auf dem Weg zurück zum Haus befand. Doch Inga kam dort nie an. Um 18:45 Uhr bemerkte ihre Mutter Victoria Gehricke ihr Fehlen. Die sofortige Suche der Familie und der Anwesenden blieb ergebnislos. Der Fall Inga begann in diesen wenigen Minuten, die das Leben der Familie für immer verändern sollten.
Umfangreiche Suchaktionen und erste Ermittlungen
Nach Ingas Verschwinden entwickelte sich eine der größten Suchaktionen in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Mehr als 1.500 Einsatzkräfte, darunter Hunderte Polizisten, Feuerwehrleute, DRK und THW, durchkämmten tagelang ein riesiges Waldgebiet von rund 3.500 Hektar im Suchradius von vier bis fünf Kilometern um den Wilhelmshof. Dabei kamen Spürhunde, Hubschrauber mit Wärmebildkameras und sogar Taucher zum Einsatz, um Teiche und Gewässer zu untersuchen. Die Polizei bildete die Ermittlungsgruppe „Wald“ mit bis zu 40 Beamten, die Tausenden von Hinweisen aus der Bevölkerung nachgingen. Anfangs wurde die Möglichkeit eines Unglücks in Betracht gezogen, doch bereits am 7. Mai 2015, fünf Tage nach dem Verschwinden, erklärte die Polizei, dass ein Verbrechen zunehmend wahrscheinlich sei.
Trotz der immensen Anstrengungen führte keine der Spuren zu einem konkreten Ergebnis. Die Ermittlungen wurden im Jahr 2019 offiziell eingestellt, da keine heiße Spur gefunden werden konnte. Dies war ein schwerer Schlag für Ingas Familie, die das Vertrauen in die ursprünglichen Ermittler zunehmend verlor.
Kritik und Neuanfang der Ermittlungen
Die Familie Gehricke und ihre Anwälte äußerten in den Jahren nach Ingas Verschwinden immer wieder scharfe Kritik an den anfänglichen Ermittlungen. Sie warfen der Polizei und Justiz gravierende Fehler und das Übersehen wichtiger Spuren vor. Anwalt Steffen Tzschoppe, der Ingas Bruder vertritt, betonte, dass in den Akten zahlreiche Ermittlungsansätze zu finden seien, die nicht ausreichend verfolgt wurden.
Aufgrund dieser Vorwürfe und des anhaltenden öffentlichen Drucks kam im April 2023 neue Bewegung in den Fall Inga. Die damalige Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) ordnete an, dass die Ermittlungen von der Polizei Stendal an eine neu gebildete Cold-Case-Ermittlungsgruppe der Polizeiinspektion Halle übergeben wurden. Ein Team von acht engagierten Beamten begann, die mittlerweile 40.000 Seiten umfassenden Akten zu digitalisieren und mit modernen Fallbearbeitungssystemen wie „RS Case ST“ neu zu analysieren. Ziel ist es, neue Zusammenhänge herzustellen und bisher unentdeckte Spuren zu finden. Die Familie zeigte sich von dieser neuen Herangehensweise beeindruckt und schöpft wieder Hoffnung. Die Mutter von Inga, Victoria Gehricke, äußerte sich gegenüber dem MDR mit dem Wunsch, dass sich die unbelastete Ermittlungsgruppe den Fall Inga komplett neu vornimmt und gründlich alles aufrollt.
Aktuelle Fahndungsoffensive im Fall Inga 2026
Der 1. Mai 2026 markiert einen Wendepunkt in den Ermittlungen zum Fall Inga. Zum elften Jahrestag ihres Verschwindens starten die Cold-Case-Experten der Polizei Halle in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt (BKA) eine umfassende neue Fahndungsoffensive. Diese Initiative soll das öffentliche Interesse neu entfachen und entscheidende Hinweise generieren. Geplant sind:
- **Großflächige Plakataktionen:** Inga Gehrickes aktuelles, computergeneriertes Bild, das zeigt, wie sie heute mit 16 Jahren aussehen könnte, wird auf Großplakaten und LED-Leinwänden deutschlandweit zu sehen sein.
- **TV-Beitrag:** Ein Beitrag in der bekannten ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ ist in Vorbereitung. Dieser soll die Details des Falls nochmals einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Die Bedeutung solcher Sendungen für die Aufklärung von Verbrechen ist immens, wie auch die Aufmerksamkeit für andere TV-Formate zeigt, die sich mit gesellschaftlich relevanten Themen beschäftigen, wie beispielsweise Joko und Klaas gegen ProSieben.
- **Kooperation mit BKA:** Durch die Zusammenarbeit mit dem BKA erhoffen sich die Ermittler eine noch größere Reichweite und die Nutzung spezieller Fahndungskanäle.
Antje Hoppen, Sprecherin der Polizeiinspektion Halle, bestätigte, dass sich die Maßnahmen derzeit in Abstimmung und Planung befinden. Parallel dazu wurden im Dezember 2024 erneut Spezialhunde auf dem Gelände eingesetzt, auf dem Inga 2015 verschwand. Bereits im März 2026 durchsuchten rund 70 Polizisten zum 16. Mal ein Waldgebiet bei Stendal im Rahmen der Cold-Case-Ermittlungen.
Die Rolle der Öffentlichkeit und der Familie
Die Familie Gehricke gibt die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Inga nicht auf. Ingas Mutter Victoria Gehricke sagte: „Ich fühle, dass mein Kind noch lebt. Für mich ist das eine Chance, dass meine Familie und ich neue Hinweise zu Inga erhalten. Ich wünsche mir nichts mehr, als dass sie gefunden wird.“ Diese unerschütterliche Hoffnung treibt die Familie an, selbst aktiv an der Suche mitzuwirken. Sie haben die Website inga-suche.de ins Leben gerufen, um Hinweise zu sammeln und den Fall Inga in der Öffentlichkeit präsent zu halten. Die Seite dient als zentrale Anlaufstelle für Informationen und emotionale Appelle.
Eine ungewöhnliche Suchmethode wurde bereits 2024 angewandt, als Ingas Foto auf Tausende von Smoothie-Flaschen gedruckt wurde. Ergänzt durch ein computergeneriertes Bild von Inga als 16-Jährige, sollte dies die Aufmerksamkeit der Verbraucher wecken. Diese kreativen Ansätze zeigen die Verzweiflung und Entschlossenheit der Familie, die keine Möglichkeit unversucht lässt. Die emotionale Belastung für die Eltern ist immens, wie auch in anderen Vermisstenfällen deutlich wird. Der Schmerz und die Ungewissheit, die eine Mutter wie Victoria Gehricke durchlebt, ähneln den Erfahrungen im Mordfall Fabian, wo ebenfalls die Aussage einer Mutter im Fokus der Berichterstattung stand.
Die Belohnung für Hinweise, die zur Aufklärung des Falls oder zum Auffinden von Inga führen, wurde von ursprünglich 25.000 Euro auf 50.000 Euro erhöht. Jeder noch so kleine Hinweis könnte der Schlüssel zur Lösung dieses zehnjährigen Rätsels sein.
Verbindung zu anderen Vermisstenfällen
Der Fall Inga wurde im Laufe der Jahre immer wieder mit anderen prominenten Vermisstenfällen in Verbindung gebracht. Insbesondere gab es 2020 eine Verbindung zum Fall der vermissten Madeleine McCann. Der Hauptverdächtige in diesem Fall, Christian B., geriet auch ins Visier der Ermittler im Fall Inga. Er lebte etwa 50 Meilen vom Verschwindenort Ingas entfernt und war am Tag vor Ingas Verschwinden in einen Autounfall in der Gegend verwickelt. Jedoch konnte Christian B. durch Handy-Ortungsdaten für den Abend von Ingas Verschwinden ausgeschlossen werden.
Ein weiterer Verdächtiger, Martin H., ein verurteilter Pädophiler aus Stendal, wurde ebenfalls intensiv überprüft, nachdem in seiner Wohnung kinderpornografisches Material und Vorrichtungen zur Fesselung gefunden wurden. Er hatte zudem detaillierte Kenntnisse über den Fall Inga gezeigt und prahlte damit, von der Polizei gejagt zu werden. Trotz einer Durchsuchung seines verwilderten Grundstücks in Sachsen-Anhalt, das er als potenziellen Entführungsort geplant hatte, fanden sich keine Spuren von Inga.
Diese Verbindungen unterstreichen die Komplexität und die weitreichenden Ermittlungen, die in diesem Cold Case durchgeführt wurden und immer noch werden. Die Ermittler müssen dabei jede Spur prüfen, auch wenn sie sich am Ende als nicht zielführend erweist.
Chronologie des Falls Inga Gehricke
| Datum | Ereignis | Quelle |
|---|---|---|
| 02. Mai 2015 | Inga Gehricke verschwindet in Wilhelmshof, Sachsen-Anhalt. | |
| 07. Mai 2015 | Polizei geht offiziell von einem Verbrechen aus. | |
| Juni 2015 | Belohnung von 25.000 Euro ausgesetzt. | |
| 2019 | Ermittlungen werden offiziell eingestellt. | |
| 2020 | Verbindung zum Fall Madeleine McCann und Christian B. geprüft, später ausgeschlossen. | |
| April 2023 | Neue Cold-Case-Ermittlungsgruppe der Polizei Halle übernimmt den Fall. | |
| 2024 | Ingas Foto auf Smoothie-Flaschen gedruckt, Belohnung auf 50.000 Euro erhöht. | |
| März 2026 | 16. Suchaktion im Waldgebiet bei Stendal durch 70 Polizisten. | |
| Mai 2026 | Neue Fahndungsoffensive mit BKA, Plakaten und „Aktenzeichen XY… ungelöst“-Beitrag. |
FAQ zum Fall Inga
- Wann und wo verschwand Inga Gehricke?
- Inga Gehricke verschwand am 2. Mai 2015 im Alter von fünf Jahren während eines Familienfestes in Wilhelmshof, einem Ortsteil von Stendal in Sachsen-Anhalt.
- Gibt es neue Entwicklungen im Fall Inga im Jahr 2026?
- Ja, zum 11. Jahrestag ihres Verschwindens starten die Polizei Halle und das Bundeskriminalamt (BKA) im Mai 2026 eine neue Fahndungsoffensive mit Großplakaten, LED-Leinwänden und einem geplanten Beitrag in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“.
- Wie hoch ist die Belohnung für Hinweise im Fall Inga?
- Die Belohnung für Hinweise, die zur Aufklärung des Falls oder zum Auffinden von Inga führen, beträgt 50.000 Euro.
- Wurde eine Verbindung zum Fall Madeleine McCann geprüft?
- Ja, im Jahr 2020 wurde der Hauptverdächtige im Fall Madeleine McCann, Christian B., auch im Fall Inga geprüft, jedoch später aufgrund von Handy-Ortungsdaten ausgeschlossen.
- Was unternimmt die Familie, um Inga zu finden?
- Die Familie Gehricke betreibt die Website inga-suche.de, hat Ingas Foto auf Smoothie-Flaschen drucken lassen und setzt sich aktiv für die Aufklärung des Falls ein.
- Wie sah Inga am Tag ihres Verschwindens aus?
- Inga war ca. 118 cm groß, hatte blaue Augen und mittelblonde, zu einem Zopf gebundene Haare. Ihr fehlten beide oberen Schneidezähne. Sie trug ein mintgrünes Langarmshirt mit Schmetterlingen, blaue Jeans und dunkelpinke „Elefanten“-Halbschuhe.
Fazit: Die Hoffnung im Fall Inga bleibt bestehen
Der Fall Inga ist ein zutiefst tragisches und rätselhaftes Kapitel in der deutschen Kriminalgeschichte. Elf Jahre nach ihrem Verschwinden bleibt das Schicksal der kleinen Inga Gehricke ungeklärt, doch die neuen Anstrengungen der Ermittlungsbehörden und die unermüdliche Hoffnung ihrer Familie geben Anlass zur Zuversicht. Die neue Fahndungsoffensive im Mai 2026, unterstützt durch das BKA und eine breite Medienpräsenz, soll die Erinnerung an Inga wachhalten und potenzielle Zeugen ermutigen, sich zu melden. Jeder Hinweis, mag er noch so klein erscheinen, kann einen entscheidenden Beitrag zur Aufklärung leisten und der Familie endlich die Gewissheit bringen, nach der sie sich seit über einem Jahrzehnt sehnt. Es bleibt zu hoffen, dass der Fall Inga bald seine tragische Auflösung findet.

